Raucherdebatte: „Woher kommt dieser Hass?“. Bezirksvertrauensmann der Wirte ist froh, dass kein Rauchverbot kommt. Rauchen in Lokalen sei nicht mehr zeitgemäß, kontert ein anderer Gastwirt.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 21. Dezember 2017 (05:22)
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Das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie wird nicht wie geplant im Mai 2018 in Kraft treten. Der Bezirksvertrauensmann der Gastronomie, Gertschi Maschler aus Wienersdorf, freut sich, dass das Rauchverbot nicht kommt. Laut Maschler hätten etliche Wirte angekündigt, im Falle eines Inkrafttretens aufzuhören. „Vor allem für kleine Gastronomiebetriebe ist das jetzt eine tolle Entscheidung – Hut ab!“

Er verstehe jedoch nicht, „warum die Nichtraucher uns Wirte so hassen“. Das sei für ihn unerklärlich. Laut Maschler führen viele kleine Betriebe einen Überlebenskampf. Immer neuere Gesetze und Auflagen wie die Registrierkassen-Pflicht hätten dazu geführt, dass viele Wirte aufgeben. „Ich bin froh, dass alles so bleibt.“ Er ist sich sicher: Von den 735 Gastronomiebetrieben im Bezirk finden 80 Prozent die jetzige Lösung gut.“ Dazu komme, dass viele Gastronomen hohe Summen in getrennte Räume investiert haben.

„Gleiche Voraussetzungen für alle“

Im Restaurant Amterl in Baden bereut man keine Sekunde seit Mai raucherfrei zu sein. Wie berichtet, hatte das Amterl eine Umfrage unter seinen Gästen initiiert. Nachdem die eindeutige Mehrheit sich gegen das Rauchen entschieden hatte, ist das Lokal jetzt rauchfrei. Pächter Michael Dvoracek: „Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir werden ein Nichtraucherlokal bleiben.“ Problematisch sei es nur für das Bargeschäft. Hier ortet er in der jetzigen Lösung eine Ungerechtigkeit und fordert „gleiche Voraussetzungen für alle“. Das hätte das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie erreicht.

Schockiert über die Entscheidung der künftigen VP-FP-Regierung ist Markus Trocki, Chef das Restaurants Marktamt in Baden, ein Nichtraucherlokal. Er ist für ein absolutes Rauchverbot, vor allem aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes und der Hygiene. Raucherlokale hätten erhebliche Zusatzkosten, da öfter geputzt werden müsse und der Gestank störe. „Das ist doch nicht mehr zeitgemäß“, so Trocki. Er war früher selbst starker Raucher und habe dann in Irland, das als erstes Land ein Rauchverbot eingeführt hatte, gesehen, „wie gut es funktioniert“.