Schule und soziale Medien: Von Protest bis Verständnis. Wie reagieren Direktoren, Schüler und Eltern auf Erlass des Landesschulrates?

Von Andreas Fussi. Erstellt am 27. November 2018 (03:38)
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Das Land NÖ hat mit dem Landesschulrat Empfehlungen zum richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken für Schulen ausgearbeitet. Ein Verbot sozialer Medien findet sich nicht, dafür wird ein restriktiver Umgang empfohlen.

Die Folge war, dass sämtliche WhatApp-Klassengruppen, bei denen Lehrerinnen Mitglieder waren, von diesen verlassen wurden, berichtet Trumaus Volksschuldirektorin Alexandra Kropf. Elterninformation erfolge nur mehr über das Mitteilungsheft oder persönliche Telefonate.

Unmut der Eltern über WhatsApp-Rückzug

„Dies hat besonders unter den Eltern für großen Unmut gesorgt, die die raschen Informationen der Schule über WhatsApp sehr zu schätzen wussten. Es wurden sogar Protestbriefe geschickt“, so Kropf. „Ich glaube, dass es wichtig wäre, den sinnvollen und richtigen Umgang mit Medien wie Whats

App, Facebook und Co. zu lernen.“ Laut Brigitte Gumilar, Direktorin der Mittelschule Baden, ziele der Erlass „darauf ab, die Position der Lehrer in ihrer beruflichen Rolle klar von der eines Whats App oder Facebook Freundes zu trennen. Er schränkt aus meiner Sicht die Vermittlung digitaler Kompetenzen im Unterricht in keiner Form ein.“

An der Polytechnischen Schule nutzen manche Lehrer WhatsApp für den Kontakt mit Eltern und Schülergruppen. Das sei aber „jedem Klassenvorstand freigestellt und beruht auf dem Einverständnis aller Beteiligten“, so Direktorin Barbara Kogler. Am BG/BRG Baden Frauengasse laufe die offizielle Kommunikation zwischen Direktion-Lehrern-Eltern „vorwiegend über das persönliche Gespräch“, so Direktorin Sonja Happenhofer, wenn nötig, würden die Dienst-E-Mail-Adressen benutzt werden, da bei einer Kommunikation via WhatsApp der Datenschutz nicht gewährleistet sei. „Im Informatikunterricht werden unsere Schüler im Umgang mit Messengerdiensten und Kommunikationsplattformen vertraut gemacht und bezüglich der digitalen Benimmregeln sensibilisiert“, weiß Happenhofer.

Auch im BG/BRG Biondekgasse werden die digitalen Kompetenzen nach dem eigens dafür aufgestellten Schulqualitätsentwicklungsplan gefördert, bestätigt Direktorin Birgitta Stieglitz. Kristina Weis vom Elternverein des BG Frauengasse sieht die Anordnung des Landesschulrates „primär als eine durch die Umsetzung und Anwendung der DSGVO motivierte Maßnahme“. Insbesondere der Schutz der Daten von Eltern und Schülern müsse im Vordergrund stehen. Der Elternverein finanziere daher Workshops zum „sinnvollen, respektvollen und risikobewussten Umgang mit sozialen Medien“, um Schüler zu schulen.

Ob ein generelles Verbot sozialer Medien an Schulen der geeignetste Weg sei, könne nur eine offene Diskussion und die Einbindung aller Beteiligten zeigen, meint Manuela Hofer vom Elternverein der Biondekgasse. Da ihnen die Wichtigkeit der Diskussion zu Sozialen Medien und digitaler Kompetenz bewusst sei, werde es im Jänner einen Vortrag mit Diskussion zum Thema „Safer Internet“ für alle Eltern und Schüler geben.

Für die Schülervertretung der Biondekgasse wäre ein Verbot „ein Eingriff in unsere Privatsphäre“, so Natalie Scharschon. Die Schülervertretung habe einen Facebook und Instagram Account, „weil wir es wichtig finden, immer unsere Schüler auf dem Laufenden zu halten“.

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