Schule während Corona: Zwischen Kritik und Hoffnung

Erstellt am 26. Januar 2022 | 04:30
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Schule Symbolbild
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Foto: lonndubh, Shutterstock.com
Testungen und Homeschooling belastend, die Pandemie könne jedoch lehrreich sein.
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Seit bereits vier Semestern findet der Schulbetrieb im Schatten der Corona-Pandemie statt. Schüler, Lehrer und nicht zuletzt Eltern werden vor große Herausforderungen gestellt, österreichweit macht sich immer lauter werdende Kritik breit. Wie läuft der Betrieb in Badener Schulen derzeit und was erwartet man sich für die nähere Zukunft?

Einen „immensen Mehraufwand“ bedeuten laut der Direktorin des Gymnasiums BG/BRG Baden Biondekgasse, Birgitta Stieglitz-Hofer, die Schultestungen: „Dass in einer Zeit so hoher Infektionszahlen nicht zwei PCR-Tests pro Woche durchgeführt werden können und Testergebnisse nicht zeitgerecht und teilweise unvollständig rückgemeldet werden, stellt für die Schule eine große Zusatzbelastung dar. “ Ansonsten laufe es „an sich gut“, die Direktorin wünsche sich jedenfalls, dass nach den Semesterferien wieder Schulveranstaltungen stattfinden können.

„Die Herausforderung für die Lehrer und Lehrerinnen ist, dass sie Stunden präsent und virtuell abwechselnd halten und viele Tests etc. für einzelne Schülerinnen und Schüler nachholen müssen.“ Sonja Happenhofer, Direktorin BG/BRG Frauengasse

Viele Schülerinnen und Schüler eines weiteren Badener Gymnasiums, des BG/BRG Frauengasse, seien derzeit in Quarantäne, wie Direktorin Sonja Happenhofer erzählt: „In der letzten Woche waren sogar drei Klassen abgesondert und im Distance Learning. Die Herausforderung für die Lehrer und Lehrerinnen ist, dass sie Stunden präsent und virtuell abwechselnd halten und viele Tests etc. für einzelne Schülerinnen und Schüler nachholen müssen.“

Das Distance-Learning funktioniere in der Frauengasse laut Elternvereinsobmann Helmut Prenner aber „überraschwenderweise gut“. Die Kommunikation zwischen verschiedenen Institutionen hingegen lasse zu wünschen übrig: „Der Austausch zwischen Ministerium, Landesschulbehörden und Schulleitungen ist aus meiner Sicht schlecht abgelaufen.“

Pandemie als Chance für Digitalisierung nutzen

Ein Lehrer des Don Bosco Gymnasiums in Unterwaltersdorf, der mitten in der Pandemie seinen Dienst antrat, sagt bezüglich des Homeschoolings: „Ich habe meine Schülerinnen und Schüler anfangs nur per Videokonferenz gesehen. Dadurch war es schwierig, sie kennenzulernen, zudem mir bewusst ist, dass die Arbeitshaltung zu Hause eine andere ist, was die Mitarbeit beeinträchtigen kann.“

Der Direktor der Neuen NÖ Mittelschule Alland, Stefan Petrovitz, meint, man müsse sich auf jene Dinge konzentrieren, die man als Schule autonom ändern könne: „Dazu zählen u.a. ein funktionierendes Distance-Learning System, eine erstklassige Ausstattung und zusätzliche Förderstunden.“ Womöglich könne die Krise gar Positives hervorbringen: „Ich hoffe, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der Lehrkräfte durch ihr großes Engagement in der Krise langfristig verbessert.“

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Stefan Petrovitz ist Direktor der Mittelschule Alland.
 
Foto: Foto: privat

Das ganze Engagement hilft jedoch nichts, wenn die Lehr- und Betreuungskräfte fehlen. Ebreichsdorfs Volksschuldirektorin Lidwina Unger gibt zu bedenken: „Es ist eine gewisse Herausforderung, den Regeln gerecht zu werden und den Kindern gerecht zu werden. Vor allem, wenn aufgrund von Krankenständen das Lehrpersonal fehlt. Es wäre eine große Hilfe, wenn es genug Lehrerinnen und Lehrer geben würde, die supplieren können. Es sollte ja auch Ziel der Schule sein, den Kindern pädagogische Konzepte so zu vermitteln, dass Schule Spaß macht. Doch gerade das Soziale und das Miteinander geht in der Corona-Zeit verloren.“

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Lidwina Unger ist Direktorin der Volksschule Ebreichsdorf.
Foto: Foto: JJ

Das bekräftigt auch Badens Mittelschul-Direktorin Brigitte Gumilar: „Alle Dinge, die für Kinder schön sind, können nicht stattfinden. Es fehlt der Spaßfaktor. Unsere Musicalaufführung verschieben wir schon seit zwei Jahren, genauso wie die Feier am Faschingsdienstag. Es ist weniger ein Verlust der Bildung, also auch ein Verlust im Sozialen und im gemeinschaftlichen Beisammensein.“

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