Schwarz-Blau als SPÖ-Angst. Ortschefs bleiben, was Regierungspräferenzen betrifft, zurückhaltend. Nur rasch sollte Regierung stehen.

Von Andreas Fussi, Thomas Lenger, Judith Jandrinitsch und Elfi Holzinger. Erstellt am 08. Oktober 2019 (03:37)
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ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg. Am 7. Oktober hat Van der Bellen Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.Fohringer

Für Ebreichsdorfs SPÖ-Bürgermeister und Landesgeschäftsführer der SPÖ Niederösterreich Wolfgang Kocevar ist hinsichtlich der Koalitionspräferenzen klar: „Die Entscheidung liegt jetzt bei Sebastian Kurz. Die SPÖ wird sich Gesprächen nicht verweigern, aber unser Wahlergebnis ist kein Regierungsauftrag.“

Kocevar meint: „Ich glaube, dass es am Ende wieder Schwarz-Blau werden wird, weil Schwarz-Grün bei vielen Themen inhaltlich viel zu weit auseinander liegen. Aber man wird sehen. Wichtig ist, dass man jetzt möglichst rasch zu inhaltlicher Arbeit für Österreich zurückkehrt.“ Eine rasche Entscheidung wünscht sich auch Oberwaltersdorfs ÖVP-Bürgermeisterin Natascha Matousek. Sie meint: „Mein Wunsch ist eine Entscheidung noch vor Weihnachten. Wer mit wem kann, wird sich aus meiner Sicht erst bei den Gesprächen der Parteien zeigen.“

Politik heißt der Bevölkerung dienen. Da geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, die müssen zurückgestellt werden“, Christoph Kainz, ÖVP

Altenmarkts Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Josef Balber, ÖVP, sieht die Koalitionsfrage weniger dogmatisch: „Wichtig ist, dass man jetzt nach der Wahl Gräben überwindet und inhaltlich wieder zueinanderfindet, denn in Wahrheit gibt es mit allen Parteien Punkte, wo man übereinstimmt und für alles Trennende gibt es auch Lösungen.“

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Peter Gerstner (FPÖ) sieht Fortsetzung der Koalition mit der ÖVP letztlich als ideal an.

FPÖ-Bezirkschef Peter Gerstner findet, dass eine Koalition der ÖVP mit den Grünen „das Schlechteste wäre – das tut uns allen nicht gut, da ist der eingeschlagene Weg der letzten Regierung weg.“ Eine Koalition von ÖVP und SPÖ sei „schwierig, da ist ein tiefer Graben“, glaubt er. Er ist daher überzeugt: „Es wäre ideal, den bisherigen Weg mit uns fortzusetzen – aber die Voraussetzungen dafür sind nach der Wahl schlecht.“ SPÖ-Bezirksparteiobmann Andreas Kollross und Bürgermeister von Trumau kann sich eine Koalition seiner Partei mit der ÖVP kaum vorstellen. Er betont: „Ich sehe aufgrund des Wahlergebnisses keinen Auftrag an die SPÖ für eine Regierungsbeteiligung. Wenn man sich die Parteiinhalte und die Entwicklung der letzten beiden Jahre ansieht, dann gibt es die größten Schnittmengen zwischen Schwarz und Blau. Eine Konstellation die ich zwar mit aller Leidenschaft ablehne, allerdings als machbar von vielen Menschen in Österreich gewählt wurde.“

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Andreas Babler (SPÖ) kann sich Zusammenarbeit mit ÖVP nicht vorstellen.

Parteigenosse Andreas Babler, SPÖ, geht in eine ähnliche Richtung. Der Bürgermeister von Traiskirchen war in den letzten Tagen gefragter Gesprächspartner vieler Medien, vom ORF bis zu Puls 4. Er spricht sich ebenfalls offen für eine Rundum-Erneuerung seiner Partei aus. Er erklärt: „Das müssen nicht unbedingt nur junge Menschen sein, aber Menschen, die bis jetzt in der zweiten Reihe waren und die etwas Bewegen wollen.“

Eine Koalition mit der ÖVP kann er sich unter keinen Umständen vorstellen, auch nicht eine Minderheitsregierung. „Eine ÖVP-Minderheitsregierung unterstützen?“, schreibt Babler auf Twitter. „Ich halte das für völlig schwachsinnig. Wir können nicht etwas unterstützen, was uns diametral entgegensteht.“ Er selbst möchte Bürgermeister in Traiskirchen bleiben, immerhin gelte es in drei Monaten „eine rote Stadt“ zu verteidigen.

„Das Ergebnis ist klar – ein Vertrauensvotum gegenüber Sebastian Kurz und der ÖVP.

Pfaffstättens Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Christoph Kainz, ÖVP, malt hingegen nicht schwarz: „Das Ergebnis ist klar – ein Vertrauensvotum gegenüber Sebastian Kurz und der ÖVP.“ Jetzt gelte es, rasch eine stabile Regierungskonstellation zu bilden, die imstande sei, Zukunftsthemen anzupacken. Außerdem betont Kainz: „Politik heißt, der Bevölkerung zu dienen. Da geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, die müssen zurückgestellt werden. Es geht darum, wie können wir gemeinsam für Österreich die anstehenden Themen umsetzen, das ist mein Zugang zur Politik.“

Ähnlich argumentiert Badens Vizebürgermeisterin, Landtagsabgeordnete Helga Krismer von den Grünen: „Wir Grünen spüren eine große Hoffnung der Wählerinnern und Wähler, dass sich Österreich hin zur ökologischen und sozialen Mitte bewegt.“ Werner Kogler bereite sich mit seinem Team gut auf die Sondierungsgespräche vor. „Ich sehe den Prozess entspannt und ergebnisoffen“, sagt sie.

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