Sicherheit für Radfahrer: Ausbau der Radwege als Gebot. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Thomas Lenger und Andreas Fussi. Erstellt am 13. August 2019 (03:48)
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Einer, der selbst ein begeisterter Radfahrer ist, ist Altenmarkts Bürgermeister Josef Balber, Landtagsabgeordneter der ÖVP. Er sei Alltagsradfahrer „mit bis zu 2.500 Kilometern im Jahr“, bemerkt er stolz. Er sagt angesichts der aktuellen Tragödie, dass jeder für die Sicherheit „selber verantwortlich“ sei. Das betreffe die ordnungsgemäße Beleuchtung, die Benützung eines Helms, auch als Erwachsener, und eine funktionierende Klinge.

„Als Radfahrer soll man nicht vergessen, dass man der Schwächere ist“, unterstreicht Balber. Darüber hinaus würden im Bezirk „laufend Radwege ausgebaut“ werden. Balber verweist auf den Radweg nach Furth, der vor der Umsetzung steht und der Radweg von Gaaden nach Heiligenkreuz, der, wie berichtet, aktuell in Planung ist. Laut Babler müsse man auch darüber nachdenken, die Benutzung von Radwegen „als Verpflichtung“ zu machen.

„Als Radfahrer soll man nicht vergessen, dass man der Schwächere ist“

Badens Vizebürgermeisterin Helga Krismer, ebenfalls eine begeisterte Radfahrerin, die erst vor Kurzem die Großglockner Hochalpenstraße per pedes bezwang, rät beim Thema Radfahren „zu mehr Sachlichkeit statt Aufregung“. Denn, so Krismer in Bezug auf den jüngsten Unfall: „Am selben Tag gab es tödliche Autounfälle und das Autofahren wird nicht infrage gestellt.“

Der Gesetzgeber habe für Kinder-Fahrradanhänger ausreichende Kriterien festgelegt – von Stange mit Wimpel hinten bis zum Speichenschutz für Kinderfinger. Daher sei anzuraten, beim Kauf genau hinzusehen und bei Second-Hand-Ware sich im Fachhandel zu erkundigen, was gegenüber dem Original fehle.

Was wir brauchen, sind gute alltagstaugliche Radinfrastrukturen. Dazu gehören sichere Verbindungen zwischen Gemeinden.“ Helga Krismer, Grünen

„Fakt ist, dass wir alles machen sollten, damit noch mehr Menschen das Rad im Alltag benützen. Unsere Radwege werden mit Landesmittel noch immer dahingehend finanziert, dass sie der Freizeitgestaltung und dem Tourismus dienen sollen. Was wir brauchen, sind gute alltagstaugliche Radinfrastrukturen“, betont Krismer und verweist auf nötige „sichere Verbindungen zwischen Gemeinden. Als Abgeordnete mahne ich das immer wieder ein, aber leider wird eine Waldviertelautobahn geplant statt ein Rad-Paradies Niederösterreich“, sagt Krismer.

Es gebe „auf normalen Straßen ein gutes Auskommen, wenn sich Autofahrende an die gesetzlich, notwendigen Abstände halten“, meint Krismer. Sie könne nur für sich sprechen: „Da ich viel Erfahrung im Straßenverkehr habe, bin ich nicht ängstlich, auch nicht, wenn das Auto knapp an mir vorbei fährt. Ich kann Eltern nur anraten, Kindern die Angst vor Straßen zu nehmen. Nur die ErFAHRung macht sicher!“, konstatiert sie.

„Wir wollen unseren Bürgern zeigen, wie sie mit dem Fahrrad anstatt dem Auto in der Region unterwegs sein können“

In der Kleinregion Ebreichsdorf, das sind die zehn Gemeinden Ebreichsdorf, Seibersdorf, Reisenberg, Mitterndorf, Trumau, Oberwaltersdorf, Tattendorf, Teesdorf, Blumau-Neurißhof und Pottendorf, legt man auf das Radfahren sehr viel wert und hat bereits im vergangenen Jahr eine Radrouten-Karte aufgelegt.

„Wir wollen unseren Bürgern zeigen, wie sie mit dem Fahrrad anstatt dem Auto in der Region unterwegs sein können“, erklärt der Obmann der Kleinregion Ebreichsdorf, Otto Strauss. Die zehn Gemeinden planen, die Radrouten weiter zu verbessern. „Wir wollen die Beschaffenheit der Fahrbahnen verbessern und die Wege beschildern. Dabei geht es vor allem darum, die Radfahrer auf sicheren Wegen abseits des Straßenverkehrs durch die Region zu bringen“, meint Strauss. Den Bürgermeistern der Region sei das Projekt ein großes Anliegen und werde daher von allen unterstützt.

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