Umweltfreundlich: Naturwärme boomt in der Thermenregion. 11 Gemeinden in Bezirken Baden und Mödling haben sich zum größten Naturwärmenetz Österreichs vereinigt.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 10. Januar 2021 (06:06)
Hackschnitzel aus der Region sind ein wertvoller Rohstoff für die Naturwärmeheizwerke der EVN. Raimo Rumpler
EVN /

Im Jahr 2018 entstand in der Thermenregion das größte Naturwärmenetz Österreichs.

11 Gemeinden umfasst das rund 150 Kilometer lange Netz. EVN-Sprecher Stefan Zach erläutert: „Die Nachfrage nach Naturwärme ist nach wie vor hoch – sowohl im privaten Sektor, aber auch bei öffentlichen Objekten und der Industrie. Da macht es natürlich Sinn, das Naturwärmenetz auszubauen und zu verdichten.“

Jährlich werden rund 350 Wohneinheiten und rund 20 Gewerbe bzw. kommunale Objekte neu angeschlossen. Dabei konnten seit 2018 rund 285.000 Tonnen CO2 eingespart werden. „Jedes Jahr kommen knapp 100.000 Tonnen dazu“, betontZach, der damit rechnet, dass die Nachfrage in naher Zukunft noch steigen wird, hat sich die Bundesregierung doch das ehrgeizige Ziel gesteckt, dass bis spätestens 2035 alle Ölheizkessel in Österreich der Vergangenheit angehören sollen.

Neuer Standort im Osten der Region gesucht

Im Nachbarbezirk Mödling ist die EVN gerade auf der Suche nach einem neuen Standort für ein Naturwärmeheizwerk.

Angepeilt wird ein Platz auf einem bis dato unbebauten Acker in Biedermannsdorf. Als Positivbeispiel, um der Bevölkerung Ängste zu nehmen, wird das Heizwerk in Tribuswinkel von Zach angeführt. „Das Naturwärmeheizwerk in Tribuswinkel fügt sich so unauffällig in die Landschaft ein, dass es von Passanten gleich gar nicht wahrgenommen wird. Das gleiche planen wir auch in Biedermannsdorf, wo wir das Heizwerk mit Bäumen umgeben wollen“, sagt Zach.

Auch die Lkw-Anlieferungen sind im Bezirk Baden kein Thema. „Wir haben in Baden ein altes Gasheizwerk geschlossen. Das Naturwärmeheizwerk in Tribuswinkel an der Grenze zur Stadt Baden war die umweltfreundliche Alternative dazu“, erläutert Zach.

Der EVN-Sprecher gibt zu bedenken, dass die unbehandelten Hackschnitzel aus der Region stammen, also aus dem Wienerwald, dem Triestingtal, der Buckeligen Welt, dem Leithagebirge, der Region Rosalia rund um Forchtenstein und den Donau-Auen, wo aus Naturschutzgründen auch Schlägerungen durchgeführt werden müssen.

Warum im Osten der Thermenregion ein neuer Standort gefunden werden muss, erklärt Zach so: „In Perchtoldsdorf, Brunn, Biedermannsdorf und Vösendorf, also Gemeinden, die nahe an der Wiener Stadtgrenze liegen, herrscht ein enormer Siedlungsdruck. Hier entstehen sehr viele neue Wohnbauten, um Wärmeverluste beim Leitungstransport zu vermeiden, ist es wichtig, in diesem Gebiet einen Standort zu finden.“

Neben den Umweltaspekten gibt es auch wirtschaftliche Effekte für die Umgebung: In den letzten drei Jahren wurden rund 25 Millionen Euro an regionaler Wertschöpfung mit den eingesetzten Hackschnitzel generiert. „Wir beziehen unseren Biomasse-Bedarf von lokalen Genossenschaften. Die Ziele sind eine umweltfreundliche Erzeugung sowie das Verbleiben der Wertschöpfung in der Region“, merkt Zach an.