Wie Wildunfälle vermieden werden. Gemeinsam mit Jägern vor Ort entwickeln Forscher immer bessere Wege, um Reh, Feldhase und Co. im Bezirk Baden zu schützen.

Von David Steiner. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:45)
BilderBox, Erwin Wodicka

Wie in ganz Niederösterreich sind auch im Bezirk Baden die Zahlen von Wildunfällen erschreckend hoch. „Bei Haarwild allein zählten wir über 1000 Todesfälle im Jahr 2019. Rehwild und Hasen gefolgt von Fasanen sind am meisten betroffen“, berichtet Bezirksjägermeister Karl Wöhrer. Die Zahlen seien im Bezirk Baden in den letzten Jahren gleichbleibend und ließen keine seriöse Aussage über Tendenzen zu.

Wolfgang Steiner forscht an der BOKU seit über zehn Jahren über Wildunfälle.
privat

Im Rahmen des Projekts „Wildtiere und Verkehr“ (siehe Seite 3) helfen Jägerinnen und Jäger mit, Wildwarnsysteme zu installieren und zu pflegen. Als effektiv hätten sich blaue Wildwarnreflektoren erwiesen, die an Straßenbegrenzungsblöcken montiert würden, erklärt Wöhrer. Die Schwierigkeit sei, dass nicht intakte Reflektoren schnellstmöglich ersetzt werden müssen. „Das Wichtigste ist, dass die Reflektoren gleichmäßig in geschlossener Reihe montiert werden, um ihre Funktion zu erfüllen. Beschädigte oder fehlende Reflektoren werden von Wildtieren als Lücken wahrgenommen“, erklärt der Bezirksjägermeister. Wie Wildunfälle vermieden werden können und welche Wildwarnsysteme am wirkungsvollsten sind, erforscht Wolfgang Steiner an der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU). Der Forscher ist seit über zehn Jahren Leiter des Projekts „Wildtiere und Verkehr“, das sich gleichermaßen der Erhöhung der Verkehrrssicherheit und dem Tierschutz verschreibt. 2012 erhielt das Projekt dafür den Bundestierschutzpreis.

In Bezug auf Wildwarngeräte gibt es bis heute verbreitete Irrtümer. „Es gibt eine extreme Fülle an Wildwarngeräten und -reflektoren, mindestens 40-50 Produkte verschiedener Firmen. Ein Großteil dieses Angebots ist nicht straßenkonform, weil sie die Verkehrssicherheit gefährden oder aufgrund ihrer Funktionsweise ungeeignet sind, um Wild zu warnen“, erklärt Steiner. Als wirkungsvoll hätten sich sogenannte Spiegelreflektoren erwiesen, die Fahrzeuglicht in Richtung des Wildreviers ableiten. Auch die Farbe Blau spielt eine wichtige Rolle, weil sie im Gegensatz zur Farbe Rot vom besonders gefährdeten Rehwild gut gesehen wird.

Wolfgang Steiner forscht an der BOKU seit über zehn Jahren über Wildunfälle.
NOEN

„Bei Rehwild handelt es sich um sogenannte Dichromaten, denen der Rotrezeptor fehlt. Rehe nehmen Lichtwellen im rötlichen Bereich überhaupt nicht wahr“, erklärt Steiner. Er betont, dass es keinen „Wunderwuzzi-Reflektor“ gebe, der universal einsetzbar ist. Bei den ausgewählten Typen in der Studie handle es sich um „Spezialisten“, die sich etwa hinsichtlich der Ausleuchtung unterscheiden würden und je nach Begebenheit der Strecke effektiver sind oder nicht. Wildunfall-Prävention sei immer ein Gesamtpaket, das auch straßenbauliche, jagd- und landwirtschaftliche Aspekte berücksichtigen müsse, erklärt der BOKU-Forscher.

Auf einer Teststrecke in Seibersdorf verzeichne das Projekt gute Erfolge. In Kürze würden sich auch Jagdreviere in Tattendorf und Trumau am Projekt beteiligen, berichtet Wolfgang Steiner. Die Jäger unterstützen nicht nur bei der Installation und Wartung der Wildwarnsysteme, sondern sammeln auch Daten zu Wildunfällen. Trotz Erfolgen in Teilen Niederösterreichs würden Wildunfälle zunehmen. Der steigende Verkehr sei aber nur einer von mehreren Faktoren, erklärt der Experte, der von einer enormen Dunkelziffer ausgeht.

Eine Diskrepanz zeigt sich bereits, wenn man die Zahlen der Jägerschaft mit jenen der Polizei vergleicht. „521 Wildunfälle wurden im Jahr 2019 bei den Polizeiinspektionen im Bezirk Baden angezeigt, heuer waren es mit Stand Anfang Oktober bereits 371“, berichtet Bezirkspolizeikommandant Johannes Jantschy. Erfahrungsgemäß würden aber nur Wildunfälle mit größeren Schäden bei der Polizei angezeigt.

Unfälle unmittelbar bei Polizei melden

Laut Polizei und Jägerschaft gelten für die Fahrzeuglenker, die Wildunfälle vermeiden wollen, die gleichen Empfehlungen: Auf Überlandstraßen und Feldgebieten soll speziell in der Dämmerung die Geschwindigkeit reduziert und auf möglichen Wildwechsel vermehrt geachtet werden.

Wird bei Wildunfällen ein Sachschaden verursacht, ist die Kaskoversicherung zuständig. „Unabdingbar ist jedoch, nach einem Wildunfall unmittelbar die Polizei zu verständigen“, erklärt Gabriela Schneider von der NÖ Versicherung. Ausschlussgründe seien nicht anders als bei anderen Kaskofällen, beispielsweise Alkoholeinfluss oder ein fehlender Führerschein.

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