Wirtesterben: Ofen bleibt oft kalt. Wirtesterben Allergene, Registrierkassenpflicht, mögliches Rauchverbot und Co. erschweren den Gastronomen das Leben. Von ssssss

Von Judith Jandrinitsch, Thomas Lenger und Christian Dusek. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:20)
Symbolbild
Natalia Klenova / Shutterstock.com

Herbert Willner betreibt gemeinsam mit seinem Sohn Herbert Willner jun. eines der letzen wirklichen Wirtshäuser in Weigelsdorf. Das Wirtshaus gibt es seit 1871 und geht es nach Herbert Willner jun., wird das auch noch einige Jahre so bleiben.

„Bei der Übernahme des Betriebes meines Vaters von seiner Frau hat sich gezeigt, wie viele Auflagen und Vorschriften seitens der Behörden erfüllt werden müssen“, erinnert sich der Weigelsdorfer. „Hätte ich nicht vor, den Betrieb meines Vaters die nächsten Jahre noch weiter zu führen, hätte er sich das wahrscheinlich gar nicht angetan“, meint Willner jun..

NOEN

Besonders fürchtet er, dass ein gesetzliches Rauchverbot jetzt doch kommt, er fürchtet um seine Stammgäste, die sich seit Jahrzehnten bei ihm im Lokal treffen, Karten spielen und dabei auch rauchen. Seiner Meinung nach sollte jeder Gastronom die Entscheidung selbst treffen, ob er ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen möchte.

Bezirkswirtesprecher Gerhard Maschler aus Wienersdorf nennt ebenfalls die zahlreichen Vorschriften und Verordnungen, die in periodischen Abständen auf die Wirte zukommen, als Hauptgrund, warum niemand mehr Wirt sein will. Dazu kommt noch: „Wer von den Jungen will noch am Wochenende arbeiten?“, fragt Maschler. Dementsprechend schwierig sei es auch, entsprechendes Personal zu bekommen.

„Ich bin seit 35 Jahren mit Leidenschaft in der Gastronomie tätig. Man benötigt natürlich ein Gesamtkonzept, muss Lage und Frequenz sehr gut kennen – sonst stirbt man in dieser Branche“

Einer, der es trotz aller Herausforderungen wagt, Wirt zu sein, ist Josef Bauer, der in Kottingbrunn am 1. Mai zusammen mit einem Kollegen das Antoni-Bräu übernommen hat. Er meint: „Ich bin seit 35 Jahren mit Leidenschaft in der Gastronomie tätig. Man benötigt natürlich ein Gesamtkonzept, muss Lage und Frequenz sehr gut kennen – sonst stirbt man in dieser Branche“.

Die Menschen seien jedoch hungrig auf gute Küche: „Ich habe das Glück, dass wir einen sehr guten Koch haben. Bei uns gibt es Blunzn-gröstl, Palatschinken frisch aus der Pfanne, wir arbeiten mit Bäckern und Fleischern aus der Region, das wird auch von den Gästen honoriert.“ Man müsse als Gastronom bereit sein, 80 Stunden jede Woche zu arbeiten.

Die Rahmenbedingungen seien schwierig, doch er liebt seinen Beruf trotzdem: „Natürlich will jeder viel Geld verdienen und dafür möglichst wenig tun – das würde mich aber langweilen. Es liegt auch an der Persönlichkeit des Gastronomen, ob seine Tätigkeit von Erfolg gekrönt ist.“

Umfrage beendet

  • Gibt es in eurem Heimatort noch genug Wirtshäuser?