Bad Vöslau: Nach dem Eklat gesprächsbereit

Erstellt am 30. November 2022 | 05:29
Lesezeit: 4 Min
Christian Flammer äußert sich zu den Vorwürfen gegen ihn und die Bürgerliste.
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Nach dem Auszug der vier Oppositionsparteien ÖVP, SPÖ, Grünen und FPÖ aus der Gemeinderatssitzung im College Garden Hotel am Freitag (siehe www.nön.at ) steht nun der Spitzenkandidat der „Liste Flammer“, Christian Flammer, Sohn des Listengründers Alfred Flammer, im Kreuzfeuer der Kritik. Die Opposition wirft ihm vor, nach dem Rücktritt von Bürgermeister Christoph Prinz überparteilich zu wenig kommuniziert zu haben.

Die Ruhe vor dem Sturm

Dabei begann der Abend feierlich und harmonisch. Bei der Verabschiedung des mit fast 20 Jahren längst dienenden Bürgermeisters Christoph Prinz gab es Laudationen, die wertschätzend und herzlich von langjährigen Weggefährten, etwa dem ehemaligen Vizebürgermeister Gerhard Sevcik (Liste Flammer) sowie dem Landtagsabgeordneten Christoph Kainz (ÖVP), gehalten wurden.

Prinz blickte in die Zukunft und freute sich auf einen neuen Lebensabschnitt, auch wenn er die Liste Flammer weiterhin unterstütze. „Ich empfinde Stolz, Zuversicht und ich habe immer versucht, das Beste zu geben. Abschiedsworte sollten jedoch so kurz wie eine Liebeserklärung sein. Dennoch: The Best is yet to come. Helfen wir zusammen, um die Zukunft von Bad Vöslau zu gestalten.“

Dann der Paukenschlag

Der Gemeinderat löste sich kurz vor der Bürgermeisterwahl überraschend blitzartig auf. Einzig die NEOS blieben neben den Mandataren der Liste Flammer. Stellvertretend für die ausgezogene Opposition sieht ÖVP-Chef Karl Lielacher als längst dienendes Gemeinderatsmitglied ein veritables Kommunikationsdefizit: „Wir respektieren das Vorrecht der Liste Flammer, einen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters zu nominieren, sind jedoch aus Mangel an Kommunikation auf Augenhöhe enttäuscht worden. Es wurde während der Gemeinderatssitzung nicht mitgeteilt, wer der Kandidat überhaupt ist.“ In dieselbe Kerbe schlägt die SPÖ: „Christian Flammer wurde am 8. November als Gemeinderat angelobt. Bereits am 24. November, ganze 16 Tage danach, will die Bürgerliste ihn nun als Stadtchef sehen. Sein Familienname scheint seine einzige vermeintliche Qualifikation zu sein“.

Auch die FPÖ möchte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden und bemängelt die bis dato geführten Gespräche mit Flammer, der auch aus ihrer Sicht zu wenig auf die Mandatare zugegangen sei. „Das Bürgermeisteramt ist nach wie vor keine Erbpacht. Da kein konkretes Programm präsentiert wurde, haben auch wir kurzfristig die Entscheidung getroffen, die Sitzung zu verlassen, um ein Zeichen zu setzen. Ich bin jedoch jederzeit zu Gesprächen bereit“, sagt Gemeinderat Peter Gerstner (FPÖ). Die Grünen wünschen sich von Flammer konkrete Pläne für Bad Vöslau und Visionen. „Die Liste Flammer geht mit der Stadt um, als ob sie ihr gehört. Es ist wichtig, zu klären, wie man die Aufgaben schaffen kann, etwa die Neugestaltung des Stadtzentrums. Wir sind und bleiben gesprächsbereit“, erklärt Eva Mückstein (Grüne).

Christian Flammer kontert

Der 55-jährige Immobilienmakler und Bürgermeister-Kandidat nimmt die scharfe Kritik zur Kenntnis, auch wenn er die Vorwürfe nicht ganz nachvollziehen kann. In den wenigen Tagen nach dem Rücktritt von Christoph Prinz habe er nicht alle persönlichen Kommunikationswege erfüllen können. Verwundert ist er, da er einige Oppositionsvertreter auch privat kenne und jederzeit zu Gesprächen zur Verfügung gestanden sei. Sein Anliegen: Den entstandenen Stau im Informationsfluss lösen. „Ich möchte alle Parteien einbinden, mich auch persönlich vorstellen und zu neuen, konstruktiven Gesprächen einladen. Das wird mir mit Sicherheit gelingen. Mein großes Anliegen ist es für Bad Vöslau über alle Parteigrenzen hinweg das Beste zu realisieren.“

Der nächste Anlauf zur Bürgermeisterwahl findet nun in der Gemeinderatssitzung am 15. Dezember statt, dann genügt der absolut regierenden Liste Flammer die einfache Mehrheit. Aktuell führt Vizebürgermeister Thomas Mehlstaub (Liste Flammer) die Amtsgeschäfte.

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