Bezirk Baden: Endlich wieder shoppen. Die Freude des Handels angesichts der Kunden, die am Montag wieder einkaufen gehen durften, war groß.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:45)
„Bücher Schütze“ Harald Braun in seinem Buchgeschäft.
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Unternehmer atmen auf: Nach exakt 45 Tagen im „harten Lockdown“ durften sie – wenn auch unter strengeren Auflagen – ihre Geschäftslokale am Montag, 8. Februar, wieder öffnen. Fortan darf pro 20m² nur noch eine Person das Geschäft betreten. Zudem kommt eine FFP2-Maskenpflicht, wie sie seit 25. Jänner beispielsweise im Lebensmittelhandel und öffentlichen Verkehrsmitteln gilt. Der einzuhaltende Mindestabstand wurde auf 2 Meter erhöht.

Aber was bedeuten die neuen Maßnahmen nun für die Geschäftsleute? Walter Golob, Inhaber des in Baden ansässigen Möbelgeschäfts „Golob. Wohnen, das begeistert“, sagt dazu: „Die Abstandregeln haben wir bis jetzt schon sehr diszipliniert gelebt. Auf unsere 140 m² großen Verkaufsfläche dürfen wir nun maximal sechs Personen gleichzeitig empfangen, das wird im Eingangsbereich ausgeschildert, in dem wir auch Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen werden. Wir werden alles tun, um nachhaltig offen haben zu können.“

Sabine Golob und Mitarbeiterin Doris Tauchner vom Möbelgeschäft „Golob. Wohnen, das begeistert“.
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Für den Badener Optiker Kurt Riegler änderte sich hingegen weniger, da er schließlich auch während des Lockdowns zumindest zwei Stunden täglich geöffnet haben durfte: „Der Mindestabstand kann gut eingehalten werden, das ist aufgrund der Größe meines Lokals kein Problem!“, meint Riegler. Schon etwas anders gestaltet sich die 20m² -Regel für Silke Solly, die in Traiskirchen im Einkaufszentrum Arkardia maßgeschneiderte Röcke anfertigt: „Mein Geschäft ist nur 25 m² groß, daher kann ich maximal eine Person gleichzeitig empfangen. Das ist aber kein großes Problem, weil meine Kundinnen ohnehin gezielt zu mir kommen und Laufkundschaft kein großes Thema ist.“, erklärt Silke Solly.

Sollte doch mal jemand vor dem Geschäft warten müssen, könne ein Kaffee die Wartezeit angenehmer machen. Doch nicht alle Geschäftsleute zeigten sich angesichts des Endes des „harten Lockdowns“ euphorisch. Für den 79-jährigen Pensionisten Georg Schmid, der in Baden einen kleinen Antiquitätenladen betreibt, war das vergangene Jahr durchwegs fordernd. Er erzählt: „Ich habe fast das ganze vergangene Jahr nicht geöffnet gehabt. Ein Problem ist, dass ich keine Unterstützung bekommen habe. Ich habe keinen funktionierenden Computer und konnte daher keine Hilfszahlungen beantragen. Mein Geschäft ist außerdem nur 11m² groß, ich weiß nicht, wie hier die Abstandsregeln eingehalten werden können. Das entgangene Geld fehlt mir auf jeden Fall.“

Stammkunden helfen auch in Krisenzeiten

Schmid ist nicht der Einzige, der vergeblich auf finanzielle Mittel des Staates wartet. Auch Golob, Riegler und Solly eint, dass sie wenige bis gar keine Hilfsleistungen bekommen haben. Die einen sind davon weniger betroffen, die anderen etwas mehr. Walter Golob konnte aufgrund guter Kontakte zu Stammkunden sein Geschäft während des Lockdowns teilweise weiterführen, denn Einzelbesuche unter der Einhaltung sämtlicher Maßnahmen waren gestattet. Er rechne allerdings nicht mehr damit, unterstützende Zahlungen doch noch zu erhalten. Auch Kurt Riegler kam gut über die Runden, sein Umsatz brach kaum ein und auf Unterstützungen war er somit nicht angewiesen. Silke Solly jedoch hätte es alleine nicht geschafft, den Fortbestand ihres Geschäftes zu sichern, wie sie meint. Ihr Glück sei, dass ihr Mann in einer krisenfesten Branche tätig sei.

Auch der Badener Buchändler Harald Braun bedankt sich bei seinen Stammkunden, die ihm in der Krise treu blieben. Und so manche bestellte Lieferung hat er sogar persönlich als Fahrradbote überbracht.

Werner Gruber sagt Danke zu seinen treuen Stammkunden.
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Alles in allem blickt man trotz diverser Schwierigkeiten durchaus positiv in die nahe Zukunft. Die Unternehmer glauben an die Kauffreudigkeit ihrer Kunden und sind froh, ihre Lokale wieder geöffnet haben zu dürfen. Dass die Geschäfte nun wieder offen sind, sei insgesamt gut für die Stadt, merkt Harald Braun an. Man werde sich vehement darum bemühen, dass dies auch so bleibt. Wenngleich die Konkurrenz im Internet immer größer werde, konstatiert Spielwarenhändler Werner Gruber (Spielgrube Baader). Insgesamt sehe man daher langfristig schwierigen Zeiten entgegen.

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