Winzer im Bezirk Baden öffnen wieder. Ab 15. Mai dürfen die Heurigen wieder ausstecken. Die Saison brachte coronabedingt schwere Umsatzeinbußen.

Von Judith Jandrinitsch, Elfi Holzinger, Andreas Fussi, Roland Weber und David Steiner. Erstellt am 14. Mai 2020 (05:45)
Mit dem Ausgeizen der Reben sind im Moment Josef und Jana Piriwe in ihrem Weingarten, hier bei der Sorte Neuburger, beschäftigt.
J. Jandrinitsch

Nach zwei Monaten dürfen die Heurigenbetriebe ab 15. Mai wieder für ihre Gäste öffnen. „Die Winzer müssen auch nicht mehr vier, sondern nur mehr zwei Wochen zwischen den Aussteckterminen geschlossen halten, das haben wir mit dem neuen Buschenschankgesetz auf den Weg gebracht“, erklärt Landtagsabgeordneter Christoph Kainz, ÖVP.

Badens ÖVP-Stadtrat Franz Schwabl, selbst Weinhauer, berichtet: „Die letzten Wochen waren für unsere Winzer, deren Familien und das Personal alles andere als einfach. Schließlich ist der Heurigenbetrieb unsere Haupteinnahmequelle. Wir müssen Umsatzeinbußen bis zu 90 Prozent verzeichnen, allfällige Teil-Entschädigungen aus dem Härtefondsauszahlungen dauern auch noch.“

In die gleiche Kerbe schlägt Badens Weinbauvereins-Obmann Andreas Ramberger: „Zahlreiche Betriebe haben durchgehend Abhol- und Lieferservice für Wein angeboten. Auf eine Idee von Bernhard Ceidl hin rief der Badener Weinbauverein die online-Bestellplattform ‚badenerwein.at“ ins Leben, diese bleibt auch bestehen.“

Mit einem vollen Kühlschrank musste Andreas Schafler am 15. März nach nur zwei Aussteck-Tagen seinen Heurigenbetrieb aufgrund der Coronakrise unerwartet schließen. Schafler hat in der Zwischenzeit zwei Heurigentermine verloren, positiv ist: „Jetzt im Mai habe ich an drei Wochenenden auf dem Wasserleitungsweg meine Ausschank geöffnet. Ich habe schon begonnen, das Platzerl herzurichten“, erzählt Schafler.

Und auch für den Sommer hat der Winzer einiges geplant: „Wir beginnen am Mittwoch, 3. Juni wieder zu Hause beim Heurigen auszustecken und werden durchgehend Juni, Juli und August jede Woche von Mittwoch bis Samstag geöffnet haben. Das ganze steht unter dem Motto ‚Grillen, Chillen, Genießen – Holiday-Feeling im Schaflerhof“!“

Gutes tun mit dem Ab Hof-Weinverkauf

Josef Piriwe vom Weingut Piriwe in Traiskirchen steckt erst am 27. Mai über Pfingsten wieder das erste Mal aus. Für seine treuen Ab-Hof-Stammkunden war er auch bis jetzt in der Krise da, dabei vergaß er auch nicht die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, die bis jetzt an vorderster Front stehen. „Pro verkaufter Flasche haben wir 50 Cent für das Rote Kreuz gesammelt. Wir konnten bereits einen Betrag von 1.500 Euro an das Rote Kreuz Österreich übergeben, es wird noch ein bisschen mehr werden.“

Noch Zeit mit dem Ausstecken lässt sich das Traiskirchner Weingut Alphart. Büroangestellte Petra Wolf berichtet: „Im Moment ist im Weingarten relativ viel zu tun. Daher war es uns zu knapp, jetzt unmittelbar mit 15. Mai wieder aufzusperren.“

Zu den Frühstartern hingegen zählt Berndorfs ÖVP-Bürgermeister und Heurigenwirt Franz Rumpler. Seit 7. Mai bietet dieser ein Heurigenessen-Abholservice, mit 15. Mai wird auch der Heurigen wieder aufgesperrt. Er meint: „Die verloren gegangene Zeit, kann man nicht mehr einholen, der Umsatz geht ab.“

Auch in Sooß läuft seit 7. Mai der Ab Hof-Verkauf beim Weingut von Petra und Thomas Steiner langsam an, Speisen können abgeholt werden oder werden auch zugestellt.

„Die Leute schätzen es, dass sie nicht ausschließlich selbst kochen müssen“, betont Petra Steiner. Ab 15. Mai ist wieder für zehn Tage offen. „Ich freue mich aufs Aufsperren und unsere Gäste, denn natürlich fehlen mir die Gespräche und der Kontakt“. Zu Beginn der Krise wären die Menschen sehr vorsichtig gewesen. „Man hat gemerkt, dass die Leute sparsamer sind, weil man auch nicht gewusst hat, wie lange die Schließung dauert. Ich selbst hab das auch bei mir gemerkt“, lacht sie.

Auch Heurigenwirt Ludwig Kopp aus Leobersdorf, steckt am 15. Mai wieder aus. Er erzählt: „In den vergangenen Wochen gab es Wein- und ein Heurigenbuffet zur Abholung oder Lieferung. Das wurde ganz gut angenommen. Es war eine Maßnahme, um die Zeit zu überbrücken. Dennoch haben wir maximal die Hälfte von dem eingenommen, was ein regulärer Heurigenbetrieb eingebracht hätte.“