Ohrenberger: „Möglichst schnell, viel und effektiv“. Oberwaltersdorfer Primar Gerald Ohrenberger, der bislang über 700 Impfungen durchgeführt hat, über aktuelle Lage.

Von Nadja Tröstl. Erstellt am 06. Februar 2021 (05:12)
Symbolbild
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Seit mehr als fünf Wochen befindet sich Österreich wieder im harten Lockdown. Inmitten der Impfdebatte sind jetzt unterschiedliche Mutationen des Virus aufgetreten. Im Bezirk Baden wurde etwa die Corona-Virus Mutation B.1.1.7 nachgewiesen.

Primarius Gerald Ohrenberger, der bis dato mehr als 700 Impfungen durchgeführt hat, schildert den Status quo, skizziert den zukünftigen Impfverlauf und wann wir mit flächendeckenden Impfungen rechnen können.

„Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen wird sich weisen, welche weiteren Impfstoffe zugelassen werden und ich schätze, dass ab Mitte März mit flächendeckenden Impfungen begonnen werden kann. Realistisch ist, dass in drei bis vier Monaten eine zentrale Vergabe der Vakzine an die Hausärzte erfolgt“, sagt Ohrenberger.

Der in Oberwaltersdorf wohnhafte Primar Gerald Ohrenberger ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und ärztlicher Leiter des Hauses der Barmherzigkeit. Er hat auch als Honorar-Professor eine internationale Reputation mit Spezialisierung als Sport- und Ernährungsmediziner sowie Riskmanager im Gesundheitswesen erlangt.
Schedl

Der ärztliche Leiter des Hauses der Barmherzigkeit mit sieben Standorten in Wien und Niederösterreich hat bis dato bei mehr als 700 Impfungen bereits 450 Zweitimpfungen abgeschlossen. Tendenz steigend. Die Nebenwirkungsrate sei gering, besonders bei älteren Patienten gebe es aufgrund des schwächeren Immunsystems auch schwächere Reaktionen.

Die Ablaufgeschwindigkeit könne beschleunigt werden, jedoch seien viele Mediziner mit dem generellen Tempo und der Impfstrategie der Bundesregierung zufrieden. Wie soll es nun aber hinsichtlich der Corona-Virus Mutationen weitergehen? Im Raum Bad Vöslau, wurde kürzlich bei einer Abwasseruntersuchung die Mutation B.1.1.7 nachgewiesen. 7.386 Personen haben an einer Schwerpunkttestung teilgenommen. Sechs Tests, das sind 0,08 Prozent, davon waren positiv. Die Wissenschaft forscht weiter auf Hochtouren. „Es ist ein zeitlich begrenztes Wettrennen, bei dem sich in den kommenden Wochen zeigen wird, welcher Impfstoff welches Pharmakonzerns seine Spur setzen wird. Die höchste Priorität ist es, möglichst schnell, viel und effektiv zu produzieren“, erklärt Ohrenberger.

Die fünf Pharma-Konzerne Astra Zeneca, Pfizer/Biontech, Moderna, Johnson & Johnson und Novavax haben Impfstoffe entwickelt, die unterschiedliche Wirksamkeiten von 95 Prozent (Pfizer) bis 72 Prozent (Johnson & Johnson) aufweisen. Der Grundtenor der Mediziner, so Ohrenberger, ist die Ausschöpfung jedes einzelnen Impfstoff-Tropfens. „Aus einer Ampulle des Herstellers Pfizer/Biontech können sogar sieben anstatt der ursprünglich vorgesehenen fünf Impfstoffe gezogen werden. Das sind 20 Prozent mehr Dosen insgesamt.“

Das wiederum bedeutet bei 200 Ampullen anstatt 1.000 Dosen immerhin um 400 mehr. Und pro Woche zusätzliche 10.000. Dadurch, sagt Ohrenberger, entstehe für die Politik eine Zwickmühle, da aufgrund der erhöhten Mengen bei den Erstimpfungen mit dieser „off label“ Produktion der Ärzte auch die Nachfrage bei den Zweitimpfungen steige und dementsprechend höhere Vakzin Mengen bestellt werden müssen. Was bedeutet das nun für die impfwillige Bevölkerung? Es gibt sowohl eine Impfstrategie als auch ein Impfregister, das jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Das Impfregister ist ein Softwarezweig von ELGA, der Elektronischen Gesundheitsakte, das als zentrale EDV-Stelle derzeit implementiert wird.

„Die Impfstrategie sieht vor, dass abgestuft, beginnend bei der älteren Bevölkerung patientennahe Menschen, die Ärzte, das Pflegepersonal und die Service Mitarbeiter sowie in weiterer Folge Mitarbeiter von Institutionen und Organisationen mit breiter Infrastruktur, etwa Sanitäter, Polizei und die Handelsangestellten geimpft werden“, erklärt der Mediziner.