Badener zeigen Herz für Flüchtlinge. Stadt dankte ehrenamtlichen „Buddies“, die Deutsch-Kurse und vieles mehr für Asylwerber organisierten.

Von Stefan Jedlicka. Erstellt am 01. April 2017 (04:00)
Angelika Koller engagiert sich für Integration in Baden.
privat

Seit dem Sommer 2015 haben Badener Bürger ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe „Baden zeigt Herz“ mitgearbeitet.

"Buddies" organisieren Deutsch-Kurse

Als sogenannte „Buddies“ organisierten sie Deutsch-Kurse, Textil- und Kochkurse oder Reparatur-Gruppen und Freizeitaktivitäten, oder begleiteten bei Behördenwegen. Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP) dankte ihnen dafür bei einem Empfang im Rathaus. Stellvertretend verlieh er Angelika Koller für außerordentlichen Einsatz, besonders bei der Organisation von Sprachkursen, die Auszeichnung „Buddy des Jahres“.

„Ich war immer schon sozial engagiert“, sagt Angelika Koller im Gespräch mit der NÖN. Als Alleinerzieherin musste sie das auch. Was sie in erster Linie weitergibt, ist Zuversicht. Genau diese Zuversicht brauchen auch ihre Schützlinge. „Baden zeigt Herz“ war von ÖVP-Gemeinderat Peter Ramberger als Integrationsbeauftragtem der Stadt am Höhepunkt der Flüchtlingskrise ins Leben gerufen worden. „Die Möglichkeit für andere als Begleiterin da zu sein, gefiel mir auf Anhieb“, erzählt Koller. So fasste sie sich 2015 ein Herz und nahm Kontakt mit Ramberger auf, der ihr Potenzial sofort erkannte. „Bei Angelika merkt man, dass ihr Herz für das Thema brennt“, dankt er.

Werte, Gesellschaftskultur und Umfangsformen...

Das musste sich freilich erst einspielen. „Als wir 2015 mit den ersten Deutschkursen begannen, gab es mehr Buddies als Teilnehmer“, erinnert sich Koller. Das änderte sich aber rasch, bald strömten Flüchtlinge auch aus den Bezirken Wr. Neustadt und Mödling nach Baden, um die Sprache zu lernen. „Nicht Grammatik, sondern Alltagsdeutsch zu vermitteln, ist wichtig“, sagt Koller: „Damit die Teilnehmer rasch selbstständig werden und sich zum Beispiel beim Arzt verständlich machen können“, erklärt sie.

Dazu stehen aber auch „Werte, Gesellschaftskultur und Umfangsformen am Stundenplan, wobei ich das Wort Werte ebenso wenig mag, wie Erziehung“, sieht Koller eher Toleranz und Kommunikation als Dreh- und Angelpunkte. Doch natürlich seien auch Normen und Regeln wichtig. „Ich habe auch schon mal eine Gruppe nach Hause geschickt, die mehrmals unpünktlich zum Unterricht erschien. Beim nächsten Kurstermin waren sie dann eine halbe Stunde früher da“, lacht sie.

Ausbildung begonnen als Integrationscoach

Zweimal wöchentlich trifft sie auf ihre Deutschkursteilnehmer. Darüber hinaus kümmert sie sich um einzelne Familien und Einzelne, wo sie das Gefühl hat, sinnvoll unterstützen zu können. Sie fühle sich dabei jedoch keineswegs nur als Gebende. „Man erhält von den Menschen so viel zurück – sei es Dankbarkeit, Wertschätzung oder freundschaftliche Gesten, aber auch Erweiterung des eigenen Blickwinkels und schätzen zu wissen, dass man in Österreich geboren wurde.

Koller hat sich in die Materie vertieft. Inzwischen Weiterbildungen in der Flüchtlingshilfe absolviert, sich mit Asylrecht, Syrien oder Afghanistan auseinandergesetzt und eine Ausbildung zum Integrationscoach begonnen um als Vermittlerin tätig sein zu können.