Diskriminierung am Gartenzaun

Erstellt am 05. Mai 2014 | 10:06
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Web-Artikel 225206
Foto: NOEN, Wolfgang Wallner
Kleingarten-Ärger / Lesbisches Paar fühlt sich vom Nachbarn im Schrebergarten schikaniert. Auslöser: Eine Regenbogenfahne.
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BLUMAU-NEURISSHOF / Der Frühling ist da, die Zeit, in der Gartenfans die Natur in vollen Zügen genießen können. Auch Daniela und Sandra S. würden gerne ihr grünes Paradies in der Blumauer Kleingartensiedlung mehr nutzen. Was dagegen spricht: Der Ärger mit dem Nachbarn, Obmann Franz Pfaffinger von der örtlichen Wassergemeinschaft („Bacherlverein“). Begonnen hat alles mit einer harmlosen Flagge …

Seit gut einem Jahr haben Sandra und Daniela S. einen Kleingarten im Ortsteil Blumau gepachtet. „Weil viele andere in ihrem Schrebergarten ebenfalls Fahnen haben, wir gedacht, wir machen bei dem Brauch mit.“ Das Paar hisste die Regenbogenfahne – und als Pfaffinger erfahren hatte, was die Farben bedeuten (die Flagge steht für Homosexualität), begann „eine schlimme Zeit für uns“, schildern die Frauen. Pfaffinger machte gegen die Fahne mobil, versuchte – wie eine Nachbarin des Paares bestätigt – Stimmung im Verein zu machen: „Ein Armutszeugnis“, seufzt die Frau.

Rückendeckung vom Bürgermeister

„Seither macht er alles, um uns zu schikanieren“, schildert Sandra S. Die beiden jungen Frauen – Daniela ist hochschwanger – müssen am Weg zu ihrem Garten durch das Areal des Bacherlvereins. Seit kurzem ist dort ein schmaler Weg markiert, den die Frauen benützen müssen. Dabei sollen Worte wie „die Ratten brauchen nicht durch unseren Garten gehen“ und „die Zwei werden keine schönen Tage haben“ gefallen sein.

Bürgermeister Gernot Pauer (PUL) kann diese Äußerungen Pfaffingers bestätigen. Der Ortschef stellt sich auf die Seite des Paares: „Wir sind im 21. Jahrhundert. Da darf die sexuelle Orientierung kein Problem sein.“ Ihm sei die Haltung des Bacherlvereins-Chefs unverständlich: „Meines Wissens sind auch schon Mitglieder ausgetreten.“ Pauer hat Pfaffinger nun aufgetragen, den Weg zumindest in der üblichen Breite anzulegen, damit eine Zufahrt mit dem PKW möglich wird.

„Das all das passiert, nur, weil wir uns lieben“

„Die Situation belastet uns“, sagen die Frauen. „Eigentlich sollte jetzt das Baby die Nummer eins, statt dessen müssen wir uns mit grundlosen Schikanen herumschlagen.“ Was dem Paar besonders weh tut: „Das all das passiert, nur, weil wir uns lieben.“ Man wolle niemanden provozieren, sei auch zu Gesprächen bereit. Für die NÖN war Pfaffinger für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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