Kampf um die Linden in Unterwaltersdorf. Info-Nachmittag endet in Schlammschlacht: Bürgermeister beschuldigt Grüne, Kinder angesprochen und instrumentalisiert zu haben, seine Tochter inklusive.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 15. September 2021 (05:30)
Kampf um die Linden
Die Baumfreunde kämpfen um jede Linde: Rudolf Mader, Ingrid Dörner, Josef Ahorn, Elfriede Fally und Chris Jung.
Jandrinitsch

Am Freitagnachmittag bezogen die Baumfreunde Ebreichsdorf in der Lindenallee hinter dem Don Bosco Gymnasium Stellung, um Passanten mit Flugzetteln die Wertigkeit von Bäumen, besonders von Linden, näher zu bringen. Die Baumfreunde bezweifeln, dass die Wurzeln der Linden die Bauarbeiten zum geplanten Geh- und Radweg unbeschadet überstehen.

Ganz besonders ärgert es die Baumfreunde, dass sie auf dem Stadtamt „keinerlei Auskünfte bekommen haben, welche vier Lindenbäume jetzt tatsächlich gefällt werden müssen“.

Beim NÖN-Lokalaugenschein verlief die Veranstaltung sehr friedlich. Die Bombe platzte am Montagabend, als Bürgermeister Wolfgang Kocevar, schwere Vorwürfe gegen die Grünen und die Baumfreunde erhob.

In einer Aussendung schreibt der Bürgermeister: „Da werden fremde 10-jährige Kinder am Sportplatz in Unterwaltesdorf angesprochen und instrumentalisiert. Der Gipfel der Geschichte ist, dass ein namentlich bekannter Vertreter der Grünen Ebreichsdorf dann sogar das Handy des Schülers nimmt und persönlich auf die Mailbox meiner Tochter spricht, sie möge auf mich einwirken“, sagt der erschütterte Bürgermeister.

„Wie weit gehen diese Menschen das nächste Mal? Bedrohen die meine Tochter oder Familie, wenn ich nicht ihren Vorstellungen der Politik entspreche? Entführen sie sie und drohen mir, ihr etwas anzutun, wenn ich die notwendige Maßnahme im Konsens des Gemeinderates vollstrecke? Wie kommen andere Kinder dazu, in politische Prozesse hineingezogen zu werden, nur weil sie zufällig mit der Tochter des Bürgermeisters in die Schule gehen?

Von einer Bedrohung könne keine Rede sein, zeigt sich Baumfreund Chris Jung entsetzt. Er hält fest: „Es waren nicht die Grünen Ebreichsdorf, die die Veranstaltung initiiert und schlussendlich mit den Kindern gesprochen haben, sondern die Baumfreunde Ebreichsdorf. Ich habe auch keinem Kind das Handy weggenommen oder die Tochter des Bürgermeisters angerufen, deren Nummer ich nicht einmal habe.“

Keinem Kind wurde das Handy weggenommen

Wahr sei, „dass wir vor dem Sportplatz mit ein paar Kindern geredet haben. Ein Bub hat gesagt, er kennt die Tochter des Bürgermeisters, ich habe ihn gefragt, ob er ihr ein WhatsApp schicken könnte, vielleicht kann sie uns helfen. Ich weiß, dass das ein Blödsinn war, aber ich wollte doch nie jemanden bedrohen, ich bin selbst fünffacher Familienvater“. Zeugen könnten bestätigen, dass er keinem Kind das Handy weggenommen habe.

„Ich habe mich auch beim Bürgermeister per WhatsApp entschuldigt, doch dieser hat die Entschuldigung nicht angenommen“, sagt Jung, der vor allem bedauert, „dass die Grünen-Mandatare jetzt in diese Geschichte hineingezogen werden, obwohl sie mit dem Ganzen nichts zu tun haben“.

Rechtliche Schritte sollen geprüft werden

Kocevar will jetzt weitere rechtliche Schritte prüfen. „Wer meine Familie und vor allem meine minderjährige Tochter in meine politische Verantwortung und mein Handeln als Bürgermeister hineinzieht, hat für mich jeden Anspruch politischer und seriöser Arbeit in der Gemeinde verwirkt und sollte sich überlegen, ob er persönliche Konsequenzen ziehen sollte.“

Zur Causa um den Rad- und Gehweg sagt er: „Wir haben unseren Verkehrsplaner noch einmal beauftragt, eine Stellungnahme abzugeben und werden den Initiativantrag und die weitere Vorgehensweise in der Gemeinderatssitzung am 30. September behandeln.“