Irrer Attentäter von Tattendorf

Erstellt am 21. Mai 2022 | 05:17
Lesezeit: 3 Min
Sylvester Matuska plante von Tattendorf aus Bahnanschläge.
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13. 9. 1931: Der Nachtschnellzug Budapest-Wien, mit zwölf Waggons, braust Richtung Wien. Gegen Mitternacht nähert er sich dem 25 Meter hohen Eisenbahnviadukt bei Biatorbagy. Da hallt ein ohrenbetäubender Knall durch die Nacht – mit ungezähmter Kraft bäumt sich durch die Explosion der Schienenstrang auf, um gleich danach samt Dampfross mit Gepäck-, Schlaf-, und drei Personenwagen in den Abgrund zu stürzen. Für über zwanzig Menschen sind es die letzten erschreckenden Augenblicke. In der Schlucht zeigte sich ein Bild des Grauens. Zerquetschte und zerrissene Leiber liegen unter tonnenweise verbogenem Stahl. Mittendrin steht ein Mann mit staubigem Trenchcoat und Hut. Im Gesicht hat der Geheimnisvolle blutende Schrammen, aus seiner Mimik konnte man deuten, er hatte gerade etwas Schreckliches vollbracht. Er murmelte, er sei „Fahrgast des Todeszuges“ und er wolle „Schadenersatz und Schmerzensgeld“! Sein Name – Sylvester Matuska – Fabrikant aus Tattendorf.

Matuska, im k.u.k. Ungarn (Maria-Theresiopel) am 29. Jänner 1892 geboren, entschied sich zuerst für die Laufbahn eines Schullehrers. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der k.u.k Armee, 1918 schied er als Oberleutnant aus. In den turbulenten 1920er-Jahren verschlug es Sylvester nach Wien, er versuchte sich als Gewürz- und Landprodukthändler, Erfinder, auch als Grundstücks- und Häuserspekulant war er tätig. 1929 übernahm er die marode Eisengießerei in Tattendorf und an diesem Ort begann er, seine schrecklichen Taten zu planen und Sprengkörper zusammen zu bauen.

Seine furchtbaren Eisenbahnanschläge begann Matuska in der Silvesternacht 1930 in Anzbach – weiters vollzog er sein irres Schaffen in Jüterbog in Deutschland – am 8. 8. 1931 setzte er zum ersten Mal Sprengstoff ein, der Schnellzug Basel-Wien entgleiste, es gab vier Schwer- und 50 Leichtverletzte. Am 13. 9. 1931 dann die Horrortat bei Biatorbagy, wo Matuska noch die Kühnheit hatte, Schmerzensgeld zu fordern! So wurde die SOKO, bestehend aus österreichischen und ungarischen Kriminalbeamten, auf ihn aufmerksam. Bei einer Durchsuchung seines Anwesens in Tattendorf konnte Beweismaterial sichergestellt werden. Am 7. 10. 1931 gestand Matuska seine schrecklichen Taten, das Motiv, er wollte unter anderem eine Art „kommunistisch-religiöse Sekte“ ausrufen. Der Massenmörder wurde in Österreich zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt, nach vier Jahren aber an die ungarischen Behörden ausgeliefert, wo er lebenslang ausfasste. Ab 1945 verliert sich jede Spur des Attentäters, eine Fährte führt in den Untergrund der Kommunisten – im „Korea-Krieg“ soll er weitere Attentate durchgeführt haben.

1982 stand Matuska noch einmal im Rampenlicht – der Fall wurde unter dem Titel „Viadukt“, auch „The Train Killer“, in einer deutsch-ungarischen Produktion verfilmt.

Anmerkung: Danke an Chronist Alfred Kreisa für die Mithilfe.

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