Kottingbrunner Theatergruppe gab Online-Vorstellung. Die Theatergruppe AmaKult spielte im Lockdown via Zoom. Das Wagnis brachte viele neue, positive Erfahrungen.

Von David Steiner. Erstellt am 01. März 2021 (03:34)
Nicole Gerfertz-Schiefer, Franz Schiefer, Franz Grünwald, Anita Hauer, Gabi Lessnig und Enisa Meindl erzählten nach der Online-Dernière von ihren Erfahrungen.
Screenshot/zoom.us

Wie in ganz Österreich leiden auch im Bezirk Baden Kulturschaffende und Veranstalter unter den Auswirkungen des anhaltenden Kultur-Lockdowns. In Kottingbrunn mussten Kulturfreunde aber nicht ganz auf ein Theatererlebnis verzichten.

AmaKult, die Theatergruppe der Kulturszene Kottingbrunn, trotzte dem Lockdown und spielte „Der letzte der feurigen Liebhaber“ auf ungewohnter Bühne. Die Komödie von Neil Simon, inszeniert als szenische Lesung, wurde adaptiert und in zwei Online-Fassungen angeboten: als interaktive Zoom-Lesung und als Aufnahme einer Bühnenfassung via Stream.

„Wir mussten innere Barrieren überwinden, was ganz normal ist. Zoom ist ein ganz anderes Medium.“ Franz Schiefer, Regisseur

„Innovatives und interaktives Kultur-Erlebnis auf Distanz, herrlich schräg und sehenswert“, lautete das Fazit der NÖN Kulturredaktion.

Ihre 24. Produktion hielt für das AmaKult-Ensemble viele neue Erfahrungen bereit. „Noch im Frühjahr dachte ich mir, eine Zoom-Geschichte, so etwas mache ich nie“, erinnert sich Regisseur Franz Schiefer. Doch im Laufe des Jahres sei die Lust gewachsen. „Wir mussten innere Barrieren überwinden, was ganz normal ist. Zoom ist ein ganz anderes Medium.“

„Barney“-Darsteller Franz Grünwald kannte Zoom im Frühjahr noch nicht und auch Gabi Lessnig, „Elaine“, erzählt von anfänglichen Bedenken. Da schon für die ursprünglich geplante Bühnenfassung teilweise via Zoom geprobt werden musste, wich die Skepsis nach und nach.

„Groß im Bild zu erscheinen war am Anfang sehr ungewohnt und eine Herausforderung. Auch wenn mir das Publikum fehlte, war es eine überraschend positive Erfahrung“, berichtet Anita Hauer, „Jeanette“. „Besonders gut gefallen hat mir, dass man nach den Szenen noch in der Rolle zu Wort kam“, fügt Lessnig hinzu.

„Diesen nahen Kontakt zwischen Schauspielern und Publikum gibt es normal nicht. Es war ein schönes Miteinander. Man sitzt nicht anonym im Publikum“, bemerkte Enisa Meindl, „Bobbi“. Die interaktiven, improvisierten Sequenzen gefielen den Konsumenten. Die Zuschauerzahlen waren mit einer Bühnenvorstellung nicht vergleichbar. 78 Besucher haben die kostenpflichtigen fünf Zoom-Vorstellungen gesehen. Dafür sahen erstmals Zuseherinnen aus Deutschland, Italien und anderen Bundesländern eine AmaKult-Produktion.

„Es war ein wichtiges Zeichen, zu zeigen, wir dürfen nicht auf die Bühne, aber wir suchen uns eine neue und laden Leute ein, Spaß zu haben“, betont Nicole Gerfertz-Schiefer, die diesmal hinter den Kulissen die technischen Hürden für Schauspieler und Publikum beseitigte.

Wer dabei war, habe gemerkt, was für ein Erlebnis es sei, zu Hause zu sitzen und trotzdem verbunden zu sein. „Das Publikum zum ersten Schritt zu ermutigen, ist schwer“, meint Gerfertz-Schiefer.

Wer den „feurigen Liebhaber“ verpasst hat, könnte im Mai eine Gelegenheit bekommen. Ob online oder auf der Bühne, ist ungewiss.