Flüchtlingsunterkunft musste gesperrt werden. Da Quartier in Tribuswinkel nicht Standards entsprach, wurden zehn Personen in Nähe Semmering verlegt. Helfer entrüstet.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 05. September 2018 (17:33)
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In diesem ehemaligen Bordell waren die Asylwerber untergebracht.
NÖN

Eine Flüchtlingsunterkunft in Tribuswinkel wurde vorigen Montag zugesperrt. Ohne Vorankündigung erfuhren die untergebrachten Menschen abends, dass sie am nächsten Morgen in eine neue Unterkunft gebracht werden – nach Grafenbach (Bezirk Neunkirchen). Fünf der 10 Personen arbeiten seit zwei Jahren im Garten der Begegnung in Traiskirchen mit und daher ist dort die Aufregung besonders groß.

„Alle sind noch im Asylverfahren und warten auf ihren Interviewtermin. Nach über zwei Jahren in Österreich wurden diese Menschen nun wieder neu entwurzelt“, empört sich Leiter Nikolai Ritter. „Alle Strukturen, Integration, Deutschkurse, Freundschaften und örtliche Kontakte werden mit so einem integrationszerstörendem Willkürakt über Nacht zunichtegemacht.“ Via Facebook rief dazu auf, Unterkünfte in der Nähe von Traiskirchen zu finden.

"Nach über zwei Jahren in Österreich wurden diese Menschen nun wieder neu entwurzelt“

Laut dem Büro des zuständigen NÖ-Landesrates Gottfried Waldhäusel musste die Unterkunft in Tribuswinkel deswegen zugesperrt werden, da das Quartier nicht den erforderlichen Mindeststandards entsprochen habe. Daher wurde rasch eine neue Unterkunft gesucht und nun eben gefunden, die den Standards entspreche.

Ritters Aufruf stieß auf große Resonanz. Über 9.000 Menschen haben ihn gesehen und 252 Mal wurde er geteilt. Und es gibt einen Teilerfolg: Bis Sonntag konnte für eine Familie mit Mutter Hafiza (42) und ihrem Sohn Reshad (24) und dessen Cousin Hazibullah (19) in Mödling eine neue Wohnung gefunden werden. „Reshad kann seinen Pflichtschulabschluss nun doch in Möllersdorf zu Ende führen, was sonst fast nicht möglich gewesen wäre.“

Für die anderen Bewohner werden weiterhin Gastfamilien gesucht. Obfrau Karin Blum kritisiert die Behörden, dass sie Menschen ohne Rücksprache mit lokalen Institutionen einfach verlege und aus dem sozialen Umfeld reiße – auch wenn sie zugibt, dass die bisherige Unterkunft „keine freundliche Unterbringung“ war.