Süd-NÖ: Gefährliche Kriegsrelikte gefunden!. Gleich in drei Gemeinden im Bezirk Baden bzw in Ebenfurth (Bezirk Wiener Neustadt) wurden in den letzten Tagen die Funde gefährlicher Kriegsrelikte gemeldet. Der Entminungsdienst des Bundesheeres musste ausrücken, um sie abzuholen und zu entschärfen.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 29. April 2021 (10:52)
Erst kürzlich besuchte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner den Entminungsdienst des Bundesheeres in einem Munitionslager in Niederösterreich. Dabei präsentierte der Leiter des Dienstes, Wolfgang Korner, Funde von Kriegsrelikten aus beiden Weltkriegen und demonstrierte an einer Attrappe die Entschärfung einer 250-kg-Fliegerbombe. Seit 2013 wurden von den Experten des Entminungsdienstes über 265 Tonnen an Kriegsmaterial untersucht, geborgen, abtransportiert und vernichtet.
Usercontent, Bundesheer/Gunter Pusch

Die Fundorte im Detail:

Am Samstag entdeckte kurz vor 12 Uhr Mittag ein Landwirt in Ebreichsdorf beim Bestellen auf seinem Feld, ca. 2,5 Kilometer südlich der Stadt, auf den sogenannten „Fischa Gründen“, eine 5 Zentimeter große Panzergranate. Nach Absicherung des Fundortes wurde der der Entminungsdienst des Österreichischen Bundesheer verständigt, welcher die Granate um 14.40 Uhr abholte.

Am Sonntag wurden kurz nach 10.30 Uhr der Polizei Trumau zwei weitere Kriegsrelikte gemeldet. Ein Radfahrer hatte sie nördlich von Trumau, neben dem Triestingradweg gefunden, auf der Böschung des Werkskanals bei der Unterführung unter der A3. Auch in dem Fall wurde nach Absicherung des Fundortes der Entminungsdienst verständigt, welcher die dort gefundenen zwei Granaten um 13.20 Uhr abholte.

Fliegerbombe im Wald

Ebenfalls am Sonntagvormittag wurde die Polizeiinspektion Pottendorf über den Fund eines verdächtigen Gegenstandes, vermutlich einer Granate, im Waldgebiet „Fischa Ursprung“ telefonisch in Kenntnis gesetzt. 

"Da der Fundort von der Finderin nicht genau beschrieben werden konnte und sich diese bereits an ihrer Wohnadresse befand, begab sich die Streife zur Wohnadresse der Anzeigern und in weiterer Folge mit dieser zum Fundort des Gegenstandes", berichtet das Bezirkspolizeikommando Baden. 

Dabei stellte sich heraus, dass sich der Fundort in einem Waldgebiet im Gemeindegebiet von Ebenfurth befindet.

Die Fliegerbombe, die von der Pottendorfer Polizei im Wald auf Ebenfurther Gemeindegebiet gefunden wurde.
LPD NÖ

Bei dem entdeckten Gegenstand handelte es sich um einen ca. 40 cm. langen, mit ca. 12 cm Durchmesser großen, zylindrischen Metallkörper - konkret eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg, die laut Polizei noch mit Sprengstoff gefüllt war. Der Fundort wurde bis zur Abholung durch den Entminungsdienst bis 13.15 Uhr überwacht.

Zum Thema Entminungsdienst

Im Jahr 2020 wurden 1.267 Fund- und Wahrnehmungsmeldungen von Kriegsrelikten an den Entminungsdienst übermittelt.

Die Mitarbeiter des Entminungsdienstes sind Experten für alle Arten von Munition, die aus der Zeit vor 1955 stammt und auf österreichischem Bundesgebiet aufgefunden wird. Der Entminungsdienst wurde als selbstständige Dienststelle am 1.Jänner 2013 vom Bundesministerium für Inneres zum Bundesministerium für Landesverteidigung transferiert.

Aufgrund der Dienststellen in Wien, Graz und Linz-Hörsching sowie einer 24-Stunden-Rufbereitschaft können die Spezialisten innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein, um verdächtige Funde zu untersuchen und Gefahren für die Bevölkerung zu beseitigen. Die Mitarbeiter des Entminungsdienstes sind durchschnittlich drei bis vier Mal täglich in ganz Österreich im Einsatz.

Das richtige Verhalten beim Finden von Kriegsrelikten

Bei gefundenen Objekten, deren Herkunft und Beschaffenheit verdächtig erscheint, gilt es folgende Regeln zu beachten:

  • Abstand halten,
  • Verhindern, dass andere Personen oder Tiere dem Fund zu nahe kommen,
  • Nächste Polizeidienststelle kontaktieren.

Durch den leichtfertigen Umgang mit gefundener Munition sind schon viele Menschen zu Schaden gekommen.