Todbringende Fracht: Die Hirtenberger Waffenaffäre

Erstellt am 20. März 2022 | 05:12
Lesezeit: 3 Min
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Drahtzieher der Waffenaffäre: Der ehemalige k.u.k. Admiral und ungarischer Reichsverweser Miklos Horthy, Waffenkönig und Chef der Hirtenberger Patronenfabrik Fritz Mandl, Italiens Diktator Benito Mussolini und der Österreicher Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg.
Foto: Collage: D. Holzinger
Per Eisenbahn, mit Endstation in NÖ, schickte Italiens Diktator Benito Mussolini 1933 an die tausend Maschinengewehre und über achtzigtausend Schusswaffen.
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In den ersten Jänner-Tagen des Jahres 1933 fuhr dampfend und pfeifend ein schwerer Lastenzug im Bahnhof Enzesfeld-Lindabrunn ein. An die vierzig Waggons zählte der Bahnhofsvorsteher, nur schwerlich konnte der Zug abgebremst werden, quietschend und funkensprühend kommt das Dampfross zum Stillstand. Nach den Frachtpapieren zu schließen, waren die Waggons mit Eisenschrott beladen. Bei den Verladerampen warteten schon Lastkraftwagen, ein Teil des Schrottes (?) der sich aber in Kisten befand (!) wird in Lkw verladen und ging Richtung Ungarn.

Laut Zeugen spielte sich das gleiche Schauspiel, nur mit weniger Waggons, auch zwischen 30. und 31. Dezember 1932 ab. Der Rest des Eisenschrottes, wurde in die Hirtenberger-Patronenfabrik gebracht. Fritz Mandl, der „Fabrikant“, war informiert, die Lieferung kam von Benito Mussolini; der Schrott verwandelte sich in Kriegswaffen aus dem Ersten Weltkrieg, die Italien nach Kriegsende (1918) von der k.u.k. Armee konfiszierte. Patronenkönig Mandl hatte die Aufgabe, die Waffen zu modernisieren und an Reichsverweser Miklos Horthy (Ungarn) und Heimwehrführer Ernst Fürst von Starhemberg (Österreich) weiterzuleiten. Dass das illegale Aktionen waren, hinter der in Österreich die „Heimwehr“ steckte, stand außer Frage.

8. Jänner 1933: Irgendwer kontaktierte die „AZ“ Arbeiterzeitung und deren Reporter begannen zu recherchieren. Unter dem Titel „Italienische Waffen für Ungarn gehen über Österreich“ deckte das sozialistische Organ den größten „Waffenschmuggel“ der ersten Republik auf und Hirtenberg war die Drehscheibe. Mitgehangen war auch der Generaldirektor Egon Seefehlner der „BBÖ“ – österreichischen Bundesbahn. Er wollte den sozialistischen Abgeordneten König und Eisenbahner-Gewerkschafter mit 150.000 Schillinge (heutige Kaufkraft ca. 590.000 Euro) bestechen, der Abgeordnete machte aber sofort Meldung und der Generaldirektor wurde seines Amtes enthoben.

Die Hirtenberger Waffenaffäre war der Anfang des Unterganges der ersten Republik. Vom 12. bis 15. Februar 1934 wütete der österreichische Bürgerkrieg, Waffen waren genug vorhanden… Übrigens: In der Heimwehrära (1934-1938) wurde Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg zum Ehrenbürger von Hirtenberg ernannt. Zwei Jahre war er auch Vizekanzler des faschistischen Ständestaates.

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