Sensationelle Funde

Erstellt am 19. August 2014 | 07:01
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Foto: NOEN, Holzinger.Presse
Nach Höhlenfunden von Johann Neitz und seinem Team müssen wohl Teile der lokalen Geschichte umgeschrieben werden.
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Johann Neitz streifte in seiner Eigenschaft als Forstingenieur durch sein Revier im „Höllgraben“ und fasste dabei den „Smrcka-Lorenz-Felsen“, im Volksmund auch „Pecherhöhle“ genannt, ganz besonders ins Auge. Solche Naturhöhlen wurden meistens als Unterschlupf für Mensch und Tier benutzt und Neitz vermutete, hier Höhlenfunde vorzufinden. Deshalb begann er im Jahr 2004, gemeinsam mit Karl Schiehsl, nach Keramikbruchstücken zu suchen.

Fundstelle wurde auch für Profis interessant

Und wirklich: Unter anderem kamen römische und bronzezeitliche Stücke zum Vorschein, aber auch viele Tierknochen der verschiedensten Epochen befanden sich unter den Fundstücken. Dass sie aber auch auf den Halswirbel eines Steinzeitmenschen stoßen würden, kam für die beiden Ausgräber gänzlich unerwartet. Bald stießen auch der Pottensteiner Tierpräparator Hans Zierhofer und seine Gattin Maria zu den Hobbyforschern und das Erdreich wurde akribisch genau nach weiteren urzeitlichen Fundstücken durchforscht. Alles wurde dabei ganz genau katalogisiert und sicher gelagert.

Bald darauf setzte man sich mit Gerhard Trnka von der Uni Wien und Doris Nagel vom Institut für Paläontologie in Verbindung. Von nun an wurde die Fundstelle hochwissenschaftlich unter die Lupe genommen und es wurden nicht nur sensationelle paläontologische Fundstücke ausgegraben, sondern auch genaue Erkenntnisse über Klimaveränderungen gewonnen. Besonders Knochenfragmente von Schneehasen und Halsbandlemmingen, die vor 14.000 Jahren im Höllgraben lebten, sind eine kleine Sensation, galten sie zu dieser Zeit im Wiener Becken bereits als ausgestorben.

6.000 Jahre alter Halswirbel entdeckt

Weitere Funde waren Knochenreste von 34 Säugetierarten von der letzten Eiszeit bis zum Beginn der Warmzeit sowie ein Teil eines 6.000 Jahre alten Halswirbels von einem Steinzeitmenschen. Bei weiteren Forschungen fand man den Deckel einer so genannten „Deckelschnecke“, deren Alter auf etwa 117.000 Jahre geschätzt wird.

Bis zum Zeitpunkt der Grabungen von Johann Neitz und seinen Kollegen war Enzesfeld-Lindabrunn gänzlich frei von historischen Fundstücken. Die Höhlenfundstücke sind im Gemeindeamt Enzesfeld-Lindabrunn zu besichtigen, wo es auch das Buch von Johann Neitz, mit dem Titel „Von der letzten Eiszeit bis heute“ gibt.

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