„Erfolg macht Arbeit sichtbar“

Erstellt am 02. Juni 2014 | 09:09
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Foto: NOEN
Gertraud Klemm / Die Schriftstellerin ist für
den Ingeborg Bachmann-Preis nominiert.
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BADEN / Seit zehn Jahren widmet sie sich intensiv dem Schreiben, hat heuer ihren Roman „Herzmilch“ herausgebracht, hält Lesungen. Und wenn sie schreibt, befindet sie sich in einer Suchbewegung durch das Leben. Jetzt wurde sie für den Ingeborg Bachmann-Preis nominiert: Gertraud Klemm erobert die Erfolgsleiter. Was bedeutet für sie Erfolg?

NÖN: Wie fühlt er sich an, der Erfolg?

Klemm: Es ist wie Stufensteigen, wie viele kleine Stufen steigen, ist man auf einer, sieht man schon die nächste Stufe.

Haben Sie den Erfolg erwartet?

Klemm: Ich habe im Spaß immer gesagt: ‚Ich will den Bachmann- Preis‘.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

Klemm: Weitergehen. 2013 war gar nix los, ich habe keine Preise gewonnen, habe kein Geld verdient, man schreibt und schreibt und es kommt nix.

Und jetzt ist er da, der Erfolg, woher kommt er?

Klemm: Zur einen Hälfte ist es Glück und Beharrlichkeit und zur anderen Hälfte, dass einem im richtigen Moment die richtigen Leute die Hand geben. Ich mache seit zehn Jahren nichts anderes außer schreiben, networken, schreiben, einreichen, schreiben, networken…

Hinter einer erfolgreichen Frau steht ein…

Klemm: …Mann, der Verständnis dafür hat, und der einem die Möglichkeit gibt, nicht Geld verdienen zu müssen, mit seiner Arbeit. Mein Mann Helge hat mich immer unterstützt und Mut gemacht.

Freut Sie der Erfolg?

Klemm: Ja, sehr, ich hab‘s am Anfang nicht glauben können, ich habe gerade gefastet und konnte nicht feiern, Kräutertee statt Champagner. Wenn man schreibt, schreibt man in ein schwarzes Loch, du bekommst kein Feedback, keiner sagt ‚Schreib noch drei Seiten‘ oder mach mal Urlaub. Der Erfolg trägt einem durch diese Zeit.

Überfordert Sie Ihr Erfolg?

Klemm: In meinen Träumen ja, ich träume ständig, dass alles schiefgeht. Aber ich schöpfe jetzt mehr Vertrauen, ich muss mich nicht mehr rechtfertigen, der Erfolg legitimiert meine Arbeit und macht sie sichtbar.

Wer Erfolg hat, steht im Mittelpunkt. Gefällt Ihnen das?

Klemm: Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt, das ist kein Kokettieren von mir, ich bin kein Kameratier!

Glauben Sie, dass der Erfolg Sie verändern wird?

Klemm: Ich fühle nur, dass je mehr ich Erfolg habe, umso mehr werde ich, ich werde wieder ich selbst, bin wieder aufmüpfiger und kritischer. Ich bin nicht mehr so angepasst wie früher in meinem alten Beruf als Biologin und Beamtin. Schreiben ist ein Geschenk für mich.

Glauben Sie, dass Sie Erfolg um jeden Preis haben möchten?

Klemm: Nein, ich kann nicht einfach schreiben, was sich gut verkauft, ich kann nur schreiben, was ich schreiben kann.

Was kann Erfolg verhindern?

Klemm: An sich zweifeln. Auch wenn Selbstzweifel gut sind, sie bewahren einem vor der Selbstgefälligkeit. Erfolg ist eine Gratwanderung zwischen Selbstzweifel und Selbstvertrauen.

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