Vier Jahre in Österreich: Matura geschafft. Trotz mangelnder Deutschkenntnisse zu Beginn ihrer Schullaufbahn schaffte Fatimah die Matura in nur vier Jahren.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 11. Juli 2020 (05:13)
Fatimah im Kreis der START-Stipendiatinnen und Stipendiaten
Verein START/Louai Abdul Fattah

Niemals aufgeben – diese Eigenschaft zeichnet wohl Fatimah aus, die im April 2016 mit ihrer Mutter und ihrem Bruder aus dem Irak nach Österreich kam und kein Wort Deutsch sprach. Im September 2016 schaffte sie es nach wiederholten Anläufen, im Gymnasium Berndorf ihre schulische Karriere fortzusetzen.

Diese hatte im Irak durchaus vielversprechend begonnen, Fatimah besuchte dort eine Schule für Hochbegabte. Sie erzählt: „Als ich in Berndorf ankam, bin ich sehr bald vom Verein START unterstützt worden. Es war mein großer Wunsch, im Gymnasium aufgenommen zu werden. Ein Problem war, dass ich mit 17 Jahren für die fünfte Klasse schon relativ alt war, meine Mitschüler waren wesentlich jünger. Das zweite Problem war die deutsche Sprache.“

Doch Fatimah hat klare Zukunftsvorstellungen: ins Gymnasium zu gehen, die Matura zu machen und anschließend Medizin zu studieren. Also sprach sie so lange am Berndorfer Gymnasium vor, bis Direktorin Maria Reitgruber sagte, „OK, probieren wir es“.

Bald wurde aber klar, dass es für Fatimah in Fächern wie etwa Mathematik keine Probleme geben würde. Im Irak lernte sie Englisch und Französisch als Fremdsprachen, in Österreich konzentrierte sie sich voll auf Deutsch. „Ich kann nicht sagen, dass ich das alles alleine geschafft habe. Der Verein START hat Nachhilfe und Workshops organisiert, die ich alle in Anspruch genommen habe. Die Lehrer an der Schule haben mich sehr unterstützt. In gewissen Fächern haben sie mir den Lernstoff auf Englisch erklärt, damit ich den Sinn rascher verstehe.“ Alle Bemühungen haben sich ausgezahlt, auch wenn Fatimah über die Matura selbst sagt: „Die Maturavorbereitungen im heurigen Frühjahr waren natürlich schwierig, gerade für Jugendliche mit nicht-deutscher Muttersprache ist Online-Unterricht nicht einfach und erfordert noch mehr Einsatz von jedem Einzelnen.“

Jetzt lernt sie schon für die nächste Herausforderung, die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium.

Corona-bedingt gibt es aber noch keine Vorbereitungskurse dafür. Doch Fatimah bleibt realistisch, und geduldig: „Selbst wenn ich den Test beim ersten Mal nicht schaffe, ist das für mich kein Grund, gleich aufzugeben. Dann probiere ich es eben noch einmal, ich habe Geduld, das ist eine meiner Stärken.“