Primar Ohrenberger: „Präventivmaßnahmen greifen früher“. Der Oberwaltersdorfer Primarius Gerald Ohrenberger sieht Niederösterreich für Coronavirus gut gewappnet.

Von Nadja Tröstl. Erstellt am 16. März 2020 (09:28)
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Primarius Gerald Ohrenberger.
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Das Coronavirus hat die Welt verändert. Zwischen Panik-Mache und Bagatellisierung in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens gibt es einen Graubereich, der im Status quo noch schwer einzuschätzen ist. Primarius Doktor Gerald Ohrenberger sieht gute Chancen für eine gemäßigte Ausbreitung der Virusinfektion mithilfe einer flächenübergreifender Prävention.

„Die Maßnahmen greifen zu einem früheren Zeitpunkt der Ausbreitung als jene in Tirol.“Primarius Doktor Gerald Ohrenberger über die Lage in NÖ und Wien

„Niederösterreich galt bis Sonntagabend mit 111 Corona-Infizierten als eine von der Pandemie nicht besonders betroffene Region. Die Chance eines sukzessiven, gemäßigten Krankheitsverlaufes besteht durchaus“, sagt Gerald Ohrenberger, ärztlicher Leiter des Haus der Barmherzigkeit in Wien mit insgesamt 24 Niederlassungen in der Bundeshauptstadt und Niederösterreich.

Im Bezirk Baden gibt es derzeit zwei bestätigte Corona-Infektionen. Allerdings ist ein Anstieg der Neuerkrankungen österreichweit mit bis zu über 1.000 Corona-Fällen in den kommenden Tagen nicht definitiv auszuschließen.

Genaueres abzulesen und einzuschätzen, so sind sich die Mediziner einig, wird erst in den kommenden zwei bis sechs Wochen möglich sein. „Die präventiven Maßnahmen speziell in Niederösterreich, die auch bundesweit in Akkordanz mit den Ärzten und der Politik getroffen werden, greifen zu einem früheren Zeitpunkt der Ausbreitung als jene in Tirol“, sagt Ohrenberger, der mit seiner Familie in Oberwaltersdorf lebt.

Der Grat zwischen Explosion und einer eventuellen Stagnation sei schwer einzuschätzen. Immerhin sind von 150.000 Einwohnern im Bezirk Baden 30.000 Menschen über 60 Jahre alt und somit eine definitive Risikogruppe. Wie kann sich die Bevölkerung nun möglichst effektiv vor Ansteckungsgefahren schützen?

„Ich rate im alltäglichen Leben zu Konzentration. Konzentration beim Einkaufen, im Beruf aber auch im privaten Umgang mit Menschen. Papiertaschentücher, die gleich entsorgt werden, und Desinfektionstücher sind das Non-Plus Ultra, um uns zu schützen. Flächen, mit welchen wir täglich in Berührung kommen wie Tatstaturen, Griffe auf Einkaufswägen, Bankomate, Tische und Türen können so ‚entschärft‘ werden“, erläutert der Fachmann.

Von Handschuhen rät der Fachmann ab

„Ich rate zudem von Handschuhen ab, denn damit geht man unbewusst unbekümmerter um,“ sagt er. Ein Mensch greife sich mindestens 150 Mal am Tag in sein Gesicht und man sollte sich nicht fälschlicherweise auf der sicheren Seite fühlen.

In der ersten Pandemie seit 500 Jahren, die Länder- und Kontinenten- übergreifend Menschenleben fordert, gibt es laut Ohrenberger eine erstmalige und höchst vorbildliche Kooperation von Ärzten, Wissenschaftlern und Politikern. Ohne Monopole und Geheimniskrämerei hinsichtlich der Forschungsergebnisse.

Und wie sieht es mit dem Besuchsverbot aus? „Die Ärzte raten zu einer konsequenten Einhaltung der Maßnahmen. So hart das klingt, aber es trägt zur Minimierung neuer Ansteckungsgefahren bei. Die nächsten Tage und Wochen werden richtungsweisend sein“, Niederösterreich sei auch, so der Stand der Dinge, für einen Worst Case gewappnet.