Michaela Vondruska besuchte Sperrzone zum zweiten Mal. Michaela Vondruska berichtet über ihre neue Reise in das Gebiet um Tschernobyl.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 26. September 2019 (03:42)
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Die Natur erobert sich rund um Tschernobyl alles zurück. Im Bild das Stadion Havangard. Kleines Bild: Michaela Vondruska.
Michaela Vondruska

Die Badener Musikschullehrerin Michaela Vondruska hat im Sommer zum zweiten Mal die Zone von Tschernobyl fotografisch besucht und berichtet nun in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Baden am 27. September um 19 Uhr im Theater am Steg über ihre „Nuklearen Impressionen“.

NOEN

Bereits 2018 wurde ihr im Rahmen ihrer Ausbildung in digitaler Fotografie und Bildbearbeitung an der LIK Akademie für Foto und Design in Wien diese Fotoreise angeboten. Heuer durfte sie als Dozentin den Tag in der Sperrzone begleiten.

Nach dem Checkpoint LELIV begann die Todeszone – „vereinzelt piepsten schon die Geigerzähler.“ Die Stadt Prypiat, in der etwa 49 000 Menschen lebten (davon 15.000 Kinder), wurde zwei Tage nach der Katastrophe evakuiert. „Heute erobert sich die Natur alles zurück“, stellte Vondruska fest. „Mittlerweile ist es gefährlich, die Gebäude zu betreten, da sie allesamt vom Verfall bedroht sind“, sagt sie. Sie besichtigten das „Schwimmbad Lazurni“, welches noch bis 1996 für die Helfer der Aufräumarbeiten in Betrieb war. Danach ging es ins Stadion – „das einstige Fußballfeld ist heute ein kleines Wäldchen“. Den Höhepunkt bildete der Rummelplatz, der am 1. Mai 1986 hätte eröffnet werden sollen.

„Ein beklemmendes Gefühl“ stellte sich bei ihr im Unglücksreaktor bei der Gedenkstätte für einen Helfer ein, von dem man dort nur mehr seine Handabdrücke im erkalteten Material fand. Am meisten emotional bewegt war sie vom Kindergarten in Kopachi. Welche Stationen sie besichtigte, können die Besucher ihres Vortrags erfahren.

Ihr Fazit: „Eine interessante Reise, die unbeschreibliche Eindrücke hinterlassen hat … und wenn ich ehrlich bin, ein bisschen süchtig macht.“ Besonders nachdenklich machte sie, „wie stark der Niedergang innerhalb eines Jahres die Gebäude regelrecht zerfrisst.“ Ein weiteres Problem sei ihrer Meinung nach „der furchtlose Umgang so mancher Agenturen mit der noch immer nachweisbaren Radioaktivität“. Und eines möchte sie festhalten: „Nicht jeder, der in die Sperrzone reist, ist ein Voyeur oder Katastrophentourist. Unsere Gruppe war unter rein fotografischem Aspekt dort.“