Berndorf: Sorge um Kremesberg

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:22
Lesezeit: 4 Min
Bürgerinitiative fordert die Erhaltung von wertvollem Grünland in Berndorf.
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Erhitzte Gemüter fanden sich am Donnerstag auf Einladung der „Überparteilichen Bürgerinitiative“, bestehend aus Johanna Haigl, Horst und Brigitte Szaal, Lieselotte Krendelsberger, Gabriele Handl und Birgit Müller im berstend vollen Pfarrsaal der evangelischen Kirche ein.

Grund der Einladung war die geplante Umwidmung 2028 der Gründe am Kremesberg im Zuge der Stadtentwicklung. in Bauland. 1500 Unterschriften wurden bereits gegen die geplanten Umwidmungen am Kremesberg und in der Wankenwiese (St.Veit) gesammelt. Gabriele Handl und Birgit Müller zeigten eine Präsentation betreffend des mögliche Szenarios im Falle einer Verbauung der gesamten Flächen, wie etwa eine komplette Überlastung der gesamten Infrastruktur und auch des Kanalsystems, vom drohenden Verkehrskollaps ganz zu schweigen.

Bei den Planausstellungen des Örtlichen Entwicklungskonzepts (ÖEK) der Stadtgemeinde Berndorf im Herbst 2021 wurden Grünland und landwirtschaftliche Flächen im Ausmaß von ca. 16 Hektar am Kremesberg als ‚kurzfristige Entwicklungsgebiete für Siedlungserweiterungen‘ ausgewiesen. Das bedeutet, dass sie in absehbarer Zeit verbaut werden sollen. „Wir haben uns zur überparteilichen Bürgerinitiative gegen Verbauung von Kremesberg und Wankenwiese zusammengefunden, da wir der Meinung sind, dass dieses Konzept keine Rücksicht auf das Prinzip des Schutzes wertvoller Böden, auf Klima- und Artenschutz nimmt, das Natura 2000-Vogelschutzgebiet und das Landschaftsschutzgebiet Biosphärenpark Wienerwald zu wenig berücksichtigt wird,“ war der Tenor der besorgten Mitglieder der Bürgerinitiative. Berndorf hat bereits eine Gesamtfläche von 517.000 m² gewidmetes Bauland, wobei 280.000 m² sofort bebaut werden könnte, das reicht bis 2045. Man braucht also keine neuen Baugründe dazu.“

„Wir wollen auch in 20 Jahren keine Verbauung“

„Wir wollen auch in 20 Jahren keine Verbauung“, meinten die Besucher der Veranstalter auf Hinweis von Bürgermeister Franz Rumpler (ÖVP), dass ja nicht alles und auch nicht sofort verbaut werden würde.

Die SPÖ als Oppositionspartei sprach sich auf jeden Fall jetzt schon klar gegen eine Umwidmung aus und fordert Gespräche mit den Bürgern. Die Kremesberg Umwidmung würde „unsere Lebensqualität massiv verschlechtern, wir haben auch noch genug freie, bereits gewidmete Flächen, die man heranziehen kann, um Wohnraum zu schaffen.“ Vor allem leistbare Wohngelegenheiten würde man benötigen, so Parteiobmann Günter Bader.

Dort werden die beauftragten Fachleute den Flächenwidmungsplan nochmals erklären und für Fragen zur Verfügung stehen“
Bürgermeister Franz Rumpler

„Unser Boden kann immer weniger Niederschlag aufnehmen, da Versickerungsflächen fehlen und in weiterer Folge wird die Hochwassergefahr erhöht. Im Boden werden immer weniger Schadstoffe gefiltert und der natürliche Wasserkreislauf ist gestört. Lebensraum für Pflanzen und Tiere geht verloren usw. Das heißt, Bodenversiegelung wird zu einem immer größer werdenden Problem“, sagt ein Vertreter der FraktionsGruppe „MUT“

Vizebürgermeister Kurt Hoffer von der „Liste Zukunft“ sagt zum Thema: „Wir sind wie auch andere Mandatare einer Meinung, dass man durch sachliche Gespräche gemeinsam mit den besorgten Bürgern, aber auch mit unseren Politikern sicherlich neue Erkenntnisse über eine zukünftige Verbauung gewinnen kann und diese auf eine verträgliche Art und Weise weiterentwickeln kann. Wir sind für weitere Gespräche und werden uns für eine gesunde Natur und den Erhalt unser aller Lebensqualität einsetzen“.

„Das Entwicklungskonzept gehört überarbeitet und der über Jahre beauftragte Raumplaner endlich getauscht“, ist Gerald Aster (UBV - Unser Berndorf verändern) überzeugt.

„Wenn es eine Verbauung wird, wie in Leobersdorf, wo viele Geschäfte leer stehen und trotzdem neue gebaut werden, sind wir dagegen. Aber wenn wir in Berndorf keine Wohnungen haben und wir dadurch Wohnraum schaffen können, sind wir dafür“, erklärt Stadtrat Gerhard Ullrich (FPÖ).

Bürgermeister Rumpler möchte jedenfalls die „sehr emotionale Diskussion wieder auf eine sachlich fundierte Ebene bringen“ und lädt alle Interessierten am 15. Juni für die Ortsteile St. Veit und Ödlitz und am 20. Juni für die Ortsteile Berndorf-Stadt und Veitsau um jeweils 18 Uhr in den Stadtsaal Berndorf ein. „Dort werden die beauftragten Fachleute den Flächenwidmungsplan nochmals erklären und für Fragen zur Verfügung stehen“.

Spannend wird auf jeden Fall die nächste Gemeinderatssitzung am 28. Juni, wo die Bürgerinitiative die gesammelten Unterschriftenlisten übergeben wird und auch über das Konzept der Stadtentwicklung abgestimmt werden soll. Die Situation könnte zu einer Zerreißprobe für die bestehende Koalition zwischen ÖVP, LZB, UBV und FPÖ werden.

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