Bad Vöslauer terrorisierte die Notrufzentrale. 16 Monate Haft für 20-Jährigen wegen Störaktion & Diebstählen. Urteil nicht rechtskräftig.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 23. Dezember 2020 (05:04)
Ziel des Mannes: Die Notruf NÖ-Zentrale
Notruf NÖ

Die Störung der Funktionsfähigkeit eines Computersystems wurde einem jungen Mann, 20, von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen.

Konkret hat der Mann mit zwei Handys von 23. bis 25. September die Landesleitzentrale für Notrufe in NÖ mehrfach massiv gestört, sodass diese teilweise nicht erreichbar war. Darüber hinaus werden ihm mehrere Zeitungskasseneinbrüche, ein Supermarkt- und ein Rucksackdiebstahl inklusive Bargeld, Bankomatkarte und Schlüsseln vorgeworfen.

2.004 Angriffe in zwei Tagen zur Last gelegt

Der 20-Jährige war voll geständig, aber wenig einsichtig, was seine Schuld betrifft. Die Störung der Notrufzentrale sei ein „Scherz“ gewesen, er habe mittels einer virtuellen Tastendruck-App alle 15 Sekunden den Notruf gewählt. Außerdem hat er die zwei Handys aneinandergelegt und damit die jeweiligen Beamten, die abgehoben haben, miteinander kommunizieren lassen.

Frage der Richterin: „Und das ist lustig?“ Antwort: „Ich weiß nicht, was die geredet haben, ich war die meiste Zeit nicht bei den Handys.“ Insgesamt werden dem Mann in den zwei Tagen 2004 Angriffe zur Last gelegt, die Rückverfolgung der Anrufe umfasst mehr als 100 Seiten Protokoll!

Auf die Frage der Richterin, ob er als mehrfach Vorbestrafter einen Zorn auf die Polizei hatte, sagte er „ja auch, aber es war eher Spaß“.

Die Zeitungskasseneinbrüche gab der Angeklagte zu, kann aber nicht mehr genau sagen, wie viele es waren. Ein Zeuge aus der Nachbarschaft schilderte vor Gericht, wie er im Papiercontainer „zwei oder drei Plastikmüllsäcke mit jeweils ca. 15 Kassen“ gefunden hat.

Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler dann mehrere Zeitungstaschen und eine Kasse beim Angeklagten. Und die Ausweispapiere der jungen Frau, deren Rucksack der 20-jährige gestohlen hatte. Er wurde zu 16 Monaten Haft verurteilt, außerdem wurden zwei Monate einer bedingten Strafe widerrufen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgegeben hat.