Bad Vöslau: Droht Mangel an Primärversorgung?

Erstellt am 02. Januar 2022 | 05:16
Lesezeit: 4 Min
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Gesundheitsstadrätin Anita Tretthann hofft auf Primärversorgungszentrum und „Community Nursing“ als Zwischenlösung.
Foto: Schrahböck
In Bad Vöslau wird die Anzahl der aktiv tätigen Allgemeinmediziner immer weniger.
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Gerade in Zeiten einer Pandemie wird einmal mehr klar, wie essenziell ein stabiles Gesundheitssystem ist. Der Mangel an Pflegekräften und Ärzten geht auch an Gemeinden, die kein Spital haben, nicht spurlos vorüber. In Bad Vöslau etwa wird vor allem die Anzahl der aktiv tätigen Allgemeinmediziner immer weniger – droht eine Unterversorgung?

Bis vor kurzem gab es in der Stadt einige Ordinationen von aktiv tätigen Allgemeinmedizinern. Vor einigen Monaten trat allerdings Stadtarzt Doktor Karl Scherz die Pension an und musste seine Ordination schließen, da es keinen Nachfolger gibt. Ebenfalls wird Doktor Walter Gimborn mit Juni 2022 in den Ruhestand übertreten, auch diese Ordination kann nicht nachbesetzt werden.

Wir arbeiten seit zwei Jahren an einer Lösung“ anita tretthann Stadträtin, Bad Vöslau

Trotz der neuen Gruppenpraxis der Doktoren Stadlhofer und Wohlgenannt ist die medizinische Primärversorgung in Bad Vöslau mit über 12.000 Einwohnern, von geringer Ausdehnung.

Diese Knappheit, vor allem an Allgemeinmedizinern, stellt ein flächendeckendes Problem in den Gemeinden dar. Kaum Ärzte entscheiden sich dazu, eine Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu machen, weswegen Praxen nicht nachbesetzt werden können und es für Bürger immer schwieriger wird, einen „Hausarzt“ zu finden.

Außerdem tragen die baulichen Umstände vieler Praxen in Bad Vöslau negativ zu der Entwicklung dieser Problematik bei. Einige Gebäude, in denen sich Ordinationen befinden, sind nicht barrierefrei und deswegen für Ärzte sehr unattraktiv, um eine Praxis anzusiedeln.

Der Mangel an Primärversorgung in Bad Vöslau ist in der Gemeindepolitik schon lange präsent, jedoch konnte bis heute keine zukunftsträchtige Lösung gefunden werden. Durch die zwei Pensionierungen ohne Nachbesetzung innerhalb eines Jahres, wird diese Situation jetzt an einen kritischen Punkt getrieben.

„Wir arbeiten seit zwei Jahren an einer Lösung für dieses Problem“ Anita Tretthann

„Wir arbeiten seit zwei Jahren an einer Lösung für dieses Problem“, erklärt Stadträtin für Gesundheit Anita Tretthann (Liste Flammer), im Gespräch mit der NÖN. Das zukünftige Ziel, um die Versorgung langfristig sicherzustellen wäre laut ihr der Bau eines „Primärversorgungszentrums“. Dies ist ein Netzwerk, in dem sich mehrere Ärzte, darunter mindestens drei Allgemeinmediziner zusammenschließen und durch ihre Dienstzeiten eine ununterbrochene Versorgung der Bewohner in einem gemeinsamen Gebäude sicherstellen können.

So ein Zentrum ist beliebig erweiterbar, beispielsweise durch Fachärzte für Kinder- & Jugendheilkunde, die in Bad Vöslau ebenso unterbesetzt sind. Außerdem kann sich weiteres medizinisches Fachpersonal dem Zentrum anschließen. Dazu zählen unter anderem Logopäden, Physiotherapeuten, Sozialberater oder Psychologen. So ein Zentrum erfordert einen Bau im Gemeindegebiet, der von der Stadtgemeinde geplant und errichtet werden müsste. Außerdem ist eine Zusammenschließung der Ärzte mit rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen verbunden, weswegen dieses Projekt bis jetzt seitens der Mediziner abgelehnt wurde, wie Stadträtin Tretthann berichtet.

Um zu verhindern, dass Bewohner bis zu einer Lösung nicht ausreichend versorgt werden können, hat sich die Stadtgemeinde für eine Förderung beim Bundesministerium im Rahmen des Pilotprojekts „Community Nursing“ beworben. Mit dieser Förderung könnten zwei diplomierte Pflegekräfte und zusätzlich administrative Mitarbeiter eingesetzt werden, welche Hausärzte bei alltäglichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel bei Hausbesuchen oder Wundversorgungen, unterstützen sollen. Durch deren Einsatz sollen die Ärzte und Ordinationen entlastet werden und Patienten zusätzliche Ansprechpartner zur Verfügung gestellt werden.

Ob dieses Projekt als Übergangslösung gefördert werden kann, werde im Frühjahr entschieden.

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