Baden: Die Kurstadt der Zukunft planen

Stadt Baden will ihrem Welterbestatus gerecht werden und neue Trends im Gesundheitstourismus setzen.

NÖN Redaktion Erstellt am 22. September 2021 | 05:16
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Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Bürgermeister Stefan Szirucsek und Stadtrat Hans Hornyik mit einem Plan des Kurbezirks.
Foto: Jandrinitsch

Bis in die 1970er Jahre war Baden die Kurstadt, die international Trends setzte und wohlhabende Gäste, darunter auch viele gekrönte Häupter, willkommen hieß. Warum das beginnend mit den 1970er Jahre mehr und mehr abflachte, ist Gegenstand verschiedener Theorien.

Eine davon lautet, dass es dem neuen Hygienegesetz geschuldet ist, das damals in Kraft trat. Kurbehandlungen direkt in den Bädern waren nicht mehr möglich. Es schlug die Stunde der Kurmittelhäuser, die diese Aufgaben übernahmen.

„Nur das spezielle Flair war auch weg“, sagte Stadtrat Hans Hornyik, ÖVP, auf der Pressekonferenz, die er gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, und Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne, bestritt. Denn in der kommenden Stadt- und in der darauffolgenden Gemeinderatssitzung sollen die Weichen dafür gestellt werden, dass Baden wieder an glanzvolle vergangene Zeiten anschließen kann.

Der Bürgermeister betont: „Jetzt, da wir wissen, dass wir Teil der ‚Great Spas of Europe‘ sind, können wir damit beginnen, das örtliche Entwicklungskonzept neu aufzustellen. Ganz im Geiste vom ehemaligen Bürgermeister Viktor Wallner, der zu seiner Zeit damit begonnen hat, für Baden visionäre Ideen umzusetzen.“ Der entsprechende Antrag soll in der nächsten Gemeinderatssitzung gestellt werden und beinhaltet einiges. Zu bearbeiten und beschließen gibt es die Sektorenthemen Tourismus, Energie und Wirtschaft. Darin ist Folgendes enthalten:

Beim Tourismus liegt der Fokus auf dem Gesundheitstourismus

So soll ein gesundheitstouristisches Konzept erarbeitet werden, dass die Potenziale der Stadt Baden mit allen medizinischen Anbietern, Hotels, den lokalen und landschaftlichen Besonderheiten erfasst. Dazu gehört auch die Neukonzeptionierung des Kurbezirks, auch unter dem Blickwinkel, wie ein Kurhaus und die Römertherme ins 21. Jahrhundert geführt werden können. Und das alles unter Bedachtnahme auf eine ökologische Raumplanung, der die bisherige Vorgehensweise bei Stadtentwicklungsprozessen untergeordnet werden müsse.

Energie: Die Stadt Baden setze schon jetzt im Energiereferat viele entscheidende Schritte für die Zukunft, zum Beispiel im Bereich Photovoltaikanlagen. Krismer betonte: „Wir sind mit unserem Energiereferat sehr gut aufgestellt. Aber Baden geht wieder einmal als Vorzeigestadt voran, um die gesetzliche Vorgabe des Landes zu erfüllen, die Raumplanung künftig so durchführen zu können, dass sie dem Klimawandel angepasst ist. Jetzt müssen wir erarbeiten, welche Instrumente wir noch dazu brauchen.“

Wirtschaft: Im Stadtentwicklungskonzept Baden 2031 wurde auch das Thema Wirtschaft bearbeitet. Die Erhebungen zu diesem Sektorenthema wurden vor 2010 durchgeführt. Die Annahme des Stadtentwicklungskonzepts Baden 2031 erfolgte im Jahr 2011 durch den Gemeinderat. Seit damals haben sich die Randbedingungen, nicht zuletzt durch die jüngste Pandemie und die Auswirkungen auf den Finanz- und Immobilienmarkt, sowie die Digitalisierung des Handels, massiv geändert.

Am Wirtschaftsstandort Baden bestehen zudem seit 2013 Potenzialflächen, die zur Entwicklung anstehen. Aufbauend auf der Studie von Brandmeyer soll eine neue Struktur für die Bewerbung und Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Baden erarbeitet werden. Unterstützt werden soll dieser Prozess von der Firma Stadtmanufaktur in Hamburg.

Szirucsek gibt zu bedenken: „Alle drei Themen greifen schlussendlich ineinander, denn es wird auch Energie benötigen, um die sich Einrichtungen im Kurbezirk zu betreiben.“

Für die Weiterentwicklung der Römertherme soll eine eigene Standortbestimmung erfolgen, diese Analyse mit den erforderlichen Grundbausteinen will die Stadtregierung an die Firma Goetz Consult übergeben, Kostenpunkt: 51.900 Euro. „Die Leistungen werden ab Herbst 2021 bis Frühjahr 2022 erbracht und in diesen beiden Haushaltsjahren abgerechnet“, präzisiert Krismer.

Die Teilleistung Entwicklung eines gesundheitstouristischen Konzepts und Neukonzeptionierung des Kurbezirks soll an die Firma Oberer Consulting GmbH zum Preis von 52.500 Euro exkl. USt. ergeben werden.

Die Teilleistung Raum- und Funktionsprogramm Kurhaus und Weiterentwicklung Römertherme soll an die Schweizer Firma Kannewischer Management AG zum Preis von 43.200 Euro exkl. USt. vergeben werden. Um überprüfen zu können, ob sich der Kosten-Nutzenaufwand die Waage hält, soll die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG das Projekt mit Prognoserechnungen begleiten. Preis: 16.120 Euro exkl. Ust.

Den einen, der alles kann, gibt es nicht

„Zu Beginn haben wir geglaubt, es gibt den oder die eine Allwissende, aber das hat sich bald als Illusion herausgestellt“, merkt Szirucsek an. „Deshalb haben wir den Sektor Tourismus auch in diese Untergruppen aufgesplittert. Und wir sind überzeugt, dass wir die besten Anbieter für den jeweiligen Bereich gefunden haben.“

„Es ist wieder typisch für die Stadtkoalition dass sie uns am gleichen Tag, an dem sie eine Pressekonferenz ansetzt, über das geplante Projekt informiert. “ Markus Riedmayer

Davon ist die Opposition nicht überzeugt, einfach, weil sie von dem Vorhaben Entwicklungskonzept neu nichts weiß. SPÖ-Chef Markus Riedmayer sagt: „Es ist wieder typisch für die Stadtkoalition dass sie uns am gleichen Tag, an dem sie eine Pressekonferenz ansetzt, über das geplante Projekt informiert. Mit dem Zusatz, man wisse nichts Genaues, es gäbe noch keine konkreten Pläne in der Schublade, aber das glaube ich nicht. Mit uns geredet hat im Vorfeld jedenfalls niemand.“

In die gleiche Kerbe schlägt Jowi Trenner von wir badener: „Mit uns hat selbstverständlich niemand geredet. Die Opposition wird bei keinem Projekt mehr eingebunden, diese Zeiten sind vorbei. Ich verstehe nicht, warum wir für alle Vorhaben eine Studie brauchen. Wir haben hervorragende leitende Beamte in Tourismus, Verkehr und Wirtschaft, es ist deren Aufgabe, geeignete Konzepte zu entwickeln. Natürlich ist niemand ein Wunderwuzzi, wenn man nicht weiterweiß, kann man selbstverständlich jemanden beiziehen.“

Auch die NEOS wurden über den Mega-Antrag nicht informiert. NEOS-Mandatarin Gertraud Auinger-Oberzaucher stellt aber klar: „Von uns kommt ein klares Ja zur Gestaltung der Zukunft der Stadt Baden - auf allen Ebenen. Von uns kommt aber auch ein klares Nein zu einsamen Entscheidungen, die die Stadtregierung zurzeit trifft.“