Mayerling: Betagte Anrainer verärgert über Baustelle

Tochterfirma der Haselsteiner-Privatstiftung steht in der Kritik. Anwalt wirft ihr im Zuge von Hanners Haubenlokal-Umbau Schikanen vor.

Stephanie Pirkfellner Erstellt am 09. Oktober 2021 | 05:42

2018 erwarb die der Haselsteiner-Stiftung gehörende ZMI Gmbh den ehemaligen Gourmettempel Hanner in Mayerling. Der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner kaufte das ehemalige Haubenlokal für seine Kinder, daraus wurde aber nichts und so stellte er das Anwesen der sozialen Einrichtung VinziRast zur Verfügung.

Mit der günstigen Ersteigerung war ein lebenslanges Wohn- und Nutzungsrecht der Eltern von Heinz Hanner verbunden. Johann und Cäcilia Hanner hatten eine, vom Stift Heiligenkreuz zuerst gepachteten und dann käuflich erworbene Jausenstation, den Marienhof, bis 1985 zu einem Restaurant und Hotel umgebaut und teilweise neu errichtet.

Seit Monaten nun wird das Hotel, in dem auch die Wohnung der Hanners liegt, vom Bauunternehmen STRABAG zum Sozialprojekt „VinziRast am Lande“ umgebaut. Der Verein will dort in Zukunft Gemüse anbauen, einen Hofladen und Fremdenzimmer eröffnen. Menschen soll damit der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben ermöglicht werden.

Gerichtliche Beschlüsse seit Juli rechtskräftig

Die körperlich eingeschränkten und gesundheitlich angeschlagenen Eheleute Hanner, beide 88 Jahre alt, sollen, so ihr Anwalt Hanns David Hügel, durch Schikanen anscheinend vertrieben werden. Er untermauert seine Befürchtung mit dem temporären Ausfall der Warmwasserversorgung, der seit Monaten andauernden Stilllegung des Liftes und massiver Staub- und Schmutzbelästigung.

Diesbezügliche rechtskräftige einstweilige Verfügungen würden von der „Haselsteiner-GmbH“ teilweise nicht befolgt werden. Die schöne, zur Wohnung gehörende Terrasse konnte den ganzen Sommer über nicht benutzt werden, da darauf ein Gerüst steht, auf dem kaum gearbeitet wurde. Auch der Garten ist infolge der Umbauarbeiten auf dem ganzen Grundstück schwer nutzbar.

Johann Hanner: „Da der Lift seit Februar nicht funktioniert, muss ich Einkäufe 54 Stufen hoch bis zu unserer Wohnung tragen. Dass mir das nach einer Schulter- und drei Hüftoperationen nicht leicht fällt, ist offensichtlich.“ Ein Ende der Bauarbeiten könne er nicht sehen, „bei Reklamationen meinerseits gibt es kein Verständnis seitens der Baufirma. Bei einem adäquaten Angebot würden wir sofort ausziehen“, erklärt Hanner.

Mitte Juli ergingen die seit Ende Juli rechtskräftigen, gerichtlichen, Beschlüsse, dass das Warmwasser wiederherzustellen ist (wurde gemacht), der Lift wieder instandzusetzen ist (eine Sanierung wurde erst Mitte August in Auftrag gegeben, geschehen ist jedoch bis heute nichts) und dass auf dem Weg von der Wohnung zur Garage sowie im Nahebereich der Wohnung keine störenden Bauarbeiten stattfinden dürfen. Das wird teilweise nicht befolgt, weswegen Geldstrafen vom Bezirksgericht Spittal an der Drau (Sitz der „Haselsteiner-GmbH“) verhängt wurden, die von der ZMI GmbH angefochten werden, also nicht rechtskräftig sind.

Vonseiten der Baufirma erklärt dazu Marianne Jakl, Head of Communications – Austria STRABAG SE: „Der ehemalige Marienhof wird derzeit von uns im Auftrag eines Unternehmens der Haselsteiner-Privatstiftung umgebaut, um ab 2022 als neuester VinziRast-Standort 60 Menschen einen dauerhaften Wohn- und Arbeitsplatz zu bieten.“ Man sei sich bewusst, dass Bauarbeiten immer auch Belastungen für unmittelbare Anrainer darstellen können, in diesem Fall für das am Marienhof lebende Ehepaar.

„Wir sind jedenfalls bemüht, die Unannehmlichkeiten für sie so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig unseren Auftrag fristgerecht zu erfüllen, damit dieses wichtige Sozialprojekt pünktlich starten kann“, sagt Jakl. Die Bauarbeiten würden noch dieses Jahr abgeschlossen werden „und danach wird das Ehepaar auch von der verbesserten Infrastruktur des Gebäudes profitieren.“