Der „Indiana Jones“ des Habsburger-Reiches

In Ebreichsdorf liegt die letzte Ruhestätte eines Schatzsuchers, Chronisten und Ägyptologen aus dem 16. Jahrhundert: „Ritter“ Hieronymus von Beck.

Erstellt am 26. Juni 2021 | 05:36

Im Auftrag, dass Verstorbene nicht vergessen werden, forschte der „Friedhofsgucker“ in der „Totenstadt“ von Ebreichsdorf. An diesem geschichtsträchtigen Ort sind viele Personen mit Rang und Adel begraben, ja sogar eine Prinzessin - Johanna von Schönburg-Hartenstein, verheiratete Gräfin Attems-Heiligenkreuz, fand hier die letzte Ruhestätte.

Der „Hofzwerg“ im „Zwergenreich“

Eine nicht alltägliche Bestattung ist 1453 zelebriert worden, da wurde der „Hofzwerg“ Hanns Futprem, des Schlossbesitzers Simon Potl, zur letzten Ruhe ins „Zwergenreich“ geleitet.

Das Augenmerk des Friedhofsforschers gilt nun dem 1572 errichteten Grabhügel – der Gruft – der Kastentumba, des Hieronymus Beck, seines Zeichens einer der „Patronatsherren“ der Pfarrkirche.

Mystischer Grabhügel und die Zahl drei

Mitten im Friedhof genau hinter der Kirche befindet sich das Grabdenkmal. Mächtig – stolz – mythenhaft, strahlt es in alle Richtungen, tut Kunde von den erfolgreichen Leben der Dynastie. Unter anderem ist Hieronymus Beck mit seinen „Drei Gattinnen“ hier beerdigt, auch Vater Markus Beck, er hatte ebenfalls „Drei Gemahlinnen“ ist mit seinen Frauen unter schweren Steinplatten beigesetzt.

Weiters sind „Drei Kinder“ des Hieronymus Beck auch in der Gruft bestattet. Nun spukt mir die „Zahl Drei“ wieder durch den Kopf! Bei „Drei Särge“ aus dem 18. Jahrhundert, konnte nicht genau festgestellt werden, wer da drinnen liegt? Die aus Sandstein gehauene Kastentumba, mit links und rechts jeweils „Drei Familienwappen“ und geheimnisvollen Gesichtern, versetzen den Besucher zurück, in die Welt der Antike mit ihren Mythen und Sagen, mit ihren Göttern, Geistern und Fabelwesen – aber genau das war die Welt des Ritters Hieronymus Beck von Leopoldsdorf.

Die Reisen in geheimnisvolle Länder

Die Reise begann für Hieronymus, Anno Domini 1525, geboren auf Schloss Leopoldsdorf. Er, als Sohn des Ritter Markus Beck, wurde gemeinsam mit den königlichen Kindern erzogen. Seine Reise ging nach Italien, wo er an der noblen Universität zu Padua studierte. Er lernte Fremdsprachen, eignete sich Kenntnisse in der Altertums Forschung an, Sitten und Gebräuche ferner Länder interessierten den „Ritter von Beck“ genauso wie Antiquitäten und alles Geschriebene. Nun war es nicht verwunderlich, dass er aufbrach, um nahe und ferne Länder zu erkunden. Schon ca. 230 Jahre vor der Napoleon Ägypten-Expedition (1798-1801), betrat der Weltenbummler die Stätte der Pharaonen, immer dabei sein treuer Freund und Diener Michael Garzin.

Die strapazreichen Reisen „Der Zwei“, führten in Länder sowie Orte, wie Gallien, Cypern, Jerusalem, dem Berg Horeb, Arabien, Ägypten, Pamphilien, Phrygien, Bythien, Tracien, Illyricum. Man muss sich vorstellen, dass geschah alles im 16-Jahrhundert und von überall brachte der „Indiana Jones aus Austria“ mit seinem französischen Diener Michael Garzin, Souvenirs und Altertümer mit, manchmal auch Zentner schwer. Die Sammlung wurde auf seinem Schloss in Ebreichsdorf aufbewahrt. Im Schlosspark legte er ein sogenanntes „Lapidarium“ eine Sammlung von Steinwerken, wie historische Säulen, Skulpturen, Sarkophage an. Noch erhalten sind römische Grabsteine an der Mauer der Schlosskapelle.

Aber jede Reise hat einmal ein Ende, der letzte Weg führte „Ritter Hieronymus Beck“, von seinem Märchenschloss in die von ihm renovierte Pfarrkirche und danach zu seinem erbauten Grabhügel – der Familiengruft, wo er, der Schatzsucher, Chronist & Ägyptologe, nach einem abenteuerlichen Leben, an einem nebligen Sonntag, den 28. November 1596 seine ewige Ruhe fand.