Mahnmal für Opfer der Nazis in Baden

Gemeinderat gibt grünes Licht für das Projekt „Counterpoles“ am Josefsplatz. Kosten: Rund 80.000 Euro.

Stefan Jedlicka
Stefan Jedlicka Erstellt am 22. November 2016 | 05:00
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Kranzniederlegung vor der Badener Synagoge
Mit der Kranzniederlegung vor der Badener Synagoge gedachten Stadtgemeinde und jüdische Gemeinde des Novemberpogroms der Nationalsozialisten im Jahr 1938. Hermine Salamon-Müller sprach in Vertretung von Präsident Elie Rosen einleitende Worte. Auch Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP), SPÖ-Vorsitzender Markus Riedmayer und die Stadträtinnen Maria Wieser und Gerlinde Brendinger (SPÖ) sowie Kulturamtsleiter Hans Gerd Ramacher nahmen an der Veranstaltung im Zentrum für Interkulturelle Begegnung teil.
Foto: PSB/ Steinberger

Gearbeitet wurde an dem Projekt seit rund drei Jahren. Am Dienstag gab der Gemeinderat grünes Licht für die Errichtung eines Mahnmals, das an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes in Baden erinnern soll. Rund 2.400 Mitglieder der jüdischen Gemeinde seien es gewesen, erinnerte Kultur-Stadtrat Hans Hornyik (VP) sowie etwa 150 weitere, die aus unterschiedlichen Gründen verschleppt und ermordet wurden.

Spendenkonto eingerichtet

Das Projekt „Counterpoles/ Widerstäbe“ soll im Bereich zwischen Frauengasse, Arnulf-Rainer-Museum und Josefsplatz im kommenden Jahr entstehen: Aus dem Boden ragende Pfeiler, die Bruchstücke eines imaginären, über dem Josefsplatz schwebenden Davidssterns darstellen sollen, der zerschlagen wurde. Die Finanzierung des rund 80.000 Euro teuren Mahnmals übernehmen die Stadtgemeinde (30.000 Euro), die NÖ Landesregierung (30.000 Euro), der Zukunftsfonds und der Nationalfonds der Republik Österreich.

Zusätzlich wird ein Spendenkonto für Bürger sowie Unternehmen eingerichtet, die sich beteiligen möchten. 24.000 Euro erhält Künstler Peter Kozek für den Entwurf des Mahnmals, 12.000 Euro Architekt Florin Sammer für die Umsetzung. Der Rest entfällt auf Baumeister- und Schlosserarbeiten.

Der Entwurf war im Rahmen eines geladenen künstlerischen Wettbewerbs von einer Jury aus Experten des Landes NÖ, Mitgliedern der dazu in Baden gegründeten Arbeitsgruppe sowie dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Baden, Elie Rosen, ausgewählt worden.

"Mehr als Gedenkstätte"

Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne) zum Beschluss: „Dank des Zusammenwirkens vieler Institutionen und vor allem der seit 2013 aktiven zivilgesellschaftlichen Arbeitsgruppe setzt Baden ein historisches Zeichen. Dieses Projekt soll mehr sein als eine Gedenkstätte. Es soll ein sichtbares Zeichen sein für eine Zukunft, in der Diskriminierung, Hass und Gewalt keinen Platz haben.“

Dass durch den symbolischen Davidsstern die Opfer der jüdischen Gemeinde besonders explizit hervorgehoben werden, rechtfertigte Hornyik: „Es ist ein angemessenes Mahnmal zur Erinnerung an alle Opfer des Nationalsozialismus. Dies sind alle Personen, die aus rassistischen oder politischen Motiven, aufgrund geistiger oder körperlicher Behinderung, wegen ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt, beraubt, vertrieben oder ermordet wurden. Im Hinblick auf die besondere Bedeutung der Jüdischen Gemeinde Badens hat das Mahnmal jedoch sowohl die qualitative, als auch die quantitative Dimension der Verfolgung eindeutig auszuweisen.“

Umfrage beendet

  • Mahnmal für Opfer der Russen in Baden?