Wirbel um Bauprojekt in Pottendorf

Erstellt am 27. Mai 2022 | 05:27
Lesezeit: 4 Min
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SPÖ-Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner mit dem Entwicklungskonzept.
Foto: Lenger
ÖVP kritisiert Pläne für neuen Stadtteil, die mit Stimmen von SPÖ, FPÖ und Forum Pottendorf beschlossen wurden.
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In der Gemeinderatssitzung wurde mit den Stimmen der SPÖ, der FPÖ und des Forum Pottendorf ein Grundsatzbeschluss zu einem umfangreichen Infrastruktur- und Wohnungsentwicklungsprojekt in der Wiener Neustädterstraße (B60) beschlossen.

Geplant ist ein Supermarkt (Billa Plus) sowie zwei weitere Kreisverkehre, die zur Verkehrsberuhigung beitragen sollen. Zusätzlich soll ein Radweg die Verkehrssicherheit erhöhen. Zudem ist eine Schrebergartensiedlung mit 120 Kleingärten an der B60 geplant. Am Ortsende soll auf über 28.000 Quadratmetern ein neuer Sportplatz mit Spiel- und Trainingsplatz, sowie weiteren sportlichen Flächen, welche von allen genutzt werden können, entstehen.

Die notwendigen Grundflächen werden vom Projektwerber kostenlos an die Gemeinde abgetreten. Ein Kreisverkehr wird auf seine Kosten entstehen und eine Fläche für einen Kindergarten zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug werden knapp 55.000 Quadratmeter für 590 Wohneinheiten umgewidmet, die vom Projektwerber an eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft im Baurechtsvertrag verpachtet wird.

„Wir sagen Nein zu einem neuen Ortsteil in dieser Größe und ohne vorhergehende Diskussion“

„Wir sagen Nein zu einem neuen Ortsteil in dieser Größe und ohne vorhergehende Diskussion“, poltert die ÖVP. „Hier wurde in den letzten Monaten ohne Einbindung der Öffentlichkeit - von Bürgermeister, Architekt, Genossenschaft und Grundbesitzer ein Projekt entwickelt, das weitreichende Folgen für den Ort Pottendorf sowie Wampersdorf haben wird“, kritisiert die Volkspartei, die das Projekt Anfang Mai im Ausschuss das erste Mal sah. „Eine Satellitenstadt mit rund 590 Genossenschaftswohnungen in einer fantasielosen Blockbausiedlung soll hier entstehen. Ein Zuzug von ca. 1.500 Einwohnern, über den normalen Zuzug hinaus, wird bewusst neu geplant“, so die ÖVP. SPÖ-Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner sagt dazu: „Wir haben das Wohnungsprojekt auf 15 Jahre ausgelegt und es kommt so zu einem jährlichen Zuzug von 100 bis 150 Personen. Das ist eine Anzahl, die wir als Ort auch brauchen“.

„Baugrund wird weggenommen“

Weiterer Kritikpunkt der ÖVP ist der Umstand, dass für das neue Bauland Flächen, die in Wampersdorf als Bauland-Aufschließungszone vorgesehen sind, wieder zurückgewidmet werden. „Über 100.000m² wertvolles Ackerland für die Nahrungsmittelproduktion werden unbrauchbar gemacht! Und das in Zeiten, in denen es mehr als deutlich wird, dass es notwendig ist, unabhängiger von Importen zu sein. Um das Projekt durchziehen zu dürfen, muss anderswo eine bereits gewidmete Bauland-Aufschließungszone rückgewidmet werden! Zukünftiger Baugrund wird den Wampersdorfern weggenommen“, heißt es in der Aussendung.

„Wir sind selbstverständlich gesprächsbereit, welche Flächen rückgewidmet werden und auch für andere kreative Lösungen offen“, entgegnet Bürgermeister Sabbata-Valteiner. „Das war ein Grundsatzbeschluss und jetzt wird im zuständigen Ausschuss über alle Details nachgedacht“, zeigt sich der Bürgermeister kooperativ.

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Skizze des neuen Wohnbauprojekts.
Foto: zVg

„Natürlich begrüßen wir die Ansiedelung des Billa Plus und freuen uns, dass es dieses Angebot, sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze in Pottendorf geben wird! Genauso sagen wir auch Ja zur Errichtung einer modernen Sportanlage oder Sanierung der bestehenden“, meint die ÖVP, welche in der Gemeinderatssitzung eine nochmalige Besprechung zur Verkleinerung des Projektes forderte, sodass keine Umwidmung von Privatbesitz in Wampersdorf nötig ist. Das wurde mit den Stimmen der SPÖ (14), FPÖ (1) und dem Forum Pottendorf (1) 16:12 abgelehnt.

2023 soll der Supermarkt und der erste Kreisverkehr errichtet werden. 2024/25 folgen dann der zweite Kreisverkehr, die Kleingartensiedlung sowie das Sportzentrum. Das Wohnungsprojekt soll in 15 Jahren realisiert werden.

Am ehemaligen Sportplatz im Zentrum von Pottendorf soll übrigens nicht gebaut werden. „Der Bereich soll zum einen als öffentliche Fläche mit einem Jugendzentrum und einem Spielfeld dienen, zum anderen soll die daneben liegende Kleingartenanlage erweitert werden“, sagt der Bürgermeister.

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