AK-Bezirksstelle Baden: Urlaub als Problem

Erstellt am 23. September 2022 | 05:08
Lesezeit: 3 Min
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Danja Wanner und Horst Pammer freuen sich, dass durch das Engagement der Arbeiterkammer über 2,5 Millionen Euro für die Arbeitnehmer erreicht werden konnten.
Foto: Fussi
Arbeiterkammer erreichte Nachzahlung von mehr als 7.300 Euro nach fingierter „Einvernehmlicher“.
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Für die Mitarbeiter der AK-Bezirksstelle Baden war das erste Halbjahr betriebsam. „Mehr als 11.000 Menschen haben mit uns Kontakt aufgenommen“, weiß Bezirksstellenleiterin Danja Wanner. „Dabei ging es manchmal lediglich um rasche Auskünfte zu Kurzarbeit, einvernehmlicher Auflösung, Kündigung, Quarantänebestimmungen, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung“, so Wanner.

„Gerade die aktuelle Krise macht deutlich, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind“

In mehr als 4.600 Fällen benötigten die Menschen hingegen weiterführende Unterstützung der AK. „Gerade die aktuelle Krise macht deutlich, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind“, zieht Wanner Bilanz. Insgesamt hat die Bezirksstelle Baden heuer mehr als 2,5 Millionen Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert. „Ohne unsere Beratung und Rechtsvertretung wären die meisten Betroffenen nicht zu ihrem Geld gekommen“, betont der Vizepräsident der AK Niederösterreich, Horst Pammer. Auffällig waren zahlreiche Probleme rund um das Thema Urlaub. So verabsäumten zahlreiche Arbeitgeber, nach Ende des Arbeitsverhältnisses, noch offenen Urlaub auszubezahlen.

„Urlaubsverbrauch ist grundsätzlich Vereinbarungssache.“

„Die Fälle zeigen, dass es ganz wichtig ist, dass Arbeitnehmer über den Urlaub genauso Aufzeichnungen führen wie über die normale Arbeitszeit“, sagt Pammer und rät: „Urlaubsverbrauch ist grundsätzlich Vereinbarungssache.“ Der Arbeitgeber sei aber verpflichtet, Urlaub zu ermöglichen. Die AK fordert zudem die sechste Urlaubswoche für Beschäftigte mit mehr als 25 Arbeitsjahren, egal bei wie vielen Arbeitgebern sie waren.

Einen konkreten Fall in Baden nannte Bezirkschefin Wanner. Ein zeitgerecht vereinbarter Urlaub sollte auf Wunsch des Dienstgebers wegen Unabkömmlichkeit kurzfristig abgesagt werden. Die betroffene Dienstnehmerin einer Supermarkt-Filiale hatte jedoch bereits gebucht und trat den Urlaub planmäßig an. Als sie danach zurückkehrte, erfuhr sie, dass sie ihr Chef am letzten Tag vor Urlaubsantritt von der Gesundheitskasse abgemeldet hatte mit dem Verweis, es handle sich um eine einvernehmliche Dienstauflösung. Die Frau fiel aus allen Wolken. Sie hatte niemals eine Einvernehmliche unterschrieben und wandte sich daher an die AK Baden. Doch das Unternehmen wollte nicht einlenken.

„Der Dienstgeber konnte jedoch nicht nachweisen, dass es tatsächlich eine einvernehmliche Auflösung war. Damit wurden alle Ansprüche einer Dienstgeber-Kündigung schlagend inklusive fälliger Kündigungsentschädigung und Begleichung der aliquoten Sonderzahlungen“, so Wanner. Abzüglich bereits bezahlter 947 Euro netto musste das Unternehmen dann 7.335 Euro brutto nachzahlen.

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