Späte Zustellung: Känguru-Baby kämpft ums Überleben

Känguru-Baby kämpft ums Überleben und braucht Spezialmilch. Aufregung über verspätete DPD-Lieferung.

Markus Wöhrer Erstellt am 07. August 2021 | 05:01
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Harzberg-Hund Keks kümmert sich liebevoll um Känguru-Baby Ferdinand.
Foto: privat

In der Kängurufarm am Harzberg werden Parma-Kängurus groß gezogen. Eine beinahe ausgestorbene Art auf der roten Liste mit wenigen Tausend Exemplaren weltweit. Sie zählen zu den kleinsten Kängurus mit einer Körpergröße von maximal 40 cm. Die Tiere benötigen ein Spezialfutter, das für sie in Holland produziert wird und zeitgenau angeliefert werden muss.

Verspätung kann lebensbedrohlich sein

Verzweifelt warteten Wolfgang und Monika Zamazal vorige Woche auf die Lieferung aus Holland und erhielten keine Nachricht über den Verbleib. Erst durch Druck und Hartnäckigkeit traf die Lieferung verspätet, aber doch ein.

„Lebensbedrohlich wird eine zeitverzögerte Lieferung für Känguru-Babys, die ihre Mutter verloren haben und daher in einem Ersatzbeutel mit der Flasche aufgezogen werden und dafür sehr kurzfristig produzierte Ersatz-Muttermilch benötigen. Wir haben gerade zwei kleine Känguru-Babys, die auf Ersatzmilch angewiesen sind.

Wir haben mehr als 50 Beschwerden an DPD geschickt, weil Lieferungen nicht ordnungsgemäß zugestellt werden“, ärgern sich Wolfgang und Monika Zamazal, Betreiber der Kängurufarm am Harzberg in Bad Vöslau. „Die Geschäftsführung von DPD hat bestätigt, dass eine Verpflichtung zur Zustellung besteht, doch weiterhin werden die Pakete ohne Benachrichtigung nicht oder sehr verspätet angeliefert! Wir mussten die vorhandene Milch bereits rationieren und hoffen, dass dies zu keinem Schaden oder sogar dem Tod der kleinen Beuteltiere führen wird“, führt Zamazal aus.

Lebenswichtige Milch woanders hinterlegt

Auf Nachfrage des Absenders in Holland über den Verbleib der so dringend benötigten Kängurumilch musste dieser erfahren, dass vonseiten DPD kein Zustellversuch unternommen wurde und die lebenswichtige Milch angeblich woanders hinterlegt wurde. „Ich verstehe nicht, warum es alle anderen Zustelldienste schaffen, ordentlich Lieferungen zuzustellen,“ fragt sich Zamazal.

Die Kängurufarm am Harzberg sei nicht der einzige Empfänger, der über DPD klagt. „Es muss doch irgendwie möglich sein, auch DPD für die ordnungsgemäße Zustellung von Sendungen, für die sogar in den Beförderungsbedingungen garantiert wird, zu verpflichten. „Gefährlich wird die Ignoranz des Unternehmens, wenn dabei möglicherweise Leben gefährdet wird!“, zeigt sich Zamazal erzürnt über die Vorkommnisse.

DPD bot "rasche und unbürokratische Lösung"

Bei DPD bedauert man, dass Wolfgang Zamazal mit der Zustellung nicht zufrieden war. "Die Zufriedenheit unserer Versand- bzw. Empfangskunden ist uns sehr wichtig. Deshalb ist es uns ein Anliegen zu den in der NÖN veröffentlichten Vorwürfen Stellung zu nehmen und diese richtig zu stellen", schreibt Sandra Reichl, Leitung Marketing & Kommunikation.

Sie betont, dass ein fixer Zustelltag bzw. eine Terminzustellung für die Paketlieferung zu definieren  nicht möglich sei und vom DPD-Versandkunden in Holland (dem Absender des Pakets, Anm.) auch nicht beauftragt. worden sei. "Aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des Gewichtes konnte das eingesetzte Lieferfahrzeug den Forstweg zum Schutzhaus beim ersten Zustellversuch nicht passieren.", erklärt Reichl. 

Eine erneute Zustellung wurde eingeleitet und mit einem alternativen Fahrzeug durchgeführt. Das Paket wurde laut Reichl am Freitag,  30. Juli 2021 am Vormittag an das Schutzhaus am Harzberg übergeben. "Es ist nicht richtig, dass die Sendung an einem anderen Ort hinterlegt wurde. Uns ist der genaue Inhalt der Pakete, die wir zur Zustellung von unseren Versandkunden erhalten, nicht bekannt und wir sind auch nicht autorisiert, Pakete unserer Kunden zu öffnen. Bei mehr als 400.000 Paketen, die wir täglich bewegen, wäre dies in der Praxis auch nicht möglich.", betont die DPD-Sprecherin.

Darum habe man Zamazal für diesen speziellen Fall angeboten, "künftige Bestellungen, die er bei diesem Versender tätigt, über die Paketnummer parallel auch uns anzukündigen, damit wir das entsprechende Paket gegebenenfalls aus dem Standardprozess herausnehmen und gesondert zustellen können." Nicht nachvollziehen könne man auch die im Artikel genannte Anzahl von 50 Beschwerden. "Laut unseren Systemaufzeichnungen gab es seit Jahresbeginn insgesamt zwei Kontaktaufnahmen durch Herrn Zamazal, jedoch ersuchen wir um allfällige Übermittlung, falls diese vorliegen, um dem intern umgehend nachgehen zu können Wir verstehen die Emotion von Herrn Zamazal und die Sorge um die Tiere. Deshalb haben wir auch umgehend reagiert und mit der Sonderfahrt eine individuelle, rasche und unbürokratische Lösung geboten", konkretisiert Sandra Reichl.