Protest gegen Hühner-Mast. Aufstand der Bürger gegen geplante Hühnermastanstalt mit 39.900 Tieren. Anrainer kämpfen um frische Luft und sauberes Wasser.

Von Elfi Holzinger. Erstellt am 24. März 2021 (05:55)
Haben Angst um ihr Trinkwasser: Josef Pichler, Gertraud Brandstätter, Anton Hejna, Brigitte Dörner, Edith Palme und Andrea Lehner.
Holzinger.Presse

Steinhof gehört zu einem Teil zur Marktgemeinde Hernstein und zum anderen Teil zur Stadtgemeinde Berndorf. Zurzeit ist Aufruhr in der kleinen Ortschaft, weil im benachbarten Pöllau eine Hühnermastanstalt mit 39.000 Tieren Einzug halten soll. Mit einer Unterschriftenliste wehren sich die Bewohner gegen die geplante Tierfabrik der Firma Zaloznik GmbH, allen voran Alexander Brandstätter und Andrea Lehner, die sogar einen Rechtsanwalt eingeschaltet haben.

Befürchtet werden zusätzliche Emissionen, Geruch-, sowie Lärm und Abgase durch einen weiteren erforderlichen Lkw-Verkehr und vor allem, dass der Hühnermist durch den porösen Kalkstein über das Grundwasser in die Quelle gelangen könnte und so die Trinkwasserversorgung für über 150.000 Einwohner des Versorgungsgebietes des Wasserleitungsverbandes der Triestingtal- und Südbahngemeinde gefährdet sei.

Bestürzung herrscht darüber, dass ein derartiges Bauvorhaben in sensibler Lage am Rand des Quellenschutzgebiets ohne Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt werde. Darüber hinaus wird eine Wertminderung der Liegenschaften befürchtet. Einer der Betroffenen ist auch Schauspieler, Autor und Moderator Günter Tolar. Er stellt klar: „Mir geht es hauptsächlich um den Tierschutz. Die Tiere werden nach der Mästung auf engsten Raum maschinell in Transportkisten geladen und fast jedem Huhn dabei bei lebendigen Leib durch gewaltsamen Einschub die Flügel gebrochen. Auch mache ich mir große Sorgen um die Trinkwasserqualität. Ich habe mich wirklich genau erkundigt, und fast bei allen solcher Mastbetriebe ist es bereits vorgekommen, dass das Trinkwasser beeinträchtigt worden ist. Nicht mit Absicht, aber z.B. nach einem Hochwasser. Ich finde es sehr bedenklich, dass man solche Tierfabriken heute noch genehmigt“.

Die Hernsteiner Bürgermeisterin Michaela Schneidhofer (ÖVP) beruhigt: „Die Familie Zaloznik, die seit Jahrzehnten in Pöllau einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, ist an die Marktgemeinde Hernstein mit dem Wunsch herangetreten, einen Masthuhnstall zu errichten. Es handelt sich dabei um einen konventionellen Betrieb, der den Anforderungen des AMA Gütesiegels entspricht.“

Sämtliche Gutachten wurden erbracht

Nachdem ihr bewusst sei, dass es seitens der Bevölkerung Bedenken geben werde, habe man alles genau geprüft. Bei der Besichtigung einer ähnlichen Masthuhnanstalt konnte sie mit Vizebürgermeister Hubert Karl feststellen, dass der Hühnermist mit einem eigenen neuen Verfahren direkt im Stall über einer Bodenheizung getrocknet und dann entweder als Dünger in den Boden eingebracht, oder gepresst und verkauft wird.

„Wir haben diesen getrockneten Mist sowohl im Stall als auch am Misthaufen in der Hand haltend gerochen und konnten selbst dabei keine merkbare Geruchsbelästigung feststellen“, erklärt Schneidhofer. Sämtliche eingeholte Gutachten brachten laut der Ortschefin „ein positives Ergebnis“. Zudem sei das Projekt von der Bezirkshauptmannschaft Baden in einem wasserrechtlichen Verfahren bewilligt worden. Schneidhofer betont: „Ich bin verpflichtet, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und auf Grundlage der Gutachten zu entscheiden.“

Die Lkw-Belastung werde sich innerhalb von 8 Wochen auf ca. 10 Lkw belaufen. „Mir liegt auch das Tierwohl sehr am Herzen und natürlich haben es die Tiere auf einer Wiese am schönsten. Ich hoffe aber, dass trotz aller unterschiedlichen Meinungen ein friedliches Miteinander gelebt werden kann“, meint die Bürgermeisterin.

Kein Problem bei artgleicher Anlage

Die Gemeinde Ruprechtshofen (Bezirk Melk) hat bereits eine artgleiche Hühnermastanstalt und der dortige Bürgermeister Leopold Gruber-Doberer (ÖVP) versichert, dass es weder eine Geruchsbelästigung gebe noch ein wasser- oder tierschutzrechtliches Problem durch die Anlage entstanden sei.

Da Steinhof auch zu Berndorf gehört, wurde auch dem Berndorfer ÖVP-Bürgermeister Franz Rumpler die Petition übergeben: „Ich nehme die Bedenken der Bevölkerung von Steinhof sehr ernst. Die Stadtgemeinde Berndorf hat aber im laufenden (Bau)-Verfahren keine Parteienstellung“, erklärt Rumpler. Er sei mit Bürgermeisterin Schneidhofer laufend in Kontakt und „ich bin mir sicher, dass sie das Bauverfahren unter Einbindung aller erforderlichen Gutachten korrekt abwickelt und dabei die Fragen der Bevölkerung berücksichtigt“, betont er.

Keine maschinelle „Tierabfüllanlage“

Die Familie Zaloznik betont, die Sorgen und Ängste der Anrainer zu verstehen, könne sie aber entkräften: „Es gibt sehr strenge Auflagen bei so einem Vorhaben, die wir allesamt punktgenau einhalten werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung braucht man erst ab 65.000 Tieren. Das alleine ist ein Zeichen, dass man dahingehend bei 39.000 Tieren nichts zu befürchten hat.“ Auch versichere man, sich „um die Tiere mit besten Wissen und Gewissen“ zu kümmern.

„Es wird ein BTS-Betrieb, das heißt ein besonders tierfreundliches Stallsystem.“ Es gebe bei ihnen auch „keine maschinelle ‚Abfüllung‘ der Tiere“. „Keinem einzigen Huhn wird bei uns ein Flügel gebrochen, bei uns wird alles händisch gemacht und das käme ja auch für uns persönlich niemals in Frage.“ Da der Mist zu Dünger verarbeitet werde, könne es auch „zu keiner Geruchsbelästigung kommen“, erklärt die Familie.

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