Musik lässt im Naturschutz-Gebiet die Reben erzittern. Bei welchen Aktivitäten mit Lautsprechern verstärkte Klänge erlaubt sind, entscheidet im Einzelfall der Bürgermeister.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. Januar 2021 (05:07)
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Heurigenbetriebe, die einen Stand in den Weingärten betreiben dürfen, nutzen auch die Möglichkeit, bei Veranstaltungen Musik abzuspielen, die elektronisch verstärkt wird. Auch über den Beginn der Nachtruhe mit 22 Uhr weit hinaus.

Wiederholte Beschwerden von Anrainern diesbezüglich machten es auch für den Pfaffstättner Gemeinderat nötig, sich mit dieser Sache auseinanderzusetzen.

„De facto handelt es sich um ein übergreifendes Thema, das die Bereiche Weinbau, Tourismus, Natur- und Landschaftsschutz betrifft.“Grünen-Gemeinderätin Elisabeth Rigler

Ortschef Christoph Kainz, ÖVP, brachte eine Resolution in den Gemeinderat ein, mit dem Inhalt, elektronisch verstärkte Musik und/oder der Durchführung sonstiger lärmerregender Freizeitaktivitäten im Gründlandbereich von Pfaffstätten weitestgehend einzuschränken.

Grünen-Obfrau Elisabeth Rigler.
privat

Grünen-Gemeinderätin Elisabeth Rigler erklärt: „Auch uns haben Anrainer kontaktiert, die mit der Situation nicht glücklich sind. Die Resolution beruft sich dabei darauf, dass sich die Lokale im Natura 2000 Netzwerk befinden und laute Musik den Schutzrichtlinien widersprechen. Im Einzelfall könnten Veranstaltungen, die im öffentlichen Interesse Pfaffstättens liegen, von der Regelung ausgenommen werden. Die Entscheidung darüber würde der Bürgermeister treffen.“

Und genau das sagt den Grünen nicht zu, denn Rigler ist überzeugt: „De facto handelt es sich um ein übergreifendes Thema, das die Bereiche Weinbau, Tourismus, Natur- und Landschaftsschutz betrifft. Wir Grünen Pfaffstätten haben einen Gegenantrag eingebracht mit dem Ziel, die unterschiedlichen Stakeholder an einen Tisch zu holen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Vorstellbar wäre beispielsweise eine Begrenzung der Lautstärke, der Häufigkeit sowie der Veranstaltungszeit.“

Daraufhin stellte die ÖVP einen Abänderungsantrag, keine Resolution, sondern ein Regelwerk zu erstellen. Dieser Abänderungsantrag wurde angenommen, die Idee der Grünen war damit vom Tisch.

Ortschef: Interessensausgleich schaffen

Kainz sieht das Problem mit den Anrainerbeschwerden vor allem im Zusammenhang mit der Genussmeile. Auch die diversen Lockdowns hätte dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen die Natur gestürmt haben.

Bürgermeister Christoph Kainz, ÖVP
privat

Doch Kainz betont: „Die Betreiber der Ausschankhütten haben alle meine volle Unterstützung. Es geht hier darum, einen Interessensausgleich zu schaffen zwischen dem Respekt vor dem Natura 2000 Gebiet und den Bedürfnissen der Ausschankhüttenbetreiber und aller, die Erholung und Genuss in den Weinbergen suchen.“

Weinbauvereinsobmann Wolfgang Breyer steht hinter der Resolution. Er will faire Bedingungen für die Heurigenwirte im Ort und jene, „die eine Ausschank im Grünen betreiben, weil sie im Ort keine Möglichkeit haben, auszustecken“, sagt Breyer.

Im Gemeindegebiet müssten sich die Heurigenwirte peinlichst genau an alle Vorgaben halten, im Grünland sei eine gewisse Lockerheit, auch Pandemie bedingt, eingetreten. „Wir stehen hinter der Resolution, wissen aber auch, dass sie kein verbindliches Rechtsinstrument ist. Wir appellieren an die Ausschankbetreiber, sich an die Spielregeln zu halten. Auch im Sinne des Naturschutzes im Natura 2000 Gebiet.“

Umfrage beendet

  • Ist es notwendig, genau festzulegen, zu welchen Zeiten und bei welchen Events Heurigenbetriebe in den Weingärten elektronisch verstärkte Musik spielen dürfen?