In Oeynhausen setzt man auf Sprossen und Tofu. Die „Evergreen Agrarprodukte GmbH“ setzt auf die Kraft von Bohnen und Keimlingen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 13. Oktober 2019 (03:24)
Tofu schmeckt auch in Kombination mit Reis, verpackt und gegart in Bambusblättern, sehr lecker.
NOEN

Wenn Hans in dem gleichnamigen Märchen „Hans und die Bohnenranke“ die fünf magischen Bohnen in die Erde gibt, dann ist am nächsten Tag eine riesengroße Bohnenranke gesprossen, einer Himmelsleiter gleich.

Sie ist so kräftig, dass Hans ganz leicht an ihr hochklettern kann und in das Reich des Riesens gelangt.

Die Kraft der Mung-Bohne nutzen Ming-Shin Chu und sein Sohn Martin, um Keimlinge zu produzieren, die heiß begehrt von der Gastronomie und vom Lebensmitteleinzelhandel sind. Im Handel hielt sich hartnäckig und jahrelang die Bezeichnung „Soja-Sprossen“ für Mung-Bohnen-Keimlinge, aber wer in einem Restaurant Soja-Sprossen auf den Teller bekommt, isst zu 99 Prozent Keimlinge der Mung-Bohne.

In der eigenen Produktionsstätte an der B17 rankenen sich die Keimlinge nur aus eigener Kraft und unter beständiger Zugabe durch Wasser und einer kontrolliert-hohen Luftfeuchtigkeit hoch, das passiert blitzschnell, fast wie im Märchen.

Als Ming Shin Chu Ende der 1970er Jahre von Taiwan in den Bezirk Baden kam und in der Stadt Baden ein chinesisches Restaurant eröffnete, war er auf der Suche nach Sprossen und Keimlingen für die traditionelle taiwanesische Küche. Die gab es in Österreich aber nicht, also begann Firmengründer Ming-Shin, diese selbst zu produzieren.

Mittlerweile ist Sohn Martin Chu mit im Betrieb. Er ist in Österreich geboren, war in seiner Kindheit aber oft in Vietnam. Hier entdeckte er auch das wundervolle Essen der taiwanesische Garküchen, deren wichtigste Zutat Tofu ist. Seit 2003 wird in Oeyenhausen auch Tofu erzeugt, ganz nach der Methode, wie er in Taiwan jeden Tag frisch erzeugt und auf den Märkten angeboten wird.

Martin Chu erzählt: Für die Konsumenten aus Österreich ist eine gute Bissfestigkeit wichtig, weil Tofu in Österreich gerne als Fleischersatz auf den Teller kommt.“ Das sei eigentlich Schade, denn Tofu wird in Taiwan in unendlich vielen Kombinationen auf den Tisch gebracht. Warm, kalt, als Salat, als Beigabe zu Fleisch, um damit Teigtaschen zu füllen, um nur einige Beispiele zu nennen. Außerdem ist Tofu gesund. In Asien ist Brustkrebs fast gänzlich unbekannt, das wird vor allem auf die Ernährung mit viel Fisch und Tofu zurückgeführt.