"Häfen" ohne Drogen. Justizanstalt Hirtenberg / Der neue Leiter des Gefängnisses, Brigadier Alfred Steinacher, will drogenfreie Zone einrichten.

Von Gerhard Lorenz. Erstellt am 23. Juli 2014 (08:01)
NOEN, Gerhard Lorenz
Brigadier Alfred Steinacher ist seit 1. Juli Leiter der Justizanstalt Hirtenberg.
31 Jahre seines Lebens verbrachte Alfred Steinacher in den verschiedensten Gefängnissen. „Habe auch schon Haftanstalten in Albanien und Australien gesehen!“ Jetzt, am 1. Juli kam er in die Justizanstalt Hirtenberg zurück – als Leiter und im Rang eines Brigadiers.

„Ich war von 1984 bis 2005 hier in Hirtenberg tätig“, erzählt Steinacher. Dann arbeitete er im Ministerkabinett und ab 2010 leitete Steinacher die Haftanstalt Favoriten in Wien.

Ist die Justizanstalt Favoriten die zentrale Haftanstalt für Drogenentzug in Österreich, so sitzen in Hirtenberg Gefangene mit einer Haftstrafe von mindestens 18 Monaten ein. Es sind durchaus auch „prominente“ Häftlinge unter den 416 Insassen, da wären Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, die beiden Ex-Hypo-Vorstände, oder Gottfried Küssel, eine Schlüsselfigur der Neonazi-Szene.

„Die Insassen sind zur Arbeit gesetzlich verpflichtet“

Von den 416 Gefangenen sind 166 österreichische Staatsbürger. Betreut und bewacht werden sie von 149 Bediensteten. „Die Insassen sind zur Arbeit gesetzlich verpflichtet“, erklärt der Anstaltsleiter. „Deshalb haben wir auch hier im Gelände 16 Betriebe eingerichtet.“ Da verbringen die Gefangenen eine ganz „normale“ Arbeitswoche.

„Viele haben keine Lehre absolviert und erfahren erst hier eine Ausbildung. Es ist oft ergreifend, wenn Gefangene stolz darauf sind, dass sie das erste Mal in ihrem Leben etwas Positives selbst geschaffen haben.“

Also funktioniert hier die Resozialisierung? „Das ist nicht so einfach, der Mensch muss einmal sozial gewesen sein, um resozialisiert werden zu können“, meint Steinacher und fügt an: „Im Gefängnis ist es wie im Lotto – alles ist möglich.“

"Wer auf Drogen verzichtet, bekommet mehr Freiheiten."

Steinacher will Hirtenberg zur „drogenfreien Zone“ machen. „Es soll ganz pädagogisch ablaufen. Wer etwas erreichen will, muss bereit sein, etwas dafür zu tun.“ Er will mit den Insassen ein Abkommen treffen. „Wer auf Drogen verzichtet, bekommet mehr Freiheiten. Natürlich im Rahmen des Gesetzes.“