Brennholz für Wien aus Klausen-Leopoldsdorf

Erstellt am 10. Juni 2022 | 05:16
Lesezeit: 3 Min
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Horst Schmid, Verfasser der Chronik von Klausen-Leopoldsdorf und Bürgermeister Manfred Krombholz im Triftmuseum. Dieses wurde 2005 vom Dorferneuerungsverein mit vielen Fotos und Exponaten eingerichtet. Es ist von April bis Oktober an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 - 16 Uhr geöffnet.
Foto: Museum
Die Holztriftanlage war von 1667 bis 1939 durchgehend in Betrieb. Dank ihr entstand Klausen-Leopoldsdorf.
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Unter dem Patronat von Kaiser Leopold I wurde 1667 im „lnneren Wienerwald“ die Errichtung einer Holz-Schwemmanlage genehmigt. Aufgabe war die kostengünstige Beförderung von Brennholz-Scheitern mit der Kraft des Wassers über die Schwechat nach Baden. Für Brennholz-Transporte geeignete Straßen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden, so wurde die Stadt Wien mit Brennholz aus den kaiserlichen Wäldern versorgt.

Mit der Errichtung der Holztriftanlage und der geplanten Waldnutzung ergab sich ein großer Bedarf an Holzknechten, welche ausschließlich aus dem Salzkammergut angefordert wurden. Es wurden ihnen Bauplätze und Bauholz für die Errichtung ihrer Holzhütten zugewiesen. Die großzügigen Grundstücke erlaubten die Anlage von Obst- und Gemüsegärten und die Haltung von Nutztieren. Es entstand eine kleine Siedlung, welche den Namen ,,ln der Claußen zu Leopoldtsdorff“ erhielt. Mit dem weiteren Ausbau wurde der Name auf „Leopotdtsdorff in den Claußen“ geändert.

Der heutige Ortsname Klausen-Leopoldsdorf blieb den einstigen Bezeichnungen weitgehend treu. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren durchgehend etwa 200 Holzknechte in Klausen-Leopoldsdorf beschäftigt. Mit zunehmender Mechanisierung bei der Waldnutzung nahm ihre Zahl ab. Die Holztriftanlage wurde bis 1760 auf einen Bestand von 14 Klausen erweitert. Das Stauvermögen der Klausen betrug etwa 250.000 m³ und die Triftbachlänge 104 km. Die Holztriftanlage war von 1667 bis 1939 durchgehend in Betrieb. ln dieser Zeit wurden an die 10 Millionen Raumfestmeter Scheiter-Brennholz mit der Kraft des Wassers nach Baden getriftet. Die größte Jahrestriftmenge wurde 1720 mit 100.000 Raumfestmetern erreicht. Und das in einer Zeit, wo noch keine Sägen verwendet wurden, sondern die Bäume mit der Axt gefällt und auf Scheiterlänge zerteilt wurden.

Holztransport erfolgte auch auf Neustädter Kanal

Von 1803 bis 1850 war der Brennholztransport auf dem Wiener Neustädter Kanal möglich. Die Transportschiffe hatten eine Ladekapazität von 30 Tonnen und wurden jeweils von einem Pferd bis zum Wiener Hafen des Kanals gezogen. Von dort wurde das Holz zum kaiserlichen Brennholzstadel gebracht und an die Bevölkerung von Wien verkauft. 1870 war sogar der Bau einer Eisenbahnlinie von Baden nach Klausen-Leopoldsdorf geplant, die „Wienerwaldbahn“ wurde jedoch nicht realisiert.

Die letzte Trift auf der Schwechat fand 1939 statt.

1963 erlosch die Triftbewilligung und die meisten Klausen wurden aus rechtlichen Gründen funktionslos gemacht. Die Hauptklause, Riesenbachklause, Schöpflklause und Lengbachlklause wurden 2010 renoviert und leisten als Rückhaltebecken bei Hochwasser Schutz vor Überschwemmung.

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