Bezirk Baden: Viel mehr Kunden bei Rot Kreuz-Tafel

Erstellt am 17. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Fachbereichsleiter Verein Ulf Schillig, Zuständiger SOZIAL.Laden und Henry Laden Christoph Sanz, Teamleiterin Sozialladen Angelika Miedl und Geschäftsführer des Roten Kreuzes Baden Manfred Lang mit leeren Kisten im SOZIAL.Laden.
Foto: Simon Weiß
Menschen mit geringem Einkommen können bei der Tafel und dem SOZIAL.Laden des Roten Kreuzes Hilfe finden.
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Trotz des Regens stehen kurz vor zehn Uhr vormittags bereits einige Leute in einer Schlange vor dem Eingang des Hauses der Menschlichkeit in der Wiener Straße 68a. Seit 2019 betreibt das Rote Kreuz Baden hier die Tafel in Kooperation mit dem ORF Radio Ö3, sowie den SOZIAL.Laden und den Henry Second Hand Laden. Wer über ein geringes Einkommen verfügt, kann eine Bezugsberechtigung beantragen. Damit ist es möglich, wochentags im SOZIAL.Laden kostengünstig Lebensmittel zu erwerben, oder samstagnachmittags bei der Tafel gratis Lebensmittelspenden zu beziehen.

„Die Regale waren auch schon mal voller“, sagt Fachbereichsleiter für Vereine Ulf Schillig beim Gehen durch die Gänge. „Brot kommt heute aber noch nach“, meint die Teamleiterin der SOZIAL.Ladens Angelika Miedl. Dennoch: Die Lebensmittelspenden nahmen in letzter Zeit ab, gleichzeitig steigt jedoch aufgrund der mittlerweile deutlich spürbaren Inflation die Zahl derjenigen, die auf solche angewiesen sind. Waren es in Baden meistens zwischen 80 und 90 Menschen, welche über eine Berechtigungskarte verfügten, sind es heute 150. Ein trauriger Rekord seit des 13-jährigen Bestehens der Badener Tafel. Tendenz steigend.

Einkaufen in Würde und frei von jeglicher Scham

Die im SOZIAL.Laden erhältlichen Produkte stammen in erster Linie von diversen Supermärkten, welche diese beispielsweise aufgrund falscher Etikettierungen oder überschrittener Mindeshaltbarkeitsdaten nicht anbieten können. Das Brot wird seitens Bäckereien zur Verfügung gestellt. Was eigentlich noch gut und frisch ist, wird am nächsten Tag trotzdem nicht mehr verkauft. Im Haus der Menschlichkeit bekommt man das Kilo Brot schließlich um einen Euro, die meisten weiteren Lebensmittel kosten etwa die Hälfte wie in herkömmlichen Lebensmittelmärkten. „Das Haus war früher eine Supermarktfiliale, und dieses Gefühl sollen die Kundinnen und Kunden auch haben. Sie sollen in Würde und ohne Scham ihre Einkäufe erledigen können“, erklärt Schillig.

Dass in letzter Zeit jedoch weniger Spenden eingehen, sei unter anderem der Tatsache geschuldet, dass es in puncto Lebensmittelverschwendung ein Umdenken gäbe und nicht mehr die Menge produziert würde, wie es früher der Fall gewesen sei, so Miedl. „Außerdem rabattieren Supermärkte nun mehr und länger, um Produkte selbst günstiger zu verkaufen und nicht darauf sitzen zu bleiben“, ergänzt der Geschäftsführer des Badener Roten Kreuzes Manfred Lang.

„Wir brauchen vor allem haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Grundnahrungsmittel wie Mehl, Öl, Milch, Zucker und dergleichen“
Manfred Lang

Auch angesichts des Umstandes, dass jede Woche etwa zehn Geflüchtete aus der Ukraine zu den Kundinnen und Kunden hinzukämen, sei es gerade jetzt besonders wichtig, viele Spenden einzunehmen. „Wir brauchen vor allem haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Grundnahrungsmittel wie Mehl, Öl, Milch, Zucker und dergleichen“, konstatiert Lang. Zu diesem Zweck findet am 4. Juni beim Interspar Leobersdorf eine Spendensammelaktion des Roten Kreuzes statt. Denn auch Geldspenden werden benötigt. Um die Produkte von den Märkten abzuholen, ist das Rot Kreuz-Team nämlich auf ein einziges Auto angewiesen, welches täglich von früh bis spät im Einsatz ist. Ein zweiter Wagen würde die Effizienz steigern und dabei Unterstützung bieten, letztlich bedürftigen Menschen zu helfen.

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