Heftiger Wind gegen Leesdorfer Bauprojekt

Voller Saal bei überparteilichem Treffen mit Alpenland-Chef als Gast. Bebauungshöhe und Stellplatz-Festlegung von 0,8 im Kreuzfeuer.

Andreas Fussi
Andreas Fussi Erstellt am 26. August 2020 | 05:02
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Wie berichtet, haben Gemeinderatsbeschlüsse Ende Juni zur Abänderung der Bebauungsbestimmungen im Bereich Meixnerstraße / Kanalgasse / Dr. Julius Hahn-Straße und nördlich der Widmung „Bauland-Sondergebiet-Krankenhaus“ zu Unruhe in Leesdorf geführt. Dort plant die Baugenossenschaft Alpenland, bis zu 250 Wohnungen zu errichten.

Wegen mangelnder Information durch die Gemeinde hat sich eine überparteiliche Plattform gebildet, um die Bevölkerung so gut wie möglich zu informieren. Gemeinderat Rudi Gehrer (ÖVP) Gemeinderätin Gerlinde Brendinger (SPÖ) und Stadtrat Jowi Trenner (Bürgerliste „wir badener“) luden am Donnerstag zum Heurigen Märzweiler.

Riesen-Andrang auf Infoveranstaltung

Der Andrang war enorm. Da alle Sitzplätze rasch besetzt waren, mussten viele Interessierte abgewiesen werden. Es gab gratis Mundschutz und jeder Teilnehmer musste sich desinfizieren, außerdem wurde gebeten, sich wegen der Covid-19-Bestimmungen zu registrieren. Unter der Moderation von Alexander Blümel informierten die drei Mandatare und beantworteten Fragen der Bürger. Besonders wurden die beabsichtigten Änderungen, wie Gebäudehöhen bis 16 Meter und die Ermöglichung von fünfgeschoßigen Objekten diskutiert. „Wir brauchen kein Manhattan!“, warf eine aufgebrachte Bürgerin ein. Vor allem stieß aber die geplante Reduktion der vorgeschriebenen Pkw-Stellplätze von 1 auf 0,8 Stellplätze pro Wohnung auf Unverständnis und führte zu lautstarken Unmutsäußerungen.

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Ein voller Saal beim Heurigen Märzweiler und erhitzte Gemüter – die Infoveranstaltung ließ niemanden kalt.
Fussi

Die Kernaussage der Teilnehmer war, dass man grundsätzlich nicht gegen das Bauvorhaben sei, jedoch wegen der abgeänderten Bebauungsbestimmungen befürchte, dass dieses zu voluminös werde.

Seitens der Alpenland kam Obmann Norbert Steiner zur Veranstaltung und durfte Stellung beziehen. Er erklärte, dass „modernes Wohnen“ die Zielsetzung war, mit anfangs bis zu sieben Stockwerken im Plan, „doch das war unvorstellbar“, erklärte er. Richtung Krankenhaus kam man so auf das Konzept mit fünf Geschoßen. Einige Wohneinheiten mit 0,8 Stellplätzen zu konzipieren, sei nicht ihre Idee gewesen, teilte Steiner mit. Sein Hauptanliegen sei es, die „Pläne öffentlich zu machen“, sobald es konkret werde. Steiner sprach von 192 zu entstehenden Wohnungen.

Auf die Frage, warum gerade die Alpenland dort baue, erklärte Mitveranstalter Rudi Gehrer, dass die Baugenossenschaft die Gründe gekauft habe und sowohl Eigentümer als auch Projektbetreiber sei.

Drei Anträge der Bürger sollen in Gemeinderat

Auch Ex-Bürgermeister Kurt Staska meldete sich zu Wort, erkläre dies aber als Privatperson zu tun. „Wir wissen, wir sind nicht in Wien – bei uns hat jede Familie mehr als ein Auto, weil sie es brauchen“, er verstehe daher die Bedenken zu den 0,8 Stellplätzen. „Vielleicht kann man noch etwas erreichen“, stellte er in den Raum.

Bereits im Vorfeld wurde die Einbringung von Initiativanträgen an den Gemeinderat der Stadtgemeinde Baden überlegt. Ein Initiativantrag ist ein Recht der Bürger und zugleich die einzige Möglichkeit, Anliegen im Gemeinderat behandeln zu lassen. Der direkte Anrainer an das Großbaufeld, Boban Erovic, erklärte sich bereit, als Zustellungsbevollmächtigter der Initiative voranzugehen. Als sein Vertreter wird ihm Wolfgang Pristou zur Verfügung stehen. Es wurde beschlossen, drei Anträge einzubringen. Schon bei der Veranstaltung wurden vorbereitete Unterschriftenlisten verteilt und von zahlreichen Besuchern unterschrieben. Für die Behandlung im Gemeinderat werden etwa 300 Stimmen von in Baden wahlberechtigten Bürgern über 16 Jahren benötigt.

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Viele Info-Teilnehmer unterschrieben die Unterschriftenlisten für die Einbringung der Initiativanträge.
NOEN

Nach Einbringung der Unterstützungserklärungen im Rathaus und Prüfung der Unterschriften müssen die Anträge in der Gemeinderatssitzung behandelt werden.

Weitere Unterschriftenlisten sollen im Tennisstüberl bei der Sporthalle aufliegen.

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