Badenerinnen kippen die „Tamponsteuer“. Die Gruppe „Freche Beeren“ aus der HAK Baden kämpfte erfolgreich für eine Reduktion der Umsatzsteuer auf Hygieneprodukte.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:12)
Die Schülergruppe „Freche Beeren“ mit Professorin Heidemarie Wimmer-Holzer, Schulleiter Peter Stangler, Nationalratsabgeordneter Carmen Jeitler-Cincelli sowie ihren Mitgliedern Iadranca Latchici, Lisa-Marie Köller, Lea Wöhrer und Carina Hödl.
HAK Baden

Dass Badens Schülerinnen und Schüler Kraft und Ausdauer besitzen, haben diese bereits vielfach unter Beweis gestellt. Bestes Beispiel war die Initiative zur Senkung der Promillegrenze für Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenker, die einst vom Bundesgymnasium Biondekgasse ausging.

1997 organisierten die damalige Schulleiterin Erika Perdula und und Schulsprecherin Susi Landauer einen Schweigemarsch in Wien, nachdem sie im November drei Schulkameraden auf der Westautobahn durch einen tödlichen Autounfall verloren hatten, Schuld daran war ein schwer alkoholisierter Autolenker.

Zehn Jahre später werden die Schülerinnen und Schüler der 2ak der HAK Baden aktiv und fordern als „Freche Beeren“ eine Senkung der Umsatzsteuer auf Damenhygieneartikel. Was im Schuljahr 2017/18 begann, findet im heurigen Jahr mit 1. Jänner einen erfolgreichen Abschluss. Die Umsatzsteuer auf Damenhygieneartikel, in die Geschichte bereits als „Tamponsteuer“ eingegangen, wurde mit 1. Jänner von 20 auf 10 Prozent gesenkt.

Nationalrätin half den Schülerinnen politisch

Damit spüren die Frauen endlich eine monatliche Entlastung im Geldbörsel. Unterstützung bekamen die „Frechen Beeren“ dabei von Anfang an von Badens Nationalratsabgeordneter Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP. Sie überbrachte kurz vor Weihnachten den HAK-Schülerinnen die gute Nachricht, dass „Tampons, Binden und andere Periodenprodukte somit zu Produkten des täglichen Bedarfs wurden.“

Jeitler-Cincelli weiß aus täglicher Erfahrung: „Politik bedeutet nur allzu oft das Bohren harter Bretter. Im Zuge von Verhandlungen mit dem Koalitionspartner konnten wir nun auch das Schülerprojekt der HAK Baden und die daraus resultierende Forderung einbringen und am 10. Dezember schlussendlich im Nationalrat beschließen.“ Projektleiterin Lea Wöhrer freut sich: „Der Beschluss ist ein Zeichen der Wertschätzung. Der verminderte Steuersatz ist berechtigt, weil sich Frauen den Kauf der für sie notwendigen Menstruationsprodukte nicht aussuchen können.“ Wesentlich beteiligt am Erfolg der „Frechen Beeren“ war auch Klassenvorstand Heidemarie Wimmer-Holzer.

Die Professorin nahm mit den Mädchen an unterschiedlichen PR-wirksamen Veranstaltungen teil. Sie erzählt: „Die Jugendlichen sensibilisierten für das Thema, sammelten Unterstützungsunterschriften und verteilten am Internationalen Frauentag 2018 zweitausend Rosen in Baden und vor dem Wiener Rathaus. Während der Projektteilnahme an Schulwettbewerben wie Jugend Innovativ, dem Changemaker-Wettbewerb und dem Youth Start European Entrepreneurship Award gewannen sie weitere Unterschriften und vernetzten sich mit der Initiative #aufstehn und der „erdbeerwoche“, den Expertinnen für nachhaltige Monatshygiene.“