Stadt forciert mehr Grün auf Dächern. Baden führt Förderung für Begrünungen ein. Insektenschützer & Biozidhersteller informierte über Wert von Insekten. 

Von Roland Weber und Andreas Fussi. Erstellt am 03. Dezember 2019 (04:12)
Jörg Fricke, Helga Krismer, Christian Prokopp, Stefan Szirucsek, Andreas Marquardt, Hans-Dietrich Reckhaus, Martin Heilinger und Gerfried Koch.
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Das Thema Dachbegrünungen ist aktuell wie noch nie. Baden will nun als eine der schönsten Gartenstädte weltweit mit den Grünoasen im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus.



„Die Firma Prokopp hat vorgezeigt, wie durch begrünte Flachdächer wertvolle Lebensräume geschaffen und die Artenvielfalt in der Stadt gefördert werden kann. Auf diese Weise finden Insekten mitten in der asphaltierten Innenstadt Lebensräume, die wie Oasen wirken, erklärt Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grünen). Daher war es ihr wichtig, eine Förderung für Dach- und Fassadenbegrünungen einzuführen. Diese müsse „den hohen Qualitätsanforderungen der ,Grünen‘ Stadt Baden gerecht werden“, sagt Krismer.

„Jede nicht versiegelte Fläche ist ein Schutzschirm und ermöglicht ein besseres Mikroklima und eine höhere Lebensqualität“, weiß sie. „Gemeinsam mit dem ‚Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau‘ der Universität für Bodenkultur haben wir eine Vorzeige-Förderrichtlinie erarbeitet, welche im Gemeinderat beschlossen werden soll“, berichtet sie. Durch ein Bonus-System, das auf den Mehrwert für die Artenvielfalt eingeht, soll ein Anreiz für noch mehr Grünraum in Baden geschaffen werden. „Je mehr Insektenarten ein Zuhause finden, umso mehr Förderung gibt es von der Stadt“, fasst Krismer zusammen.

„Die Firma Prokopp hat vorgezeigt, wie durch begrünte Flachdächer wertvolle Lebensräume geschaffen und die Artenvielfalt in der Stadt gefördert werden kann."

Mit der Umsetzung werde Baden nach Wien, Graz und Linz die vierte Gemeinde in Österreich, welche Objektbegrünungen fördern wird. „Die e5-Gemeinde Baden hat mit dem Stadtgartenteam bereits selbst ein vorbildliches Insektendach errichtet, und nun wollen wir dieses Thema in die Breite bringen“, erläutert VP-Bürgermeister Stefan Szirucsek. 

Aus energietechnischer und bauphysikalischer Sicht verbessern Objektbegrünungen die Gebäudesubstanz, verringern Sanierungskosten, dämmen und kühlen ein Haus, und tragen zur Wertsteigerung einer Immobilie bei, betont in dem Zusammenhang Gerfried Koch, Leiter des Energiereferats Baden. Sie sorgen für ein besseres Stadtklima und erhöhen die ökologische Vielfalt in der Stadt.

Der Biozid-Unternehmer Hans-Dieter Reckhaus kämpft „für ein neues Verständnis im Umgang mit Insekten“. Diese seien für die Umwelt von unschätzbarem Wert. Aus seiner Initiative entstand ein wissenschaftliches Modell, das den Insektenverlust von Bioziden im Wohnbereich berechnet und ihn durch die Anlage von insektenfreundlichen Lebensbereichen ausgleicht. Mit „Insect Respect“ wurde das weltweit einzige Gütesiegel geschaffen, dass sich verpflichtet, Insekten zu schützen.
Für den Badener Unternehmer Christian Prokopp war es eine „Herzensanliegen der Umwelt ein kleines Stück zurückzugeben. Das Konzept von ‚Insect Respect‘ und die Gespräche mit Hans-Dietrich Reckhaus haben mich überzeugt, dass eine insektenfreundliche Dachbegrünung auf der Filiale Baden Sinn macht. Das Projekt umgesetzt hat schließlich ein Klosterneuburger Firma für Gründächer und Gartengestaltung.