Finale für Andreas Grubers Ermittler im Triestingtal

Der brillante Profiler Maarten S. Sneijder nimmt seit einigen Jahren im Triestingtal Gestalt an.

Erstellt am 03. November 2021 | 06:01
Andreas Gruber
Andreas Gruber verrät im NÖN-Interview viel Privates über sich selbst.
 
Foto: Dietmar Holzinger

Der NÖN erzählt der Autor, wo er im Triestingtal seine Inspirationen findet und darüber, ob es schwer ist, kreativ zu morden.

NÖN: Wie haben Sie den Weg nach Grillenberg ins Triestingtal gefunden?
Andreas Gruber: Meine Frau ist eine gebürtige Grillenbergerin. Die Liebe hat mich ins Triestingtal verschlagen und hier fühle ich mich pudelwohl, zwischen Araburg, Guglzipf und Blutalm.

Bewegen Sie sich hier auch in der Öffentlichkeit und werden erkannt oder schätzen Sie die Weite des Tales, wo man auch in die Anonymität untertauchen kann?

Als Autor erkannt worden bin ich bisher tatsächlich nur zwei Mal, einmal in einem Schnitzlhaus in Leobersdorf und einmal beim Spazierengehen in Baden. Obwohl mir das unangenehm war, war es trotzdem ein schönes Gefühl, zufällig jemanden zu begegnen, der dir sagt, dass ihm dein letzter Roman sehr gut gefallen hat.

Ich habe „Die schwarze Dame“ und „Die Engelsmühle“ gelesen. Im Vergleich zur Sneijder-Reihe wird in diesen Büchern das Morden nicht in allen grauenhaften Einzelheiten beschrieben. Wann haben Sie für sich beschlossen, das in der Sneijder-Reihe zu einer Art Markenzeichen zu machen?
Lustigerweise finde ich das gar nicht. Auch in „Die schwarze Dame“ und „Die Engelmühle“ kommen ziemlich brutale Morde vor. Ebenso in der Rache-Reihe um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. In meinen Thrillern ist es mir generell wichtig, neue originelle Todesarten zu erfinden und damit sozusagen einen ebenso cleveren wie verhaltenskreativen Killer zu entwickeln. Ein Ermittler kann ja immer nur so brillant sein, so brillant sein Widersacher ist. Wichtig ist mir dabei aber immer, dass die Morde nicht zum schockierenden Selbstzweck verkommen, sondern sich plausibel in die Handlung, in den Charakter und die Motivation des Täters einfügen.

Wo holen Sie sich die Inspirationen für Ihre Thriller?
Die Ideen kommen überall: Beim Lesen, Fernsehen, Musik hören, Autofahren, Plaudern, Spazierengehen oder im Kino. Wichtig ist dabei nur, dass ich ein Notizbuch dabei habe und sofort alle Ideen festhalte, bevor sie wieder in Vergessenheit geraten. Und dann gilt es, mehrere Ideen so miteinander zu verknüpfen, dass etwas Neues daraus entsteht.

Wie kommt man auf die Mordszenerien? Muss man dabei das Böse in sich wecken und entdecken?
Leider ist es so, dass die Realität um viele Grade böser, brutaler und schrecklicher ist als das Schlimmste, was wir Autoren in unseren Köpfen ausbrüten können. Man muss eigentlich nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und hinterfragen, wie es zu manchen brutalen Taten kommen konnte, um inspiriert zu werden. In vielen Büchern habe ich mir etliche Albträume zu bestimmten Themen von der Seele geschrieben, die mich bis in den Schlaf verfolgt haben.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, ein Kontrastprogramm zu schreiben, einen Krimi mit Augenzwinkern, wo der Humor nicht zu kurz kommt? Ich habe mit „Code Genesis“ für den cbj-Verlag eine Jugendbuch-Abenteuer-Trilogie für 12 bis 14-jährige geschrieben. Darin kommt viel Humor vor. Mein Episodenroman „Jakob Rubinstein“ ist eine humorvolle und augenzwinkernde Mystery-Detektivgeschichte, die im Luzifer-Verlag erschienen ist. Und in meiner Krimi-Kurzgeschichtensammlung ‚Dinner in the Dark‘ finden sich viele satirische Krimi-Stories. Ich brauche dieses Kontrastprogramm beim Schreiben, denn würde ich nur über brutale Serienkiller schreiben, müsste ich vermutlich bald in Therapie gehen.

Welchen Kontrapunkt oder welches Hobby setzen Sie zum Schreiben?
Radfahren auf dem Heimtrainer, während ich TV-Serien schaue, kürzlich „Die Bären sind los“ oder „Mondbasis Alpha Eins“, Klassiker aus meiner Jugend in den 70er Jahren. Oder Nordic Walken im Wald, während ich mir Hörbücher anhöre, kürzlich Sachbücher über Intervallfasten oder Comedy-Romane von Tommy Jaud. Tatsächlich bin ich ein humorvoller Mensch, der auch gern über sich selbst lacht.

Wie geht es mit der Sneijder-Reihe weiter?
Von Band 7 „Todesrache“, der im September 2022 erscheinen wird, habe ich schon 300 Seiten in der Rohfassung geschrieben, also knapp mehr als die Hälfte. Bis auf den Klappentext ist noch nichts zum Inhalt durchgesickert, falls das passiert, müsste ich Sie töten. Dann können Sie sich aussuchen, ob Sie lebendig einbetoniert oder doch lieber von Bambusstäben durchlöchert werden möchten.