Lois Lammerhuber: Fotografie verändert die Welt

Die Bilder des Festivals La Gacilly-Baden Photo bewegen Menschen zum Nachdenken.

Erstellt am 05. November 2021 | 05:12
Fotofestival mit Motto "Viva Latina" in Baden
Stand heuer das Festival unter dem Motto „Viva Latina“, geht es im kommenden Jahr „Nordwärts!“.
 
Foto: JJ

Das vierte Foto-Festival begrüßte 282.607 Besucherinnen und Besucher. Auch heuer überstanden die Bilder das Festival unversehrt – es gab so wie in den Jahren davor keinen Vandalismus. Festival-Direktor Lois Lammerhuber gibt einen Rück- und Ausblick.

NÖN:  Sie haben Fotografie einmal als Instrument der Demokratie bezeichnet. Warum?
Lois Lammerhuber: Weil es seit der Entwicklung der modernen Fotografie möglich wurde, soziale Schichten abseits der auf Gemälden porträtierten oberen Zehntausend abzubilden. Explodiert ist das Ganze natürlich in Zeiten des Smartphones. Das kann ich auch ganz genau bei unserem Festival beobachten, wie die Menschen vor den Bildern stehen und diese fotografieren. Auch wenn manche meinen, das ist keine Fotografie, es ist jedenfalls ein Weg, um sich mit den Strukturen und Bedingungen unserer Welt auseinanderzusetzen. Wir werben um das Verständnis der Welt. Ohne die Festival-Bilder würden sich wohl kaum so viele Menschen mit komplexen und oft auch widersprüchlichen Themen beschäftigen.

Was passiert jetzt mit den abgehängten Bildern?
Lammerhuber: Ein Teil der Planen wird zu Taschen verarbeitet, ein Teil der Bilder geht zurück nach Frankreich, eine Art ‚Best of’ der Bilder ging nach Bratislava, wo sie im November in der Galerie Zoya gezeigt werden.

Welche Bilder werden im nächsten Jahr in Baden gezeigt?
Lammerhuber: Das ist immer Teil eines Nachdenkprozesses, der sich daraus ergibt, welche Bilder in La Gacilly gezeigt werden. Man muss auf die unterschiedlichen geografischen Bedingungen der beiden Orte eingehen, La Gacilly hat 1.500 Einwohner, wir haben rund 26.000 Einwohner. Da muss ich berücksichtigen, welche Bildergalerien wo am besten zur Geltung kommen und wie viele ich brauche. Es wird jedenfalls ein Ausflug nach Skandinavien werden, vom 9. Juni bis 16. Oktober 2022 geht‘s ‚Nordwärts!‘.

Was liegt ihnen dabei besonders am Herzen?
Lammerhuber: Die österreichische Fotografie wird im nächsten Jahr eine größere Rolle spielen, besonders jene von Fotografinnen wie Inge Morath oder Christine De Grancy. Immerhin gilt es auch 100 Jahre Niederösterreich fotografisch zu würdigen. Und es wird eine bilaterale Ausstellung in der Frauengasse geben; 16 Schulklassen aus der Bretagne und Baden werden ihre Arbeiten zum Thema ‚Ich habe einen Traum‘ zeigen. Heuer hatten wir ‚Diversität‘, das sind alles sehr schwierige Themen, aber die jungen Leute sind hier einfach näher dran und dass sie ein politisches Bewusstsein entwickeln, das ist wohl auch Personen wie Greta Thunberg geschuldet. Zu meiner Zeit war das Martin Luther King.

Was ist für Sie das Besondere am Fotofestival?
Lammerhuber: Normale Festivals reisen nicht. Unsere Bilder werden erst in der Bretagne, dann in Baden gezeigt, mit Bratislava, der Garten Tulln und Celje erschließen sich neue Ausstellungsorte. Für mich ist das Fotofestival ein paneuropäisches Festival und ein großes Inklusionsfestival – wir zeigen, wie es Menschen auf der ganzen Welt geht, die Besucher setzen sich zum ersten Mal mit Themen auseinander, die nicht die ihren sind.