Das war das Jahr 2020 im Bezirk Baden. Diese Ereignisse bewegten die Menschen im Bezirk Baden im Jahr 2020:

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:00)
1. Mai als Mutprobe: Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) nimmt „Hoch der 1. Mai“ in diesem Jahr wörtlich. Er klettert mutig – live übertragen via Facebook – auf den 89 Meter hohen Fabriksschlot des früheren Semperit-Werkes und hält eine kurze Ansprache. Der Schlot ist für Babler „seit vielen Jahrzehnten ein Symbol der Stärke und Kraft der Arbeiterbewegung“.
privat

Badenerin bei der Biennale in Venedig. Die in Baden geborene Künstlerin Jakob Lena Knebl (Taufname Martina Egger) wird für die Biennale 2021 in Venedig auserkoren, den Österreich Pavillon zu bespielen. Gemeinsam tut sie das mit ihrer Künstler- und Lebenspartnerin Ashley Hans Scheirl. In Baden ist Knebl mit einem Kunstwerk vor dem Landespflegeheim in der Wimmergasse vertreten. 

Drei Sooßer Winzer Landessieger. Unter 5.200 eingereichten Weinen von über 800 Betrieben werden drei Weine aus Sooß zu Landessiegern gekürt. In der Kategorie Sekt gewinnt das Weingut Hecher, bei Prädikatsweinen das Weingut Schwertführer 47er und bei der Sortenvielfalt Rot der Weinbau Schlager.

Causa Kinderwunschklinik . Eine 32-Jährige verstirbt nach einer Behandlung in einer privaten Badener Kinderwunschklinik. Zwei weitere Betroffene müssen nach Komplikationen bei der Behandlung intensivmedizinisch versorgt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen behandelnden Arzt wegen grob fahrlässiger Tötung und grob fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Der Anästhesist soll Fehler bei der Verabreichung des Mittels Propofol begangen haben. Ein Prozess in Wr. Neustadt am 9. Dezember endet mit einem Unzuständigkeitsurteil. Der Einzelrichter entscheidet nach mehrstündiger Verhandlung und diversen Befragungen, dass der Beschuldigte wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang angeklagt werden soll. Der Strafrahmen beträgt im äußersten Fall bis zu 15 Jahre, zuständig ist ein Schöffensenat. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

TV-Debüt für die Stadtpolizei Baden. Die älteste und gleichzeitig größte Stadtpolizei Österreichs, jene aus Baden, ist ab 7. November mit vorerst acht Folgen im TV-Sender ATV bei ihren Einsätzen zu erleben. Produziert wird das Format von der Mabon Film, deren Gründer und Geschäftsführer Andreas Mannsberger in Leobersdorf und Bad Vöslau aufgewachsen ist. Für die Serie werden die Polizisten-Duos Sebastian und Alexander sowie Birgit und Bettina bei ihren Einsätzen in der Stadt Baden begleitet. 

ATV

Baustellen-Chaos in Ebreichsdorf . Bei Sanierungsarbeiten des NÖ Straßendienstes im Kreuzungsbereich der B16 und L150 im Zentrum von Ebreichsdorf kommt es wiederholt zu erheblichen Verzögerungen. Im Juli kommt erschwerend eine Baustelle auf der A3 und die Sperre der Abfahrt Münchendorf hinzu. Die Folge: Ein „Verkehrsinfarkt“, der am 20. Juli den Verkehr im Zentrum und umliegenden Straßen lahmlegt. Die FPÖ fordert den Rücktritt der SPÖ-Verkehrsstadträtin Claudia Dallinger. Diese weist auf Verfehlungen der Baufirma und interveniert bei der Bezirkshauptmannschaft Baden.

Bad Vöslau ringt um Stadtentwicklung. Die Änderungsentwürfe der neuen, örtlichen Raumordnung und des Bebauungsplans liegen zwischen Oktober und November öffentlich auf. Sie sollen die Grundlage für die Entwicklung der Kurstadt im nächsten Jahrzehnt schaffen. Die Verkehrsbelastung und einige Bauprojekte sorgen für Diskussionen. 71 Stellungnahmen aus der Bevölkerung langen im Bauamt ein, darunter drei Sammeleinsprüche mit rund 600 Unterschriften zu einzelnen Punkten. Die Änderungspläne sind seit Frühjahr 2016 in Arbeit und wurden nach einer ersten Auflage Ende 2018 zur Überarbeitung zurückgezogen.

Leobersdorf verordnet Bausperre. In der Oktober-Sitzung beschließt der Gemeinderat einstimmig Beschränkungen für gewidmetes Wohnbauland in Leoberdorf. In den nächsten zwei Jahren sollen der Bebauungsplan überarbeitet und die Bestimmungen für Gebäudehöhen und die Bebauungsdichte neu festgelegt werden. Bis dahin kann die Gemeinde auf Basis der Verordnung eingereichte Bauprojekte ablehnen.

Neue Käufer für Hauswiese. Seit drei Jahren steht das traditionsreiche Ausflugslokal im Badener Helenental zum Verkauf, seit Juli hat es aber wieder geöffnet. Die beiden Wiener Milica Baumgartner und Denis Urosevic wollen hier ihren Traum des eigenen Wirtshauses erfüllen.

ÖVP-Bürgermeisterin Michaela Schneidhofer.
Holzinger. Presse

Bewegender Wechsel an Ortsspitze. Die wohl bewegendste der konstituierenden Triestingtaler Gemeinderatssitzungen findet in Hernstein statt, wo Michaela Schneidhofer (ÖVP) eindeutig und einstimmig zur Bürgermeisterin gewählt wird. Bei der Sitzung sind auch die Altbürgermeister Leopold Schneidhofer (ÖVP) und Gerhard Stoiber (SPÖ) anwesend, der 30 Jahre lang im Gemeinderat tätig war, davon 25 Jahre als Geschäftsführender Mandatar. Die neu gewählte Bürgermeisterin Michaela Schneidhofer bedankte sich in einer sehr rührenden und ergreifenden Rede bei ihrem Vorgänger, ÖVP-Bürgermeister Leopold Nebel, den sie als ihren liebsten Lehrmeister bezeichnete.

Bablers Besuch beim Papst. Im September lädt Papst Franziskus Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) zur Audienz in den Vatikan ein. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bedankt sich bei dem Sozialdemokraten für seine Arbeit für Flüchtende.

Volksschule mit bestem Ausblick. Steht man frontal vor dem Gebäude der Volksschulerweiterung in Pfaffstätten, dann ist der linke Zubau für den Hort und die Nachmittagsbetreuung reserviert, der Bauteil in der Mitte kann von Hort- und Volksschulkindern gleichermaßen genutzt werden, der rechte Bauteil wird eine Volksschulklasse beherbergen. ÖVP-Bürgermeister Christoph Kainz erläutert: „Hinter der neuen Klasse wird die neue Zentralgarderobe errichtet, die jetzige Zentralgarderobe in einen Klassenraum umgewandelt.“ Die Kosten für den Zubau betragen 800.000 Euro.

Traiskirchen sieht bei der Wahl Rot. Andreas Babler verteidigt die SPÖ-Absolute in der ehemaligen Semperitmetropole. Die ÖVP gewinnt ein Mandat, die FPÖ verliert. 71,53 Prozent fährt der Wahlsieger, der amtierende Bürgermeister Andreas Babler, mit seinem SPÖ-Team ein. Dementsprechend euphorisch ist auch der Empfang, der „Andi“ in seinem Heurigenlokal Babler-Blum bereitet wird.

Neuer Bahnhof an Pottendorfer Linie in Ebreichsdorf. Beim Ausbau der Pottendorfer Linie im Abschnitt rund um Ebreichsdorf entsteht eine völlig neue Trasse. Herzstück wird der „Bahnhof Ebreichsdorf neu“, er wandert vom Ortszentrum an die Peripherie der L150 zwischen Ebreichsdorf und Unterwaltersdorf, das offiziell als Stadtentwicklungsgebiet, „Smart City“, ausgewiesen ist. Seit Mitte Dezember ist in Ebreichsdorf die „Infobox Pottendorfer Linie“ mit allen interessanten Zahlen, Daten und Fakten zum zweigleisigen Ausbau täglich von 9 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

Hochwasserschutz: Mega-Projekt schreitet voran. Täglich rollen 200 schotterbeladene Lkw zur Hochwasserschutz-Großbaustelle nach Fahrafeld. Gemanagt wird das 43-Millionen-Euro-Projekt von Leobersdorf aus. Bürgermeister Andreas Ramharter (LZL) ist Obmann des federführenden Triesting Wasserverbandes. Die Megabaustelle zieht sich über 1,6 Kilometer durch das Triestingtal. Zwei Riesendämme mit einer Gesamtlänge von mehr als 2,6 Kilometern und bis zu neun Metern Höhe sollen ein gigantisches Rückhaltebecken für 750.000 Kubikmeter Wasser bilden. Ende 2022 soll das Projekt fertig sein.

Gemeinderatswahlen brachten zwei neue Bürgermeister. In der Region Steinfeld herrschen nach den Gemeinderatswahlen weiter klare Verhältnisse. In Ebreichsdorf holt die SPÖ mit Bürgermeister Wolfgang Kocevar erstmals seit Jahrzehnten eine absolute Mehrheit und in Tattendorf gelingt der Bürgerliste UHL mit Bürgermeister Alfred Reinisch der Zugewinn von vier Mandaten und die absolute Mehrheit. In Pottendorf kann SP-Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner die Absolute knapp halten. In Blumau-Neurißhof folgt planmäßig René Klimes und in Seibersdorf Christine Sollinger als neue Ortschefs.

Kuriose Irrfahrt: Mit 31. August startet der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) sein Projekt „Ausschreibung Baden Region“, das ein vollständig überarbeitetes Regionalbussystem mit sich bringt. „Der Bezirk Baden profitiert von einer extremen Ausweitung der Regionalbusangebotes von weit über 20 Prozent“, betont VOR-Pressesprecher Georg Huemer. Allerdings gibt es mit der Fahrplanumstellung, vor allem zu Schulbeginn, laufend Beschwerden – Höhepunkt ist eine Irrfahrt des Linienbusses von Gainfarn nach Baden in den Sooßer Weinbergen, den ein Fahrgast öffentlich macht. Einige Probleme werden Mitte Dezember wieder entschärft. 
Lilli Marlene Eimer

Nahversorger sperrt erst zu, dann wieder auf . Es ist eine Hiobsbotschaft, als im September bekannt wird, dass der wichtige ADEG Nahversorger in Mitterndorf im Oktober aus wirtschaftlichen Gründe schließt. Bürgermeister Thomas Jechne (SPÖ) gelingt es in intensiven Verhandlungen mit dem Rewe-Konzern aber, dass nur wenige Wochen nach der Schließung der Supermarkt mit neuem Pächter wieder aufsperrt und die Nahversorgung sichergestellt ist.

Mehrheit für geplanten Gemeinde-Neubau . Das Thema Sanierung oder Neubau des in die Jahre gekommenen Gemeindeamtes sorgt im Juni in Günselsdorf für Aufregung und eine von einer Bürgerinitiative initiierte Volksbefragung. Dabei beteiligen sich knapp 48% der Wahlberechtigten und es gibt mit 56,82% zu 43,18% eine klare Mehrheit für den geplanten Bau. Das neue Gemeindeamt soll 2021 fertiggestellt werden.

Christine Witty zieht sich aus Politik zurück. Die ehemalige „wir badener“-Klubobfrau entscheidet Anfang Februar, ihr Mandat nicht anzunehmen und als Klubobfrau zurückzutreten. Als Mitstreiterin von Jowi Trenner hat sie mit der Bürgerliste mehrere Wahlerfolge gefeiert. Bei der Gemeinderatswahl 2020 rutschen „wir badener“ jedoch von zehn auf sechs Mandate ab. Wahlsieger ÖVP und Grüne regieren nun alleine weiter – ohne die NEOS, die nun in Opposition sind.

Harald Sorger verlässt Gemeinderat nach 25 Jahren. Bei der Gemeinderatswahl am 26. Jänner gelingt es der Liste „Zukunft Leobersdorf“, die absolute Mehrheit zu halten. In den Wochen danach verliert sie jedoch einen langjährigen Mitstreiter. Mandatar Harald Sorger, der davor acht Jahre das Amt des Vizebürgermeisters innehatte, verzichtet als Listenzweiter auf sein Mandat. Grund dafür ist ein listeninterner Konflikt. Sorger zieht 1995 mit 19 Jahren erstmals in den Gemeinderat ein. Ab 2000 leitet er den Sport- und Kulturausschuss inklusive des Vereinswesens. Zuletzt prägt er vor allem die Kommunikationsarbeit der Gemeinde.

SPÖ-Urgestein Karl Wallner zieht sich zurück . Nach 14 Jahren im Gemeinderat Bad Vöslau übergibt Karl Wallner im September an seine Nachfolger. Schulen und Kindergärten, das Ressort, welches ihm besonders am Herzen lag, übergibt er an Stadtrat Wolfgang Reiterer. Sein zurückgelegtes Gemeinderatsmandat übt nun der 22-jährige Stefan Rabits aus.

Amoklauf in Baden sorgt für Entsetzen. Am 21. Mai attackiert mitten in Baden ein 19-jähriger Österreicher sechs Personen im Alter von 16 bis 63 mit einem Messer und fügt ihnen Verletzungen zu. Die Polizei leitet eine Großfahndung ein und kann den Täter auf der Flucht wenig später festnehmen. Am 12. November wird der 19-Jährige am Landesgericht Wiener Neustadt wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt. Als Motiv gilt Eifersucht. Laut Anklageschrift handelte es sich bei einer Verletzten um die Freundin des Täters. Der Schuldspruch ist nicht rechtskräftig.

Martin 5 hebt ab. Am 27. April wird der rote Notarzthubschrauber mit Standort Bad Vöslau in den Dienst gestellt und transportiert noch am gleichen Abend seinen ersten Patienten. In den nächsten Monaten fliegt der Martin 5 über 400 Einsätze. Im September wird überraschenderweise angekündigt, dass der Flugbetrieb mit 15. Oktober eingestellt wird. Nach dem Winter soll Martin 5 aber wieder von Bad Vöslau aus starten.

90 Jahre Pfadfinder. Im September feiert die Pfadfindergruppe Leobersdorf ihr 90-jähriges Bestehen. Coronabedingt fallen große Festlichkeiten aus. Schaulager, Ausstellung und Jurtenkino geben im kleinen Rahmen Einblicke. 1930 legen die ersten vierzehn Neulinge ihr Pfadfinderversprechen am Heiligen Brunnen ab, heute sind die Leobersdorfer Pfadis 150 Mitglieder stark. Sie sind Teil der größten, internationalen Jugendbewegung.

Pottenstein streamt Gemeinderatssitzung. Am 16. Dezember wird erstmals eine Gemeinderatssitzung im Triestingtal live übertragen. SPÖ-Bürgermeister Daniel Pongratz nutzt die vom NÖ Landtag beschlossene Möglichkeit, Gemeinderatssitzungen als Videokonferenz abzuhalten. Um das Prinzip der Öffentlichkeit von Sitzungen zu wahren, wird kurzerhand ein Live-Stream über die Facebook-Seite der Gemeinde eingerichtet. Angesichts der Pandemie stehen Sitzungsstreams auch in anderen Gemeinden zur Diskussion.

Badens Haubenwirt beendet Karriere. Langzeitgastronom Franz Pigel, Badens einziger Zwei-Hauben-Gastronom, übergibt Ende Jänner sein geliebtes „Primavera“ in der Weilburgstraße an Attila Balazs. Statt eigentlich schon im März eröffnet der Nachfolger dann Ende Mai sein auf die französische Küche spezialisiertes Lokal „Le Rendez-vous“. Es kommt gut an und erzielt im Dezember im Restaurantführer Gault Millau mit 12,5 Punkten eine Haube.

Neubau der Arbeiterkammer. Im Jänner wird das Gebäude Wassergasse 31 in Baden abgerissen. Im Oktober starten die Bauarbeiten für die Neuerrichtung der Bezirksstelle der Arbeiterkammer NÖ. Die Fertigstellung ist Frühjahr 2022 geplant.

Was passierte im Jahr 2020 noch im Bezirk Baden:

Mehr über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Region, die coronafreie Frischluft im Stadttheater Baden, das umstrittene Bauprojekt Spitalsgärten, den Riesenkürbis-Staatsmeistertitel, das La Gacilly-Baden Fotofestival sowie einen Rückblick auf die Gemeinderatswahlen lest ihr in der Printausgabe der Badener NÖN und im ePaper vom 30. Dezember 2020.