10 Jahre Energiereferat Baden. Es war ein Experiment, das einen positiven Ausgang fand und das auf kommunaler Ebene Schule machte: das Energiereferat.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:55)
Ein wesentlicher Wegzeiger, wohin es gehen soll, ist der jährlich erstellte Energiebericht der Stadtgemeinde Baden. Hier hält Gerfried Koch den Bericht von 2019.
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Es war das Bestreben von Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne, vor zehn Jahren ein neuartiges Referat aus der Taufe zu heben, das sich dem Klimathema auf Gemeindeebene annehmen soll.

Baden bekam damit eine eigenständige Energieabteilung, Leiter Gerfried Koch arbeitet seit dem mit seinem Team an Konzepten und Projekten, berät Bürger, Unternehmen und Kollegen in der Stadtverwaltung und schafft Bewusstsein für nachhaltige Energieversorgung.

Koch sagt rückblickend zu seinen ersten 10 Jahren in der Stadtverwaltung: „Der Start unseres Energiereferats war kein leichter. Die Notwendigkeit des frühzeitigen Handelns und die daraus wachsenden Chancen waren damals nicht allen klar. Für mich war und ist dieser Job die spannendste und herausforderndste Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann. Was gibt es Schöneres, als die Zukunft der nächsten Generationen mitzugestalten, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und gemeinsam mit Menschen in Baden die Energiewende voranzutreiben?“

Besonders freut es Koch, „wenn unsere Arbeit im Energiereferat wahrgenommen wird, und das nicht nur in Baden“. Erst kürzlich wurde er wieder von einem Studenten der Universität Klagenfurt angerufen, da er in seiner Masterarbeit über Klimamaßnahmen in österreichischen Gemeinden schreibt.

Vizebürgermeisterin Helga Krismer erinnert sich an jene Projekte, die für sie besonders prägend waren: „Das Sonnen-Sparbuch war sicher ein innovatives Projekt, genau so wie das Badener E-Carsharing BEA, das von Gerfried Koch bis heute begleitet wird. Neben den vielen Photovoltaik-Anlagen und energiesparenden Maßnahmen wie LED-Beleuchtung, ist Wissensvermittlung bei den Klimafilmtagen ein Herzensprojekt.“ Der Wermutstropfen ist: „Wir kommen oft wie beim Sonnen-Sparbuch oder dem Kleinwasserkraftwerk am Wiener Neustädter Kanal an die Grenze des Machbaren. Viele Gesetze sind noch nicht fit, um gegen die Klimakrise zu nützen. Daher hoffe ich auf das Erneuerbare Ausbau Gesetz, um Baden zu einer Energiegemeinschaft zu machen, wo Betriebe, Bürger und die Stadt ihren produzierten Strom auch selber handeln dürfen. Und das Großprojekt zur Wärmerückgewinnung aus dem Kanal macht die Halle B hoffentlich 2021 zu einem Leitprojekt.“

Elektromobilität wurde besonders gefördert

Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, hebt besonders die erfolgreiche Arbeit des Energiereferats in den Feldern der Elektromobilität und der Nachhaltigkeit in Baden hervor. Der Bürgermeister betont: „Um das Ende des fossilen Zeitalters endgültig hinter uns zu lassen, bedarf es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten des Wissens und der Kreativität einer Vielzahl von jungen Ingenieuren. Die Arbeit des Energiereferats ist ein wichtiger Puzzlestein zur Zielerreichung.“

Koch ist überzeugt, „dass wir die Klimaziele nur schaffen, wenn es uns auch gelingt, die Menschen ins Klimaschutzboot zu holen. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel, eine Veränderung von Lebensstil, Konsumverhalten und Energienutzung. Und wir müssen den Menschen verständlich machen, dass wir unsere Lebensqualität auch unter dem Motto ‚weniger ist mehr‘ behalten können.“

So wie bei dem geplanten Projekt mit 20 unterschiedlichen Familien aus Baden, wo in einem Experiment ausprobiert werden soll, ob und wie die Klimaziele von Paris im Alltag einer Badener Familie umgesetzt werden können.

Und noch etwas schwebt Koch vor: „Wir möchten bis 2022 ein sogenanntes Repaircafé in der Klimamodellregion Baden ins Leben rufen. Wer Interesse hat, an so einem Projekt mitzuwirken, ist herzlich eingeladen sich beim Energiereferat unter energeireferat@baden.gv.at zu melden.“

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