Franz Gartner: „Muss für die Menschen da sein“. Traiskirchens längst dienender SP-Vizebürgermeister im NÖN Gespräch über Politik & Verantwortung.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. März 2020 (02:47)
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Traiskirchens Vizebürgermeister Franz Gartner (SPÖ) blickt mit 70 auf ein erfülltes privates und politisches Lebenzurück.Jandrinitsch
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NÖN: Herr Gartner, Sie haben einen Lehrberuf gelernt, kann man in ihrem Fall also davon sprechen, dass Sie Karriere mit Lehre gemacht haben?
Franz Gartner: Ich habe einen richtigen Handwerksberuf, nämlich Koch gelernt, ich war meine Lehrzeit mit eingerechnet 25 Jahre lang in verschiedenen Großküchen beschäftigt. Von 1977 bis 1990 war ich Küchenleiter im damaligen Badener Rehabilitationszentrum der NÖ Gebietskrankenkasse, heute befindet sich dort das Klinikum Peterhof.

Wo sind Sie zum ersten Mal mit Politik und politischem Engagement in Berührung gekommen?
Als ich 1970 im Rehabilitationszentrum Türnitz gearbeitet habe, war ich schon Mitglied des Zentralbetriebsrates. Meine betriebsrätliche Tätigkeit hat mich auch in Baden begleitet, schließlich wurde ich im Badener Rehabilitationszentrum zum Zentralbetriebsrat gewählt.

Eigentlich stammen Sie ja aus dem Allander Ortsteil Groisbach, was hat Sie dazu bewogen, sich in Traiskirchen niederzulassen?
Meine erste Frau und ich haben leistbaren Wohnraum rund um Baden gesucht, sie hat in Oeyenhausen gearbeitet, ich in Baden. Fündig geworden sind wir 1983 in Traiskirchen.

Dort haben Sie dann ihr politisches Engagement fortgesetzt?
Der damalige Bürgermeister Fritz Knotzer ist 1987 auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich nicht in der Stadtregierung mitarbeiten möchte. Ich war ja schon in Alland im Gemeinderat tätig gewesen .

Ist es wichtig, für eine politische Funktion vorgeschlagen zu werden?
Ja, es ist immer sehr von Vorteil, wenn man von jemanden für eine bestimmte Funktion vorgeschlagen wird und wenn man einen Mentor im Hintergrund weiß. Diese Erfahrung habe ich in meinem langen politischen Leben immer wieder gemacht.

Man muss für die Menschen da sein, und das muss man auch wollen

War es ein großer Sprung von Alland nach Traiskirchen?
Die Strukturen in Traiskirchen sind natürlich anders als in Alland. Aber eines bleibt bei der politischen Arbeit immer gleich: Man muss für die Menschen da sein, und das muss man auch wollen. 1990 bin ich in den Gemeinderat eingezogen, 1995 zum ersten Mal Stadtrat geworden, 2001 Vizebürgermeister. Somit bin ich der längst dienende Vizebürgermeister, den Traiskirchen jemals hatte.

Wie ist sich das alles mit ihrer Arbeit im Rehabilitationszentrum ausgegangen?
Ich habe 1990 das Angebot bekommen, hauptberuflich als SPÖ-Bezirksparteigeschäftsführer tätig zu werden. Ich war mit bewusst, dass das ein Risiko ist, weil man in der Politik nie weiß, wie lange man eine bestimmte Funktion ausübt. Schließlich war ich aber bis 2003 Bezirksgeschäftsführer, und ich habe in dieser Zeit viele wertvolle Kontakte knüpfen können, die mir auch in späteren Funktionen wie als dritter Landtagspräsident oder als Obmann des Triestingtal-Trinkwasserverbandes sehr geholfen haben.

Hat es Sie nie gereizt, Bürgermeister zu werden?
Vielleicht schon, aber diese Frage hat sich dann doch nicht gestellt, weil ich 2013 das Angebot bekommen habe, dritter Landtagspräsident zu werden. Diese Funktion habe ich fünf Jahre lang mit großer Freude und Begeisterung ausgeübt.

Gibt es ein politisches Credo, dass Sie erfolgt haben?
Es war immer mein Ziel, mit allen politischen Gruppierungen gut auszukommen und zusammenzuarbeiten. Das Rezept des Miteinanders zu beachten ist für mich immer im Vordergrund gestanden und das hat sich auch bewährt, sowohl in der Stadt- als auch in der Landespolitik. Traiskirchen ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Und man darf das Vertrauen, dass die Partei in einen setzt, nie missbrauchen.

Ich war kein Träumer, sondern ein harter Arbeiter

Wussten Sie schon von klein auf, politisch tätig sein zu wollen?
Ich war kein Träumer, sondern ein harter Arbeiter. Ich hätte nie geglaubt, dass ich politisch das erreichen kann, was ich erreicht habe. Man wächst mit den Funktionen und Aufgabe. Ich hatte immer das Glück, gute Freunde und politische Berater zu haben, sowie hervorragende Mitarbeiter. Ohne Mitarbeiter kann man gar nichts erreichen, die tragen dich immer durch. Ganz besonders danken möchte ich meiner Frau Sonja. Sie hat immer Verständnis für meine Arbeit gehabt, hat nie geraunzt oder gefragt, ‚wo warst du, warum kommst du so spät nach Hause?‘ Anders wäre meine politische Arbeit nicht möglich gewesen.

Das heißt, Sie werden auch in der neuen Gemeinderatsperiode Vizebürgermeister sein?
Ja, ich werde bei der konstituierenden Sitzung am 4. März zum Vizebürgermeister vorgeschlagen. Meine Arbeit im öffentlichen Leben war und ist mein Hobby. Ich habe das nie als Belastung empfunden, es hat mir immer Freude gemacht und macht mir heute noch Freude.

Mit 70 hält man inne und blickt zurück. Mein Augenmerk ist aber in die Zukunft gerichtet

Welchen Schluss ziehen Sie aus der politischen Arbeit bis heute?
Mit 70 hält man inne und blickt zurück. Mein Augenmerk ist aber in die Zukunft gerichtet. Ich hatte bisher ein sehr erfülltes Leben, auch wenn ich vor einigen Jahren mit einer schwern Krankheit gekämpft habe und so merkte, dass wirkliche Freunde einem auch durch eine solch schwierige Zeit durchtragen. 90 Prozent der Menschen, die ich als Freunde betrachtet habe, haben zu mir gehalten. Es kam auch kein Ruf nach einer Ablöse. Persönlich hat mich immer gefreut, wenn ich den Menschen im Bezirk bei ihren persönlichen Anliegen helfen konnte. Das empfinde ich als das, was Lokalpolitik wirklich ausmacht.