Weilburg-Ausstellung eröffnet: „Badens Schönbrunn“. Im Kaiserhaus am Badener Hauptplatz läuft bis November die Schau „Schloss Weilburg in Baden – Symbol einer Liebe“. Sehenswert.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 01. Mai 2015 (06:15)
NOEN, Sagmeister
Kulturstadtrat Hans Hornyik, Bürgermeister Kurt Staska, Kuratorin Bettina Nezval und Architekt Gerhard Lindner, dessen Frau Monika an der Museumsgestaltung beteiligt war.

Es ist eine der größten Wunden Badens. „Alle Badener die eine Kamera hatten, waren 1964 bei der Sprengung der Weilburg dabei“, berichtete Kulturstadtrat Hans Hornyik bei der Pre-View am Mittwoch. Und Bürgermeister Kurt Staska erinnert sich noch an die letzte Ausstellung über die Weilburg im Frauenbad vor 30 Jahren: „Das war die bestbesuchte Ausstellung der damaligen Zeit.“

Ein Schloss, breiter als Schönbrunn

Der Rundgang durch die Schau über das untergegangene Kulturjuwel der Stadt zeigt Zitate aus dem Inneren der Weilburg, die eher einem Schloss ähnelte, denn einer Burg. In Auftrag gegeben wurde dieses Traumschloss vom Traumpaar des Biedermeiers, Erzherzog Carl und Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, eine der wenig glücklichen Ehen im Hause Habsburg. „Die Weilburg war mit ihren 190 Metern sogar um einige Meter breiter als Schloss Schönbrunn“, weiß die Badener Stadtführerin Christine Triebnig-Löffler.

Aus der ganzen Welt fanden die Exponate und Leihstücke ihren Weg ins Kaiserhaus, wo sie in den abgedunkelten Räumen in Vitrinen auf neugierige Betrachter warten. Aus Chicago kommen etwa einige Möbelstücke, die in der Weilburg, der Sommerresidenz des Paares, standen, die Kosten für den Transport übernahmen die Besitzer“, freut sich Hornyik, der auch zufrieden verkünden konnte, dass „wir das Ausstellungsbudget unterschritten haben.“ Im Vorfeld gab es ja politischen Widerstand gegen die Sinnhaftigkeit der Ausstellung.

Interessante Eindrücke über das verbrannte Bauwerk

Aber die Ausstellung liefert schon interessante Eindrücke, über das verbrannte und dann gesprengte Bauwerk. In einem Raum kann man die ewig langen Original-Baupläne bestaunen, die der Erbauer der Weilburg, Joseph Kornhäusl, gezeichnet hat. Anschaulich auch das raumfüllende, eigens nachgebaute, Modell der Weilburg.

Kornhäusl begann 1820 mit der Planung eines modernen Gebäudes mit 200 Wohn- und Wirtschaftsräumen und einem Swimmingpool. Die Innenausstattung zählte zum Feinsten jener Zeit, es kam zu einem richtigen Weilburg-Hype: „Es gab eine aufwändige Wasserversorgung und auch schon Wasserklosetts“, erzählt die Kunst- und Architekturhistorikerin Bettina Nezval, die die Ausstellung gemeinsam mit Hans Hornyik kuratierte und eine Menge zu erzählen wusste. Sie las alle Liebesbriefe, die Erzherzog Carl an seine Henriette von Nassau schrieb, fast alle sind ausgestellt, in einer sprechenden Sitzbank werden sie dem Besucher auch vorgelesen.

Carl und Henriette waren verliebt ineinander, er dürstete in den Briefen, sie endlich heiraten zu dürfen. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, doch obwohl Henriette um einiges jünger war, starb sie mit nur 32 Jahren an den Folgen einer Scharlacherkrankung.

Wenige Stücke haben überlebt

Der Erzherzog sollte diesen Verlust nie wirklich überwinden, das Schloss war für die beiden immer ein Ort der Liebe und des Rückzuges und der Erzherzog schrieb einmal: „Das Sitzen und Brüten auf meinem einsamen Schlosse, zwischen Burgen, Felsen und Wald, bestärkt die üblen Gewohnheiten.“ Nach dem Tod seiner Frau widmete sich der Erzherzog verstärkt seinen Kindern und dem Rosengarten, wo hunderte verschiedene Arten blühten.

Einige wenige Stücke haben überlebt, wie beispielsweise die Flora & Zephyr-Statue, sie steht im Foyer des Frauenbades, der Wappenstein des Schlosses, am Ende der Weilburgstraße, ein Wassergott ist im Doblhoffpark zu finden und zwei Nebengebäude der Weilburg, sogenannte Kavaliershäuser, sind in der Weilburgstraße 42 zu finden.